Tamedia-Verleger Pietro Supino: "2016 war trotzdem ein gutes Geschäftsjahr"

Donnerstag, 02. März 2017
Tamedia-Verleger Pietro Supino zeigte sich guten Mutes - trotz happiger Anzeigenrückgänge im 2016.
Tamedia-Verleger Pietro Supino zeigte sich guten Mutes - trotz happiger Anzeigenrückgänge im 2016.
© knö.

Der Umsatz liegt 5.5 Prozent unter Vorjahr, EBITDA und EBIT sind um 17.5 Prozent beziehungsweise 13.1 Prozent tiefer, der Gewinn ist gar um 63.4 Prozent eingebrochen – das sind die Eckwerte von Tamedias Geschäftsjahr 2016. Trotzdem zeigten sich gestern an der Tamedia-Bilanzmedienkonferenz weder Verleger Pietro Supino und CEO Christoph Tonini zerknirscht.

 "2016 war ein anspruchsvolles Jahr, doch das Geschäftsjahr beurteile ich gleichwohl als gut", sagte etwa Pietro Supino. "Wir sind grundsätzlich zufrieden, obwohl es natürlich ernüchternd ist, dass der EBITDA 13 Prozent unter Vorjahr liegt", ergänzte Christoph Tonini.

Christoph Tonini, CEO von Tamedia.
Christoph Tonini, CEO von Tamedia. (© Tamedia)
Der Grund für die positive Grundstimmung der Beiden: An den teils starken Rückgängen haben auch diverse Sondereffekte "Mitschuld". Zum einen fällt ins Gewicht, dass Tamedia 2015 einen einmaligen Sondergewinn verbuchen konnte, der aus der Zusammenführung der Suchportale search.ch und local.ch unter dem Dach der Swisscom resultierte. 2016 fiel dieser weg. Auch die Umsätze der 2015 geschlossenen Ziegler Druck AG sind in der 2016er-Rechnung nicht mehr enthalten. Weiter gab es buchhalterische Umstellungen bei der Pensionskasse, was zu einer Differenz von 36 Millionen Franken führte. Und schliesslich fielen noch Wertberichtigungen von 11 Millionen Franken bei Trendsales in Dänemark ins Gewicht – dies wegen eines Betrugsfalls. "Wenn man alle Sondereffekte herausrechnet, liegt das Ergebnis ungefähr auf Vorjahresniveau", gab Tonini deshalb Entwarnung.
(© zvg.)
Allerdings verschwieg er nicht, dass die Umsätze im Printwerbemarkt um 11 Prozent eingebrochen sind – Tonini sprach gar von einem "annus horribilis", das  auch Tamedia traf, insbesondere im Segment Publizistik Regional: Hier reduzierte sich der Umsatz um 9 Prozent oder 49 Millionen Franken – teils wegen Ziegler Druck. Aber eben nicht nur. Hinzu kommt: Die verlorenen Printwerbeumsätze konnten nicht mit digitalen Einnahmen kompensiert werden. Aus diesem Grund seien auch kostenseitig Massnahmen nötig, so etwa die begonnene redaktionelle Kooperation zwischen "24 Heures" und "Tribune de Genéve". Unzufrieden ist Tonini mit der Zahl der verkauften digitalen Zeitungsabos. Mittlerweile verfügten zwar alle Tamdia-Titel über digitale Bezahlmodelle, doch seien die bezahlten Digitalabos 2016 bloss um 25 Prozent auf gut 25.000 angestiegen (was 5 Prozent aller regionaler Zeitungsabos bei Tamedia entspricht) und die verkauften E-Paper seien bei 2000 bis 3000 Stück lediglich stabil geblieben. "Das ist ungenügend, wir müssen diese Zahlen jährlich verdoppeln", forderte Tonini. Aus diesem Grund habe man den Vertrieb der Digitalabos personell ausgebaut.

Tamedia in Zahlen

20152016+/- in %
Tamedia-GruppeBetriebsertrag1063.81004.8-5.5
Ergebnis223122.3-63.4
Publizistik regionalBetriebsertrag519.8470.7-9.4
EBITDA8268-17
Publizistik nationalBetriebsertrag376.1354.4-5.8
EBITDA7365-10
DigitalBetriebsertrag221.0228.3+3.3
EBITDA7085+21
Quelle: (Tamedia, Präsentation zur Bilanz 2016.)

Keinen Erfolg scheint übrigens dem im Herbst lancierten “Matin soir” vergönnt zu sein: Gegenüber HORIZONT Swiss bezeichnete Tonini die Nachfrage als "sehr bescheiden". Zwar sei eine definitive Aussage noch zu früh, meinte er, doch müsse dieses Projekt wohl unter "trial and error" verbucht werden.

Im Segment Publizistik National fiel der Umsatzrückgang mit 6 Prozent oder 8 Millionen Franken etwas moderater aus. Allerdings in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. So performte die "SonntagsZeitung" – nicht zuletzt dank diverser Kooperationen – sehr gut und lag offenbar klar über ihrem schlechten Jahr 2015. Anders der "Matin Dimanche": Während 2016 die Sonntagspresse insgesamt 21 Prozent ihrer Werbeumsätze einbüsste, war der Umsatzverlust beim Westschweizer Sonntagsblatt gemäss Tonini "deutlich höher", dies aus strukturellen Gründen: So habe in der Westschweiz sonntags die digitale Nutzung gegenüber 2015 stark zugenommen. Das schwierige Printwerbejahr bekam auch die "Annabelle" zu spüren, während die "Schweizer Familie", die stärker vom Leser- als vom Werbemarkt abhängig ist, relative unbeschadet daraus hervorging.

Das Segment Digital entwickelte sich völlig anders als die Printsegmente: Es wuchs um 3 Prozent auf 228 Millionen Franken und leistete auf Stude EBITDA gar mit 85 Millionen (+21 Prozent) den grössten Beitrag. Einen Wermutstropfen gab es wie erwähnt bei Trendsales: Ohne die dort nötige Wertberichtigung "wäre Digital noch stärker gewachsen als jetzt ausgewiesen", sagte Tonini. Positiv auch: Den Kredit, den Tamedia für den Kauf von Ricardo.ch aufgenommen hat, dürfte schon bis Ende 2017 vollständig zurück bezahlt sein.

Sehr starkes Nutzungswachstum erwartet Tamedia im Videobereich. Derzeit verzeichne man 15 Millionen Views pro Monat, doch dass sei "viel zu wenig", dieses Jahr wolle man die Zahl verdoppeln. Um diese Anstrengungen besser zu monetarisieren, sei man in diesem Bereich eine Kooperation mit Goldbach eingegangen, "weil die eigenen Teams in der Videovermarktung noch nicht genügend positioniert sind", so Tonini. Ob sich damit ein zweites 'Admeira' anbahne, fragte ein Journalist. "Nein", sagte Tonini klar. knö

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