Publicom-Analyse Privatradios sägen an ihrer Daseinsberechtigung

Dienstag, 04. Juli 2017
Die Privatradios bauen ihre Regionalinformationen stark ab. Das ist heikel. Denn wer immer weniger vermeldet, hat bald nichts mehr zu sagen.
Die Privatradios bauen ihre Regionalinformationen stark ab. Das ist heikel. Denn wer immer weniger vermeldet, hat bald nichts mehr zu sagen.

Die Deutschschweizer Privatsender kürzen ihren Demokratieservice – die Informationsleistungen – teils massiv. Das zeigt die kürzlich publizierte Programmanalyse von Publicom. Der Verband Schweizer Privatradios (VSP) gibt die Schuld den SRG-Regionaljournalen. Doch diese Argumentation greift zu kurz.
Die Reaktion des Verbandes Schweizer Privatradios (VSP) auf die neue Studie der Marktforschungsfirma Publicom fiel recht geharnischt aus: Zum einen mäkelte der VSP an der Methodik der Analyse herum, die allerdings seit Jahren dieselbe ist. Weil sich die Untersuchung auf die Radio Prime-Times beschränke (siehe Kasten), werde sie nach Meinung des VSP den Leistungen der Privatradios nicht vollständig gerecht, heisst es in einem Communiqué. Weiter betont der VSP, dass die konzessionierten Privatradios in der deutschen Schweiz einen Informationsanteil von bis zu 26 Prozent aufweisen würden. Entsprechend leitet er aus der Studie ab, dass die Radios "sehr viel zum kulturellen Leben ihrer Regionen" beitragen. Vor allem aber zieht er den Schluss, dass der Grad der Ausbreitung der gebührenfinanzierten SRG für die Marktsituation der Privatradios von Bedeutung sei: "In der Westschweiz, wo es keine Regionaljournale der SRG-Radioprogramme gibt, ist die Informationsleistung der Privatradios noch bedeutend umfangreicher als in der Deutschschweiz, wo die SRG mit ihren Regionaljournalen mit den privaten Veranstaltern in Konkurrenz steht. Das zeigt: Der private Service Public Régional funktioniert umso besser, je mehr man ihm Raum lässt!" Der VSP nehme die Ergebnisse des Berichtes deshalb mit in die laufende Service Public-Debatte und in die Diskussion, um das geplante neue Mediengesetz "und damit in die Verhandlungen für die Rahmenbedingungen der Zukunft".

Wer so tut, als sei alles bestens, weckt den Gwunder

Für jemanden, der ab und zu Deutschweizer Privatradios hört, sind das erstaunliche Aussagen. Schliesslich braucht man keine Studie um festzustellen, dass die Privatsender zwar – je nach Musikgeschmack – mehr oder weniger gut unterhalten, aber meist kaum und nur oberflächlich informieren. Und nun bestätigt der Publicom-Bericht, der im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation erstellt worden war, dass der eigene Eindruck nicht trügt: Vor allem die Deutschschweizer Privatradios haben in den letzten fünf Jahren ihre Infoleistung zurückgefahren, trotz Leistungsauftrag oder Anteile aus dem Gebührensplitting. Diese erste Erkenntnis einerseits, kombiniert mit der relativierenden Reaktion des VSP andrerseits, gab HORIZONT Swiss den Anlass, sich selbst vertieft mit den neuen Publicom-Zahlen zu befassen. Das Resultat dieses Studiums: Das Ausmass des Info-Abbaus bei den Deutschschweizer Privatradios hat ein enormes Ausmass angenommen. Es ist dramatischer, als Publicom es in seinem zurückhaltend formulierten Studientext ahnen lässt. Und stellt man dem das VSP-Communiqué gegenüber, dann wirkt diese Reaktion geradezu ignorant abgehoben und wie aus einer anderen Welt.

