Digital Manna
Die digitale Wirtschaft befindet sich - wieder einmal - in einer entscheidenden Phase. Die Unternehmenswerte von nutzerstarken, aber umsatzschwachen Communities
explodieren in fast astronomische Höhen. Kultunternehmen Apple feiert mit seinem anachronistisch-proprietären I-System spektakuläre Erfolge bei der breiten Masse
und den Jüngern des Open-Source-Internet. Monopolist Google formiert eine Regenbogen-Allianz zur Revolutionierung des Mobilfunkmarktes. Und Onlinewerbung wächst und wächst und wächst.
Vor allen Dingen die lange Zeit werbeabstinenten bis -feindlichen Communities und Blogs haben Internet-Anzeigen als den Schmierstoff auserkoren, der
die Web-2.0-Maschine am Laufen halten soll. Der Schwenk hin zur Onlinewerbung wird dramatische Folgen haben. Bislang kämpften Communities mit den
„klassischen", zumeist werbefinanzierten Content-Plattformen
um das Zeitbudget und die Zuneigung der Nutzer. Nun kommt
der Kampf um die Werbekunden hinzu.
Web-Werbung wird zum Manna der digitalen Wirtschaft, wie Publicis-Chef
Maurice Lévy richtig bemerkt hat. Deshalb das Jahr 2007 mit der Blase der New
Economy zu vergleichen ist PR-wirksam, aber dennoch falsch. Sicherlich wer
den die meisten Netzangebote, die auf Werbung angewiesen sind, sich damit
nicht refinanzieren, geschweige denn in die Gewinnzone katapultieren können.
Das liegt aber nicht am überhitzten Markt, sondern an den Gesetzen dieses
Marktes.
Das Internet ist zweifellos ein demokratisches Medium. Doch die
„Liberté, Egalité, Fraternité"-Attitüde des Mitmach-Webs verdeckt: Das Internet ist vor allen Dingen ein zu oligopolistischen Strukturen tendierender
Wirtschaftsraum.
Kommentare
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