Verleger Michael Ringier "Solange ich dabei bin, geht Ringier nicht an die Börse"

Mittwoch, 14. März 2018
CEO Marc Walder (l.), Verleger Michael Ringier und Robin Lingg (r.). Lingg vertritt die Ringier-Familie in der nächsten Generation.
CEO Marc Walder (l.), Verleger Michael Ringier und Robin Lingg (r.). Lingg vertritt die Ringier-Familie in der nächsten Generation.
© Domo 3/18

Das neue "Domo", der Hauszeitung von Ringier, widmet sich auf acht Seiten der Frage, weshalb Familie Ringier 10 Prozent ihrer Anteile an CEO Marc Walder abtrat. Und ob der Verkauf an Walder einen bevorstehenden Börsengang andeute. Die Fragen beantworteten Verleger Michael Ringier, dessen Neffe Robin Lingg, der die Ringier-Familie in der nächsten Generation vertritt, und bisweilen auch CEO Marc Walder.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Dreier-Interview: Wer ursprünglich die Idee vorbrachte, CEO Marc Walder zum Teilhaber und designierten VR-Präsidenten von Ringier zu machen, weiss heute niemand mehr. "Wir wissen es gar nicht", sagt Robert Lingg. "Es war logisch, dass es so ist", meint auch Verleger Michael Ringier. Aber er habe einfach einmal gemerkt, dass er bin älter geworden sei, ohne es wahrzunehmen. Und dass deshalb eine Nachfolgeregelung angezeigt sei.

"Domo" will weiter wissen, wie sehr Walder denn Teil der Ringier-Familie geworden sei. Ringier sagt dazu: "Es gibt nach wie vor eine Firma, und es gibt eine Familie. Das ist wichtig. Das trennen wir." Wohl sei Walder in den letzten 25 Jahren ein Teil der Familie geworden. Doch wenn die Familie jeweils an Weihnachten im Familienhaus in Merlischachen zum Feiern zusammenkomme, sei Walder nicht dabei. "Walder wäre es peinlich, mit uns 'Stille Nacht' zu singen. Bei 'Stille Nacht' hört es aber auf."

Bis vor Kurzem besassen die drei Geschwister Michael, Annette und Evelyn je ein Drittel des Unternehmens. Und bisher galt die Regel: Will einer oder eine verkaufen, kommen nur die beiden anderen als Käufer in Frage. Diese Regel wurde umgangen. Aber wie? Ringier sagt dazu: "Plötzlich passen einst gute Regeln nicht mehr. Sind sich alle einig, findet man einen neuen Konsens. Irgendwann wird die nächste Generation die neuen Regeln wieder ändern." Wer wie viel abtrat, sagt er nicht. Allerdings hat gemäss "Weltwoche" Annette Ringier ihren Anteil von 33,3 Prozent familienintern verkaufen wollen. Darauf reagiert Ringier jedoch relativ heftig: "Blödsinn. Niemand trieb, niemand musste sich verbeugen, es ging ganz schnell." Domo hakt nach: Ob es nun eine neue Regel bezüglich des Verkaufs der Anteile gebe? Und wenn ja, wie diese aussehe, will der Redaktor wissen. Ringier: "Zur ersten Frage sage ich Ja, zur zweiten schweigen wir."

Auch die Wertsteigerung des Unternehmens seit Marc Walder CEO ist, wird thematisiert – und dazu erneut die "Weltwoche" zitiert: Diese sprach von einem Plus um 900 Millionen bis 1,5 Milliarden Franken. Dazu wiederum Ringier – ausweichend: "Wir wissen schlicht nicht, wie wertvoll das Unternehmen ist. Aber wir sind überzeugt, dass wir eine viel bessere Firma haben, seit Marc da ist." Wer ein Kunstwerk verkaufen wolle, 
wisse erst, wie wertvoll es ist, wenn er es zum Verkauf an eine Auktion gebe. "Wollen es zwei, geht der Preis durch die Decke. Will es nur einer, sinkt er." Und Robert Lingg ergänzt lapidar: "Bei uns wird wenig über Geld gesprochen." Dass die Beiden aber aufgrund des Preises, den Walder für die 10-Prozent-Beteiligung bezahlt hat, zumindest annähernd etwas vom aktuellen Wert des Unternehmens wissen müssten, wird leider nicht angesprochen. Fest steht nur, dass die Familie Walder den Anteil nicht geschenkt hat. Lingg beantwortet dieses Frage jedenfalls klar mit "Nein." Offen bleibt allerdings, wie Walder diesen Anteil bezahlt hat. Er selbst sagt dazu: "Zusammen haben wir eine Lösung gefunden, wie ich einen beachtlichen Anteil – zehn Prozent sind unheimlich viel für mich – an diesem wunderbaren Unternehmen übernehmen konnte. Die Lösung bleibt im Kreise jener, die sie entwickelt haben."

Dementiert wird jedoch, dass Walders 
Beteiligung einen Börsengang andeuten könnte. Wann also lässt sich Ringier kotieren? "Solange ich dabei bin, geht Ringier nicht an die Börse", sagt der Verleger. Und Lingg ergänzt: "Was wir jetzt machen – das ist ganz wichtig für die Mitarbeitenden –, ist ein Vertrauensbeweis für Marcs Arbeit. Es ist eine Botschaft der Stabilität. Wir möchten diese Firma als Familienunternehmen weiterführen. Deshalb arbeite ich ja für Ringier."

Fest steht ferner, dass Walder dereinst als 
Verwaltungsratspräsident seine CEO-Funktion an den Nagel hängen wird. Er sagt: "Nun hat die Familie bekannt gegeben, dass ich irgendwann das Präsidium übernehmen werde. Dann wird es einen neuen CEO geben." Auch Lingg bekräftigt: "Es geht nicht, dass man gleichzeitig Aktionär, CEO und VR-Präsident ist."

Schliesslich will "Domo" herausfinden, wie gut zwischen Walder ud Lingg die Chemie stimmt. Darum fragt der Redaktor, was Lingg an Walder schätzt – und umgekehrt. Lingg sagt: "
Marc ist ein Visionär, er denkt viele Schritte voraus, ein unglaublicher Netzwerker. Sein Enthusiasmus nach 25 Jahren ist fantastisch. Etwas prägt unsere Beziehung: Ehrlichkeit. Es gibt keine Filter." Und an anderer Stelle fügt er hinzu: "Niemand muss dem anderen etwas vormachen. Wir legen einander alles ehrlich auf den Tisch, sagen, was wir denken. Wir lernen voneinander und miteinander."

Walders Antwort fällt nicht minder schmeichelhaft aus, wenn auch weniger persönlich gefärbt, eher qualifizierend: "
Es war ein Risiko, als Robin in die Firma kam, vor allem für Robin. Er hatte eine Top-Stelle in Mexiko. Seiner Familie gefiel es. Er zog mit ihr von der anderen Seite der Welt nach Zürich. Um in einer Firma zu arbeiten, die sein Onkel führt, in einer Branche, die er nicht kannte, mit der Aufgabe, in Afrika etwas aufzubauen. Schwieriger geht es wirklich nicht! Und wissen Sie was? Er hat das hervorragend hinbekommen. Weil er aufopferungsvoll, leistungsstark und ausserordentlich schnell ist. Ihm geht es immer um den Fortschritt." knö

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