Zur Methodik der Publicom-Analyse

Folgende Programme wurden 2016 untersucht:

Deutsche Schweiz: Radio BeO, Canal 3 (d), RadioFr (d), Radio Südostschweiz, Radio Munot, Neo 1, Radio Rottu Oberwallis, Radio 24, Bern 1, Basilisk, Energy Zürich, Energy Basel, Energy Bern, Argovia, Radio 32, Radio 1, Radio Zürisee, Planet 105, Radio Top, FM1, Radio Central, Radio Pilatus, Radio Sunshine

Französische Schweiz: RJB, RFJ, RTN, Canal 3 (f), Radio Chablais, RadioFr (f), Rhône FM, LfM, Rouge FM, One FM, Yes FM, GRRIF

Italienische Schweiz: Radio Fiume Ticino, Radio 3i

Stichprobe: Künstliche Woche (Werktage) im Zeitraum von 17. März bis 28. November 2016 Stichtage: Mo, 28. November, Di, 23. August, Mi, 11. Mai, Do, 17. März, Fr, 14. Oktober

Analysierte Sendezeit: täglich 06.30 – 08.30; 11.30 – 13.30; 17.00 – 19.00 Uhr; Musikanalyse: Mittwoch, 11. Mai; 05.00 bis 19.00 Uhr

Analysierte Programmstunden total: 1'628 h
Doch beginnen wir zuerst mit dem Positiven: Wenn es einen Musterknaben in der Schweizer Radiolandschaft gibt, dann ist es zur Zeit zweifellos der Sender LFM in Lausanne. Nicht etwa weil er bei den Kriterien, die Publicom im neuen Bericht "Programmanalyse der Schweizer Privatradios mit Leistungsauftrag – 2016
" untersucht, überall am besten abschneiden würde. Das tut er keineswegs. Aber es gibt kein anderes Privatradio, dass sich aus demokratiepolitischer Sicht derart verbessert hätte. Hatte LFM 2012 in den Prime Times am Morgen, Mittag und Abend noch einen Informationsanteil am Gesamtprogramm von 11 Prozent, so hat es diesen in der Zwischenzeit auf 20 Prozent fast verdoppelt. Den Regionalinfos mass es früher nur 16 Minuten pro Tag zu, heute sind es 35 Minuten. Die Orientierungsleistung (Hintergrund und Einordung) machte vor fünf Jahren nur 4 Prozent aus, heute sind es 22 Prozent, und die Quellen für die Nachrichten werden heute in 90 Prozent der Meldungen angegeben (früher 79 Prozent). Diese waren 2012 übrigens ziemlich behördennah (79 Prozent), heute sind sie es deutlich weniger (48 Prozent).

