SBB-Ausschreibung II Einige unterlegene Anbieter hadern mit dem SBB-Entscheid

Donnerstag, 02. November 2017
Attraktive Werbeflächen mit hohen Frequenzen: Die SBB schreiben die Plakatflächen an den Bahnhöfen aus.
Attraktive Werbeflächen mit hohen Frequenzen: Die SBB schreiben die Plakatflächen an den Bahnhöfen aus.
© zvg.

Überraschendes in Sachen SBB-Ausschreibung: Der Genfer Aussenwerber Neo Advertising war bei den Losen, für die er sich interessierte, ausgeschlossen und erwägt deshalb rechtliche Schritte. Tamedia lässt ihrerseits noch offen, ob sie den SBB-Entscheid akzeptiert, ebenso Livesystems. Clear Channel "respektiert" die Vergabe an die APG bloss, einzig Goldbach akzeptiert sie ohne Wenn und Aber.
Bekanntlich hat die APG die SBB-Ausschreibung vollumfänglich gewonnen (HORIZONT Swiss berichtete). Doch wie reagieren die andern (bekannten) Anbieter? Zum Beispiel Tamedia. Das Medienunternehmen hatte bisher nie gesagt, ob es sich direkt an der SBB-Ausschreibung teilgenommen hat. Auch auf Anfrage nicht. Klar war einzig, dass es das kleine Genfer Aussenwerber übernehmen will. (Ein Entscheid der Wettbewerbskommission steht allerdings noch aus.) Vielerorts ging man deshalb davon aus, dass sich bloss Neo Advertising an der Ausschreibung beteiligt hat, in Kooperation und mit Rückendeckung von Tamedia.
Doch das war nicht der Fall. "Wir haben keine Offerte eingegeben – wir wollten, aber wir konnten nicht", sagt nun Christian Vaglio-Giors, CEO von Neo Advertising. Der Grund: Gemäss Ausschreibungsunterlagen erfüllte der Genfer Anbieter bei den Losen für analoge und digitale Werbung die geforderten Kritierien nicht. So habe die SBB etwa verlangt, dass das voraussichtliche Werbevolumen, für das man sich im entsprechenden Los bewarb, beim Anbieter nicht mehr als 50 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes der letzten drei Jahre ausmachen dürfe. Zwar habe es durchaus Lose gegeben, für die er vom Werbevolumen her häte offereiren können, doch für diese sei seine Firma nicht qualifiziert – etwa für die Werbung in Zügen oder für Lokomotiven als Werbeträger. "Wir sind mit der SBB-Ausschreibung nicht zufrieden, sie war nicht fair", sagt
Vaglio-Giors. Er lasse sich deshalb rechtlich beraten, ob es richtig war, ein solches Kriterium vorzugeben. er schliesst deshalb eine Klage nicht aus.

Auch Tamedia schliesst rechtliche Schritte nicht aus

Mitgewirkt hat
Vaglio-Giors hingegen bei der Offerte von Tamedia. Und damit ist auch klar, dass Tamedia selbst aktiv geworden ist. Was Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer indirekt ebenfalls bestätigt. "Wir bedauern den Entscheid und werden in den nächsten Tagen analysieren, weshalb unser überzeugendes Angebot nicht berücksichtigt wurde", schreibt er auf die Anfrage von HORIZONT Swiss. Heisst das, dass Tamedia den Entscheid der SBB, die ganze Fremdwerbung der APG anzuvertrauen, akzeptiert? Das lässt Zimmer offen: "Wir werden den Entscheid zuerst analysieren. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen", sagt er. Eine Klage ist somit nicht ausgeschlossen.

Und was bedeutet die Niederlage nun für die Übernahme von Neo Advertising? Dazu Zimmer: "
Auf unseren Entscheid, eine Partnerschaft mit Neo Advertising einzugehen, hat der Entscheid keinen Einfluss. Wir sehen im Markt für digitale Aussenwerbung in der Schweiz weiteres Wachstumspotential und wollen diesen Markt gemeinsam mit Neo Advertising weiter entwickeln."

CCS "respektiert" den Entscheid – ob sie ihn auch akzeptiert?

Wie steht es beim APG-Hauptkonkurrenten Clear Channel Schweiz (CCS)? "Wir sind enttäuscht, da wir überzeugt sind, ein innovatives und sehr ambitioniertes Angebot gemacht zu haben", schreibt CCS-Sprecherin Ursulina Stecher. "Aber wir respektieren den Entscheid der SBB und erwarten in den nächsten Wochen ein detailliertes Feedback dazu." Was das punkto rechtliche Schritte genau heisst, schrieb Stecher nicht. Sie fuhr aber fort, dass CCS weiterhin konsequent in den Ausbau des digitalen und analogen Inventars auf öffentlichem und privatem Grund investiere. Umso mehr, als das grosse Interesse am SBB-Inventar gezeigt habe, dass OOH ein Zukunftsmarkt ist. Vorläufig aber tröstet man sich damit, dass sich mit dem Entscheid der SBB "an den Kräfteverhältnissen im Out-of-Home Business nichts verändert hat: Clear Channel behauptet die Position als klare Nummer 2 im Schweizer Markt."

Livesystems ist zumindest "erstaunt"

Auch 
Livesystems dooh AG hat sich mit ihrem Produkt PassengerTV "punktuell auf einzelne Lose beworben", bestätigt CEO Tobias Frommenwiler. Und er fährt fort: "
Wir sind erstaunt, dass 7 von 8 Losen an den einzigen Anbieter gehen, der bisher die Vermarktung gemacht hat", schreibt Frommenwiller. Ob er damit die SBB-Vergabe anfechten will, lässt er aber unbeantwortet. Vermutlich nicht, denn Livesystems ist bereits ein Vermarktungspartner der – SBB – in der S-Bahn Waadt. Darauf weist Frommenwiller denn auch hin, wenn er betont, dass "der laufende Vertrag mit der Flirt Vaudoise vom Entscheid der SBB nicht tangiert" sei. Grundsätzlich begrüsse er die Digitalisierung im Schweizer DOOH-Werbemarkt, fügt der CEO hinzu. "Hier ist Livesystems seit über 10 Jahren Vorreiterin in der Schweiz."

Goldbach nimmts sportlich

Am klarsten nimmt die Goldbach Group Stellung. "Wir haben hart gearbeitet und unser Bestes gegeben", sagte Alexander Duphorn, CEO der Goldbach Media (Switzerland). Doch man nehme es sportlich: "In einer Ausschreibung besteht eben immer auch die Möglichkeit, dass ein Mitbewerber gewinnt." Dies werde man akzeptieren und keine rechtlichen Schritte dagegen unternehmen. "Wir möchten Kunden gewinnen, nicht streiten", fügte er an. Und in fünf Jahren gebe es wieder eine Möglichkeit. "Weiter möchten wir diesen Entscheid nicht kommentieren." Den Bereich DOOH werde Goldbach aber wie gewohnt weiter bearbeiten "und uns mit unserem Innovationsgeist am Markt behaupten". Schon jetzt sei man in der Lage, Technologien wie Programmatic Buying oder DOOH SynchScreen im ganzen DACH-Raum anzubieten. "Zusätzlich erweitern wir unser Portfolio jedes Jahr mit starken Partnern wie Interdiscount, Signactive TV oder den Verbier Bergbahnen."

Bleibt noch Admeira. Doch die Antwort von Sprecherin Romi Hofer fällt kurz und bündig aus: "
Admeira hat an der Ausschreibung nicht teilgenommen." knö
 
 
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