Schawinski Plagiatsvorwurf: Der Tages-Anzeiger lässt nicht locker

Mittwoch, 22. Juni 2016
Roger Schawinski
Roger Schawinski

In seiner heutigen Ausgabe holt der Tages-Anzeiger zum dritten Mal in Folge gegen das neue Buch «Ich bin der Allergrösste – Warum Narzissten scheitern» vom Schweizer Radio- und TV-Pionier Roger Schawinski aus: In einem Interview rät der deutsche Rechtsexperte Gerhard Dannemann Schawinskis Verlag, das Buch vom Markt zu nehmen.
Gerhard Danneman ist Professor an der Humboldt-Universität Berlin und arbeitet an einem Projekt mit, das Hochschultexte auf Plagiate hin untersucht. Und er ist vorsichtig und schränkt seine Kompetenz etwas ein: Er sei Professor für englisches Rech, das Schweizer Urheberrecht sei nicht seine Domäne. Im Grundsatz aber ist seine Aussage unzweideutig: "Nach dem schweizerischen Urheberrechtsgesetz sind Zitate aus andern Werken auch ohne Lizenz zulässig. Es gilt aber: 'Das Zitat als solches und die Quelle müssen bezeichnet werden.'"
Roger Schawinskis neustes Buch.
Roger Schawinskis neustes Buch. (Bild: zvg.)
Im per e-Mail geführten Interview geht er auch auf verschiedene konkrete Fragen der Tages-Anzeiger-Redaktion ein: Wenn man einen Wikipedia-Artikel wörtlich oder umformuliert verwende, müsse man sowohl auf die Quelle wie auch auf die Lizenzbestimmungen von Wikipedai verweisen. Das gelte auch, wenn aus dem Zusammenhang hervorgehe, dass sich der Autor nicht auf eigene Recherchen berufe. Quellen seien auch offenzulegen, wenn man sich anderweitiger Quellen, etwa Zeitungsartikel oder Übersetzungen, bediene. Von Wikipedia und aus Zeitungsartikeln abschreiben sowie aus Übersetzungen zitieren – all dies hat Schawinski nach Recherchen des Tages-Anzeigers in seinem neuen Buch gemacht– und dies gegenüber der Redaktion auch nicht begestritten. Dass er dafür jeweils keine Quellenangaben anführte, begründete Schawinski damit, dass Fussnoten den Lesefluss gestört hätten, und es sich bei seinem Buch ja nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung handle.

Letzterem widerspricht nun Dannemann: Das Anbringen von Quellenangaben habe "mit Erwartungen an eigene Recherchen nichts zu tun". Weiter sagt er an die Adresse von Schawinskis Verlag Kein & Aber wörtlich: «Wenn schon Stichproben mehrere urheberrechtlich problematische Passagen zutage fördern, sollte der Verlag sich überlegen, dieses Buch vom Markt zu nehmen und es in jedem Fal auf weitere ungekennzeichnete Übernahmen aus fremden Werken zu untersuchen. Vorsätzliche Urheberrechtsverletzungen sind sogar strafbar." Pikant: Schawinski war bis vor Kurzem am Verlag Kein & Aber beteiligt.
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