Das voll kommerzielle LFM zeigt, dass es auch anders geht

Klar, LFM hat auch Abstriche gemacht: So war die thematische Vielfalt bei den damals spärlichen News mit 55 Prozent dennoch höher als heute (35 Prozent), und auch die formale Vielfalt, also die Art, wie die Informationen präsentiert werden (Reportage, Nachricht, Interview, Gespräch, Feature...) hat gelitten.
Lesebeispiel 1:  Radio LFM weist heute eine Infanteil von 20 Prozent aus, 80 Prozent mehr als 2012. Das ist zwar der höchste Zuwachs in fünf Jahren, doch der Infantil bei "Maximalist" RJFJ ist mit 30 Prozent noch immer höher.
Beispiel 2: Radio Rottu kommt heute auf täglich 16 Minuten Regionalinfos in den Prime-Times, 64 Prozent weniger als 2012. Mit 16 Minuten ist Rottu aber noch immer besser als "Minimalist" Radio 105 (2 Minuten).
Lesebeispiel 1: Radio LFM weist heute eine Infanteil von 20 Prozent aus, 80 Prozent mehr als 2012. Das ist zwar der höchste Zuwachs in fünf Jahren, doch der Infantil bei "Maximalist" RJFJ ist mit 30 Prozent noch immer höher. Beispiel 2: Radio Rottu kommt heute auf täglich 16 Minuten Regionalinfos in den Prime-Times, 64 Prozent weniger als 2012. Mit 16 Minuten ist Rottu aber noch immer besser als "Minimalist" Radio 105 (2 Minuten).
Interessant ist aber: LFM ist ein rein werbefinanzierter Sender, er erhält kein Geld vom Gebührensplitting, und er sendet in einem Umfeld voller Konkurrenten aus der Schweiz und dem französischen Ausland. Dennoch entschied man sich bei LFM für den Ausbau des Infoanteils und der Regionalinfos. Um sich von andern Sendern abzuheben.
LFM steht allerdings nicht völlig allein da: Auch einige andere Westschweizer Sender haben in den letzten Jahren ihren Infoanteil in den Prime Times ausgebaut, der Durchschnittsanteil liegt bei 21 Prozent, zwei Prozentpunkte höher als 2012. Doch schaut man genauer hin, sind es primär Sender mit Gebührenanteilen, die im Infobereich ausbauten. Die rein werbefinanzierten Kollegen von LFM blieben punkto Infoanteil bestenfalls stabil oder bauten leicht ab. Den höchsten Infoanteil mit 30 Prozent weist übrigens Radio RJFJ im Jura aus, ein Sender mit Gebührensplitting. Auch der Anteil an Regionalinfos ist hier am höchsten (52 Minuten pro Tag).

Deutschschweizer Radios bauen ihren USP ab

Ganz anders präsentiert sich die Situation in der Deutschschweiz. Den höchsten Infoanteil in den Prime-Times hat hier Radio Central (26 Prozent), dies, obwohl der Sender zu jenen gehört, die in diesem Bereich den grössten Abbau vorgenommen haben. 2012 hatte Central noch einen Anteil von 35 Prozent. Die stärkste Info-Reduktion nahm übrigens der Walliser Sender Rottu vor, er halbierte seinen Infoanteil beinahe von (bereits bescheidenen) 24 Prozent (2012) auf heute 13 Prozent. Die Tatsache, dass er damit genau im aktuellen Deutschschweizer Durchschnitt, zeigt, dass sich Letzterer nach unten nivelliert hat: Vor fünf Jahren lag er noch bei gut 17 Prozent. Bemerkenswert: In der Deutschschweiz haben auch die meisten Sender mit Gebührenanteil die Informationen zurückgeschraubt, nämlich von ehemals durchschnittlich 19 Prozent auf heute 17 Prozent.
Besonders stark fiel die Reduktion aber bei den Regionalinformationen aus: Hier reduzierten die gebührenunterstützen Radios die Sendezeit von 31 auf 24 Minuten pro Tag in den Prime Times. Damit bieten sie zwar immer noch 10 Minuten mehr als ihre rein kommerziellen Kollegen, die die Regionalonfos um 6 Minuten auf 14 Minuten gekürzt haben. Dass die Radios aber primär bei den regionalen Infos sparten, ist erstaunlich, besteht doch genau darin eines ihrer Alleinstellungsmerkmale. Den tiefsten Infoanteil weist übrigens Planet 105 mit bloss 3 Prozent aus (bei den Regionalinfos sind es 2 Minuten pro Tag). Erstmals leisten es sich zudem fünf Radios, weniger als 10 Minuten Regionalinfos in den Prime-Times zu bieten. Vor fünf Jahren lag das Minimum noch bei 10 Minuten.

Verlegerradios schneiden oft noch schwächer ab

Radios, die im Besitz von Verlegern sind, sind da keineswegs vorbildlicher: Wiesen sie schon 2012 einen Infoanteil von bloss 15 Prozent aus, so haben sie diesen auch noch auf 12 Prozent gekürzt, sie liegen also unter dem Deutschschweizer Durchschnitt. Auch bei Aspekten wie Quellenangaben in News oder Orientierungsleistungen (Hintergründe, Einordung) sind die Verlegerradios keine Musterknaben. Selbst die zur NZZ-Mediengruppe gehörenden Sender FM1 und Pilatus stechen nicht besonders heraus.

