Ringier Im 10. Jahr der digitalen Transformation ist der ROI zwar in Sicht, aber noch Jahre entfernt

Mittwoch, 05. April 2017
Verleger Michael Ringier und sein CEO Marc Walder an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz.
Verleger Michael Ringier und sein CEO Marc Walder an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz.
© knö.

Bei der Präsentation der Jahreszahl 2016 zeigten sich sowohl Verleger Michael Ringier als auch sein CEO Marc Walder zufrieden mit Umsatz und Ergebnis. Operativ dürfte Ringier aber im 2017 wieder einen tieferen Umsatz erwirtschaften – wegen der Rückgänge im Printgeschäft.

"Ringier ist aus Sicht der Aktionäre voll auf Kurs", sagte Verleger Michael Ringier gestern gleich zu Beginn der Pressekonferenz. Auch CEO Marc Walder zeigte sich zufrieden: "2016 war ein erfolgreiches Jahr für Ringier."

Tatsächlich konnte das Unternehmen seinen Umsatz wieder einmal über die Milliardengrenze auf 1.049 Milliarden Franken heben und den Gewinn verdoppeln.

Der Umsatzzuwachs gelang allerdings trotz rückläufigem Printgeschäft und vor allem dank der erstmaligen Vollkonsolidierung des Joint Ventures Ringier Axel Springer Schweiz (RASCH). Wie viel dieses genau zum Umsatzplus beitrug, wollte Ringier jedoch nicht sagen. Nur so viel: "Auch ohne RASCH hätte Ringier einen Umsatzzuwachs ausgewiesen."

Denn ein weiterer Wachstumstreiber war das digitale Geschäft, dessen Umsatz um 38 Prozent zulegen konnte. Bereits 62 Prozent des operativen Gewinns (EBITDA) erwirtschaftet der Konzern mit digitalen Geschäftsmodellen. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2012 lag der Anteil der digitalen Geschäfte am operativen Gewinn noch unter einem Prozent. "Dies zeigt, dass wir die Abhängigkeit vom Kerngeschäft, also Zeitungen und Zeitschriften und Druckereien, massiv reduziert haben. Die digitalen Marktplätze sind nun grösster Gewinnbringer im Unternehmen", sagte Walder.

Ringier steht nun im 10. Jahr seiner Transformation. In dieser Zeit hat die Gruppe über 1,7 Milliarden Franken "in zukunftsorientierte Geschäftsfelder" – zumeist in digitale Marktplätze – investiert. Dies erweise sich nun als richtig, sagte Walder. Die Marktplätze sind es denn auch, die den grössten Teil des digitalen Umsatzzuwachses ausmachen. "Aber auch die Sites der journalistischen Medien haben zur Steigerung beigetragen", sagt Walder auf Nachfrage von HORIZONT Swiss. Das zeige unter anderem das Beispiel der Blick-Gruppe: Erstmals in der Geschichte der Zeitungs-Gruppe nutzten 2016 mehr Leser die digitalen Kanäle als die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung "Blick". Und der Werbeumsatz von blick.ch übertraf erstmals den Werbeumsatz des gedruckten "Blick". Auch die andern Titel hätten sich digital gesteigert. "Aber" – so Walder weiter – "dieses Wachstum reicht dennoch nicht, um die Umsatzverluste im Printgeschäft auszugleichen." Aus diesem Grund werde Ringier im laufenden Jahr rein operativ den Gesamtumsatz von 2016 nicht erreichen.

Hinzu komme, dass das klassische Display-Geschäft nicht mehr weiter wachse. In den USA sei es sogar schon rückläufig. An Stelle der Displaywerbung setzten die Auftraggeber vermehrt auf Programmatic Advertising oder Native Advertising. Michael Ringier wies noch auf ein weiteres Problem hin: In den USA absorbieren Facebook und Google 99 Prozent des digitalen Umsatzwachstums im Werbemarkt, allen andern Medien blieben die restlichen 1 Prozent. Entsprechend kompetitiv sei der Markt. Und Walder ergänzte, dass heute gut 40 Prozent des Internettraffics über mobile Geräte erfolge. "Sind wir auf Mobile nicht gut genug, verlieren wir Marktanteile.

Noizz startet wohl auch in der Schweiz

Das Joint-Venture Ringier Axel Springer Media AG in Osteuropa lancierte 2016 das digitale Millennial-Portal Noizz in Polen, Serbien und der Slowakei. Noizz erreicht dort monatlich insgesamt bereits über 7,5 Millionen Nutzer. Soeben ist das Portal auch in Deutschland gestartet – und Ringier denkt darüber nach, das Angebot auch in der Deutschschweiz zu lancieren.
Angesichts der hohen Investitionen ins digitale Geschäft stellt sich die Frage, ob und wann insbesondere die Marktplätze einen Return on Investment (ROI) bringen. Dazu Verleger Ringier: "Wir sind noch daran. Aber zehn Jahre reichen dafür nicht" – wegen der Multiples, die Ringier bezahlt hat. Allerdings wies er auch darauf hin, dass ihr Wert heute "wesentlich" über der Preisbasis beim Kauf liege – doch in den Ringier-Buchhaltung sei immer noch der damalige Wert ausgewiesen. CEO Walder fügte hinzu, dass die digitalen Unternehmen oftmals schneller gewachsen seien als angenommen. "Einige von ihnen werden deshalb bereits in den nächsten Jahren ihren ROI erbringen."

Walder, der auch VR-Präsident der Werbeallianz Admeira ist, gab bekannt, dass die gemeinsame Vermarktungstochter von SRG, Swisscom und Ringier im digitalen Bereich einen Zuwachs von 10 Prozent schaffte – womit sie stärker gewachsen sei als der Gesamtmarkt.

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