Schweizer Presserat Anonyme Kolumnen sind zulässig

Donnerstag, 21. Dezember 2017
Stellungnahme des Schweizer Presserats
Stellungnahme des Schweizer Presserats
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Presserat Genf Emilie Sombe Carole Anne Kast


Ist es ethisch korrekt, eine Kolumne anonym zu veröffentlichen, um dem Autor möglichst viel Freiheit zu gewähren? Ja, sagt der Presserat, aber nur unter zwei Bedingungen. Zum einen muss die Leserschaft deutlich erkennen können, welchen Standpunkt der Autor oder die Autorin vertritt. Zum anderen hat die Redaktion dafür zu sorgen, dass der Inhalt der Kolumne nicht grob gegen die „Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalisten“ verstösst – insbesondere, wenn der Verfasser selbst kein Journalist ist.

Der Presserat entspricht damit einer Beschwerde der Genfer SP gegen „Le Temps“. Die Zeitung behauptete, dass ihre „anonyme Kolumnistin“ Emilie Sombes, die keine Journalistin ist, „nicht an die Erklärung der Rechte und Pflichten gebunden sei, die diesen Beruf regelt“. Diese Behauptung sowie die Tatsache, dass es im Text keine weiteren Hinweise zur Kolumnistin gibt, verstösst gegen den Journalistenkodex, befand hingegen der Presserat.

Zudem hätte „Le Temps“ die Reaktion von Carole Anne Kast, Präsidentin der SP Genf, wie von ihr verlangt, ungekürzt veröffentlichen sollen. Hingegen stellte der Presserat keine Verletzung der Ziffern 1 (Wahrheit) und 3 (Quellen) des Ethikkodexes fest.

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