Von den 23 Deutschschweizer Sendern stehen denn auch nur zwei punkto Infoleistung leicht besser da als vor fünf Jahren, nämlich die Radios Fribourg und Neo. Top, 24 und Zürisee sind immerhin stabil geblieben. Bei den Ragionalinfos haben sich sogar sechs Radios verbessert, neben Neo und Fribourg auch Argovia, FM1, Top und Bern 1. Zudem soll nicht unerwähnt bleiben, dass es in einigen Bereichen breite Fortschritte gab: Quellenangaben und Einordnungshilfen sind heute generell bei den News deutlich häufiger anzutreffen als noch vor fünf Jahren. Doch diese Verbesserungen relativieren sich angesichts der Tatsache, dass ja das Newsvolumen abgenommen hat.

Kaum noch bereit für den publizistischen Wettbewerb

Mit diesen Analysen kommen wir zurück auf die eingangs erwähnte Argumentation des VSP. Die "beträchtliche" Vielfalt, die der Verband lobt, ist demnach an einem kleinen Ort, jedenfalls was die Informationsleistung anbelangt. Und wie er zur "zentralen" Aussage kommt, die Privatradios trügen viel zum kulturellen Leben ihrer Regionen bei, erschliesst sich dem Lesenden auch nicht. Sollte dies nach wie vor zutreffen, dann müsste man aber ergänzen, dass dieser Beitrag schon wesentlich höher war und in den letzten Jahren von den meisten Sendern dramatisch gestutzt worden ist. Die Behauptung, die Studie beweise "einmal mehr die Unverzichtbarkeit ... der konzessionierten Privatradios" ist damit wohl angesichts ihrer eher mageren Info-Leistungen ziemlich übertrieben. Nein, es gibt mehrere Sender, auf die aus demokratiepolitischen Überlegungen problemlos verzichtet werden könnte.

Nicht viel besser verhält es sich mit der Behauptung, die SRG-Regionale seien Schuld an den mageren Infoleistungen in der Deutschschweiz. Gegen diese Aussage lassen sich gleich mehrere Arguemnte anführen. Zum einen sind die Gebiete, die die SRG-Regionaljournale abdecken, meist grösser als jene der dort agierenden Privatradios. Das Regionaljournal Bern Freiburg Wallis zum Beispiel kann also in seiner 45-minütigen Sendezeit nicht nur Walliser Regional-News bringen, sondern muss auch Nachrichten aus den Kantonen Bern und Freiburg senden - doch was interessieren die Oberwalliser Hörer die Geschehnisse jenseits des Lötschberg und des Wildhorns? Die Konkurrenz für Radio Rottu ist dementsprechend gering, von seinen 45 Minuten berichtet das Regionaljournal maximal 15 Minuten über das Wallis. Rottu hingegen kann in seinen News vollumfänglich auf seine Region fokussieren.

Mehr Geld für weniger Inhalt?

