Ringier Nettoverlust wegen bevorstehender Druckerei-Schliessung

Donnerstag, 12. April 2018
Titel und Portale des weltweiten Ringier-Angebots.
Titel und Portale des weltweiten Ringier-Angebots.
© knö

Die bevorstehende Schliessung des Zeitungsdrucks Adligenswil hinterlässt in Ringiers Rechnung 2017 netto rote Zahlen – wohl in Millionenhöhe. Der digitale Bereich trug bereits 42 Prozent zum Umsatz bei, Ringier setzt deshalb vor allem auf Video- und vermehrt auch auf AR-Inhalte sowie Künstliche Intelligenz.

Ringier hat seinen Gewinn vor Steuern (EBITDA) von 108.2 Millionen Franken im Jahr 2016 um 2.1 Prozent auf 110.6 Millionen Franken gesteigert (HORIZONT Swiss berichtete) – erstmals aber seinen Nettogewinn nicht mehr ausgewiesen. Ringier hat seinen Gewinn vor Steuern (EBITDA) von 108.2 Millionen Franken im Jahr 2016 um 2.1 Prozent auf 110.6 Millionen Franken gesteigert – erstmals aber seinen Nettogewinn nicht mehr ausgewiesen. Doch bei der gestrigen Bilanz-Pressekonfrerenz gestand Verleger Michael Ringier, dass das Unternehmen 2017 netto effektiv rote Zahlen geschrieben hat. Der Grund: Die Schliessung der Zeitungsdruckerei Adligenswil mit rund 200 Mitarbeitenden – sie ist noch bis Ende 2018 in Betrieb – schlägt als einmaliger Sondereffekt mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu Buche. Dieser muss hoch sein, wenn man bedenkt, dass Ringier letztes Jahr einen ähnlich hohen EBITDA und nach Abzug der Steuern einen Nettogewinn von 22 Millionen Franken ausgewiesen hatte.

Ringier-CEO Marc Walder zeigt, wie sich die Augmented Reality-Elemente im Geschäftsbericht 2017 "lesen" lassen.
Ringier-CEO Marc Walder zeigt, wie sich die Augmented Reality-Elemente im Geschäftsbericht 2017 "lesen" lassen. (© knö)
Der Grund für den künftigen Verzicht auf die Nennung des Nettogewinns begründeten Ringier und CEO Marc Walder unter anderem mit der Art der Buchführung (Swiss GAP Fer) beim Familienunternehmen. Bei dieser erscheine nicht der aktuelle Wert der Firmen, in die investiert wurde, sondern bloss der Kaufwert. Aus diesem Grund sei Ringier in den vergangenen Jahren scheinbar schlechter dagestanden als andere börsenkotierte Unternehmen. “Würde wir jedoch heute das Unternehmen Ringier verkaufen, hätte es einen gigantischen Wert, sagte der Verleger. Auf Stufe EBITDA hingegen sei Ringier mit andern Medienunternehmen eher vergleichbar. “Es geht nicht darum, etwas zu verbergen”, bekräftigte auch Walder. Und auf die Frage eines Journalisten, ob angesichts des roten Resultates die digitale Transformation bei Ringier im Grunde gescheitert sei, sagte Michael Ringier: “Nein, im Gegenteil. Erstens ist der aktuelle Verlust einmalig. Und zweitens haben wir mal nachgerechnet: Hätten wir die Investionen der letzten gut zehn Jahre nicht getätigt, wären wir schon längst pleite.”

Tamedias Vorgehen “war nicht gerade feiner Stil”

