Seiler's Werbeblog Yves Seiler im Interview: "Meinen Job verdanke ich dem Blog"

Freitag, 15. September 2017
Yves Seiler
Yves Seiler
© Yves Seiler

Wirz-Werber Yves Seiler hat 2014 "Seiler's Werbeblog" gestartet. Im Interview mit HORIZONT erzählt er, was ihn dazu bewogen hat, neben Vollzeit Job und Familie auch noch über die Branche zu schreiben.

2014 haben Sie Seiler’s Werbeblog gestartet. Was hat Sie dazu veranlasst, neben Ihrem Job und der Familie noch einen Blog mit Inhalt zu füllen?
In meiner damaligen Agentur durfte ich während einer langen Zeit den CEO vertreten. Es war ein Schock, als wir von seinem schweren Unfall erfuhren. Das 12-köpfige Team stand vor einer schwierigen Aufgabe. Schliesslich war er Kopf, CD und Inhaber der Agentur. So schwierig die Situation auch war, so lehrreich war sie. Und das Schönste daran war, dass wir erfolgreich waren. In dieser Phase konnten wir sogar Neukunden gewinnen. Als der CEO wieder genesen war und in die Agentur zurückkehrte, übernahm er einen Teil meiner Aufgaben. In dieser Zeit stellte ich mir viele Lebensfragen. Eine davon war, ob ich mich an der Agentur beteiligen sollte. Je länger ich nachdachte, desto klarer wurde mein Nein. Da ich aber plötzlich wieder mehr Freizeit hatte, wollte ich etwas Kleines, aber Eigenes auf die Beine stellen.

Und das war der Blog?
Ja, das war dann ein Blog. Weil mich die Branche, die neuesten Kampagnen und die Exponenten, die hinter der Kampagne standen, interessierten, habe ich mich entschieden, den Blog zu gründen.

Dann war die neue Freizeit wieder weg.
Das stimmt. Aber meine Frau unterstützt(e) mich zu 100 Prozent, übernahm das Lektorat und hielt mir den Rücken frei, wenn die Kinder mal wieder am Stürmen waren. Ohne meine Frau hätte ich den Blog nie realisieren können.

Wie viel Zeit schluckt der Blog?
Die ersten zwei Jahre habe ich sehr viel Zeit investiert. Pro Woche kamen da locker 20 Stunden und mehr zusammen. So ging das die ganze Zeit über und ich machte alles während meiner Freizeit.

Jetzt ist das anders?
Durch die Neupositionierung des Blogs, vermehrt auf Eigenberichte zu setzen, dank der Mitarbeit von Michael Kathe und Andreas Panzeri sowie meinem Wechsel zu Wirz Activation habe ich das Pensum stark nach unten korrigiert.

Ihre Zwischenbilanz?
Ich habe fast drei Jahre bewiesen, dass man solch ein Projekt durchziehen kann. Dass wir aktuell weniger News veröffentlichen, geht für mich völlig in Ordnung. Im September werde ich 42 Jahre alt, für die Werbebranche schon fast ein Grufti. Ich möchte jetzt den bestmöglichen Job machen, mein Hauptaugenmerk gehört zu 101 Prozent Wirz. Im Übrigen kann ich den Job dem Blog verdanken. Nach einem Interview mit dem Kreativchef und Co-CEO Livio Dainese lud mich seine CEO-Kollegin Petra Dreyfus zu Wirz in die Agentur ein. Auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt keinen Job frei hatte, setzte sie sich stark für mich ein und kümmerte sich um mich. Sie war es dann auch, die mich an Wirz Activation vermittelt hat. Vielen Dank, Petra!

Wo und wann schreiben Sie am liebsten Ihre Blog-Beiträge?
Da ich am liebsten Interviews schreibe, muss meine Tastatur vor dem heimischen Mac am meisten einstecken. Für die Recherchen brauche ich das Web und aus diesem Grund ist mein wichtigster Arbeitsplatz zu Hause. Zudem bin ich dann in der Nähe meiner Familie und nehme an deren Leben teil. Ich schreibe hauptsächlich am Wochenende oder am Abend und dann sehr gerne mit einem leckeren Bier und zu Klängen von Megadeth, Mötley Crüe und anderen Bands mit frisierten Gitarren. Arbeit soll schliesslich Spass machen.

Was waren bislang Ihre Highlights?
Als Höhepunkt erlebe ich all die Menschen, welche mich seit den Anfängen unterstützt haben. Ich bin froh, dass ich jetzt die Chance habe und mich so bei Frank Bodin (Havas), Markus Ruf (Ruf Lanz), Thomas Wildberger (Publicis) und Dennis Lück (JvM/Limmat), die mich seit dem Start begleiten, bedanken kann. Mittlerweile kenne ich diese „Highlights“ auch persönlich und wir sind im regelmässigen Kontakt. Für mich war es nicht selbstverständlich, dass ich zum Beispiel Markus Ruf um 22.00 Uhr mit Fragen bombardieren konnte und ich Minuten später seinen Rat im Mail-Eingang hatte. Als Highlight bezeichne ich somit die Kontakte in der analogen Welt. Ein Highlight war bestimmt das Interview mit Jean-Remy von Matt. Der Blog war in der Startphase, als ich ihm eine Mail schrieb. Ich rechnete mir keine grosse Chance aus. Umso überraschter war ich, als ich noch am selben Tag sein Einverständnis erhielt. Jean-Remy von Matt hat dann die Fragen an einem Sonntag beantwortet. Da spürte ich: Mit dem Blog könnte es etwas werden.
Danken muss ich aber vor allem Andy Hostettler und Regula Bührer Fecker. Mit ihnen durfte ich ein Interview führen, obschon die Seite nicht einmal online war. Bevor ich an den Start ging, benötigte ich genügend Material in der Hinterhand, welches ich veröffentlichen konnte. Hätte ich in dieser Phase nur Absagen eingeholt, hätte mich der Mut vermutlich schnell wieder verlassen.

Mit wem wollen Sie unbedingt noch ein Interview führen?
Bei dieser Frage lasse ich mich von Markus Ruf und seiner Kampagne für die VBZ inspirieren: Mit Donald Trump und Kim Jong-Un und am liebsten auf Schweizerdeutsch, bei denen kommt ja sowieso nur Käse raus.

Wie soll sich Seiler’s Werbeblog entwickeln?
Weniger ist mehr. Ich möchte nur noch die besten Arbeiten und Kampagnen veröffentlichen. Oder Geschichten, welche von Persoenlich, Werbewoche und Horizont nicht publiziert werden. Ich bin extrem stolz, dass ich mit Michael Kathe und Andreas Panzeri zwei Kollegen für das Projekt gewinnen konnte. Seit ich die zwei an Bord habe, macht es noch viel mehr Spass.

Spielt Geld eine Rolle?
Quantität wäre finanziell lukrativer. Ich habe mich aber dagegen entschieden, auch mit dem Risiko, dass Leser abspringen werden. Der Blog soll bleiben, wie er ist: eine Ergänzung zu den anderen Portalen. Interview: ems

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