Ein Journalist erinnerte an der Pressekonferenz daran, dass Tamedia-CEO Christoph Tonini an seiner Bilanz-Pressekonferenz vom 13. März 2018 gesagt hatte, er würde gerne mit Admeira zusammenarbeiten. Walder als VR-Präsident von Admeira sagte, dass er davon gelesen habe, dass er Toninis Aussage aber als “einigermassen zynisch” betrachte. Der Grund: Es sei bekannt, “dass Admeira mitten in Verhandlungen war mit Tamedia – und zwar verhandelten die Spitzen von SRG, Ringier und Swisscom mit der Spitze von Tamedia – über eine Beteiligung von Tamedia an Admeira. (…) (auch HORIZONT Swiss berichtete) Sie wissen: Die SRG ist bereit, ihre Aktien zu verkaufen. Und Tamedia hat sich dafür ernsthaft interessiert. Wir haben dann am 22. Dezember aus einer börsenkotierten Nachricht erfahren, dass Tamedia sich entschieden hat, ein Übernahmeangebot für die Goldbach Group zu machen. Das ist übrigens Tamedias gutes Recht, und wir wünschen ihr viel Erfolg dabei. Nur war es nicht gerade feiner Stil, auf der einen Seite mit drei solchen Unternehmen zu verhandeln und gleichzeitig hinter dem Rücken Goldbach zu kaufen. Das kann man zwar machen, man macht es aber eigentlich nicht. Darum weiss ich nicht, wie Christoph Tonini diesen Satz gemeint hat.” Kurz danach schob er noch nach: “Admeira sagte immer, dass es offen ist. (…) Ja, man rief sogar alle auf, bei Admeira mitzutun, denn die Stärke des Medienplatzes Schweiz ist das ultimative Ziel von Admeira. Nur gemeinsam werden wir eine Chance haben. Die Situation ist nun neu, es besteht nun ein Duopol – auf der einen Seite Admeira, auf der anderen Seite Tamedia mit Goldbach."
Der Umsatzanteil aus dem digitalen Geschäft macht bei Ringier bereits 42 Prozent aus, auf Stufe EBITDA bereits 66 Prozent. Auch der Anteil an programmatisch gebuchter Werbung auf Ringier-Portalen nahm zu – im letzten Jahr um 250 Prozent. Ein immer grösseres Gewicht erhält Video-Content. Allein blick.ch verzeichnete letztes Jahr 360 Millionen Videoviews, rund eine Million pro Tag. Das polnische Onlineportal Onet kam sogar auf 5.4 Milliarden Videoviews (15 Millionen pro Tag). “Unsere Portale werden zu multimedialen Video-Abspielplattformen, ob uns das passt oder nicht”, sagte Walder. Ein wachsender Teil dieses Bewegtbildinhalte werde mit Augmented-Reality-Elementen versehen sein. Aus diesem Grund investiert Ringier auch in diesen Bereich und – um seine Kompetenz auf diesem Gebiet unter Beweis zu stellen – hat der Konzern den Zahlenteil des Geschäftsberichts mit AR-Angeboten bestückt: Überall, wo ein schwarzes Quadrat mit den weissen Buchstaben AR abgedruckt ist, lassen sich über ein speziell konzipiertes App Augmented-Reality-Elemente aktivieren. Diese ergänzen die Informationen zum vergangenen Jahr auf multimediale Art.
Dort, wo sich ein solches schwarzes Quadrat mit den Buchstaben AR befindet, sind zusätzliche Augmented Relality-Elemente abrufbar.
Dort, wo sich ein solches schwarzes Quadrat mit den Buchstaben AR befindet, sind zusätzliche Augmented Relality-Elemente abrufbar. (© knö)
Ringier setzt ferner auf Künstliche Intelligenz – etwa bei der Plattform “Geschenkidee”, die aufgrund gewisser Eckwerte wie Budget, Angaben zur beschenkten Person etc. Geschenkvorschläge macht. Auch aus Unternehmensicht offfenbar mit Erfolg: Dadurch haben sich die Transaktionen verdreifacht – und die von den Schenkenden ausgegebenen Beträge stiegen um 20 Prozent. Ähnliches will man auch auf andern Marktplattformen implementieren. “Ein Market Place, der das nicht kann, wird künftig Nutzer verlieren”, zeigte sich Walder überzeugt.

Auch Sprachassistenten gehören zu jenen Techniken, auf die Ringier künftig setzt. CEO Walder jedenfalls geht davon aus, bis 2020 rund 30 Prozent der Internetnutzung ohne Bildschirm – will heissen: sprachgesteuert – ablaufen wird.

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