Ein weiterer Grund, weshalb die VSP-Argumentation zu kurz greift: Die Einnahmen der Radios haben in den letzten Jahren insgesamt zugenommen haben, glleichzeitig wurden sie finanziell entlastet. So stiegen die Nettowerbeeinahmen der Gattung Radio von 139 Millionen Franken im Jahr 2011 auf teils über 150 Millionen Franken, wo sie relativ stabil verharrten. Mit diesen zusätzlichen Millionen sollten sich doch nicht nur Aktionäre, sondern auch demokratierelevante Mehrinfos finanzieren lassen. Zudem floss der Gebührensegen jüngst reichlicher an jene Sender, die vom Splitting profitieren. Doch auch diese bauten Infoleistungen ab, jedenfalls in der Deutschschweiz. Was noch hinzu kommt: Heute werden Teile der Radio-Forschung, die DAB+-Kampagne sowie die technische Umrüstung auf DAB+ mit Gebühren oder Bundesgeldern unterstützt, das sind jährlich knapp 10 Millionen Franken. Anders gesagt: Dafür, dass aktuell mehr öffentliche Gelder in die Radiobranche gesteckt werden denn je, ist die Info-Reduktion bei den meisten Deutschschweizer Privatradios ein Armutszeugnis. Dass dabei die grossen Medienhäuser an vorderster Front mit abbauen, unterstreicht diese Aussage noch mehr.
Die Radios erhalten aktuell rund 7 Millionen Franken jährlich fürs Umrüsten auf DAB+ und für die Kampagne Pro DAB+.
Die Radios erhalten aktuell rund 7 Millionen Franken jährlich fürs Umrüsten auf DAB+ und für die Kampagne Pro DAB+.
Es sind denn auch nicht primär die werbefreien SRG-Radios mit ihren Regionaljournalen, die den Deutschschweizer Privatradios das Leben erschweren. Umso weniger, als diese rein inhaltliche Konkurrenz doch eher das Infogeschäft beleben und zu eigenen redaktionellen Leistungen anspornen sollte. Nein, ausschlagebender für den Abbau dürften zwei andere Gründe sein: Die Besitzverhältnisse bei den Sendern und die Mentalität bei den Radios und deren Verwaltungsräten. Zu den Besitzverhältnissen: In der Westschweiz sind die Verlegerbeteiligungen wesentlich geringer und seltener als in der Deutschschweiz. Die privaten Sender in der Romandie sind somit unabhängiger von schwerfälligen und printorientierten Firmenstrukturen – und damit eigenverantwortlicher, agiler, autonomer und wohl auch innovativer angesichts der allgegenwärtigen Konkurrenz aus dem französischen Ausland.

In der Deutschschweiz gehören die meisten Radios dagegen einem grossen Medienhaus an und sind oft in eine komplexe Allmedia-Strategie eingebunden. Das engt den eigenen Spielraum, die Eigenverantwortung und die Innovationskraft der einzelnen Sender massiv ein.

Was auch gegen die SRG-Schuld spricht: In der Deutschschweiz weist mit Central ausgerechnet ein rein kommerzieller Sender den nach wie vor höchsten Infoanteil auf, einer, der zudem in starker (inhaltlicher) Konkurrenz zu andern steht. Er zeigt damit zumindest, dass nach wie vor mehr Infoleistungen möglich sind als der Durchschnitt anbietet.

Abwärtsspirale und Jammer-Mentalität

Hinzu kommt die Tatsache, dass in der Deutschschweiz auch diejenigen Sender, die vom Gebührensplitting profitieren, ihren Infoanteil reduzierten. Das ist nicht nur erstaunlich, es ist geradezu gefährlich. Denn wer trotz Einnahmen aus Gebührengeldern derart Info-Abbau betreibt, liefert den "No Billag"-Initianten zusätziiche Argumente. Zudem weist es darauf hin, dass sich zumindest die Deutschschweizer Radioszene in einer Abwärtsspirale befindet: Mit dem ewigen Argument, Radio sei primär ein Begleitmedium, stecken sich die Sender gegenseitig mit weiterem Infoabbau und einem auf reine (Musik-)Unterhaltung ausgerichteten Programm an, weil sie ja in ihren Werbekombis möglichst ähnliche Zielgruppen abdecken wollen.

Diese Negativ- und Jammer-Mentalität herrschte unlängst auch in der Westschweiz. Nur haben sich dort die ersten Sender vor etwa vier, fünf Jahren aufzurappeln begonnen – LFM zum Beispiel. Nicht etwa, weil sie dort "mehr Raum" haben, wie der VSP argumentiert. Im Gegenteil: Die Romands haben kleinere (grografische) Räume und die publizistische Konkurrenz untereinander, mit ausländischen Sendern und der SRG ist um keinen Deut geringer. Aber dort hat man gemerkt, dass man nicht länger den eigenen USP abbauen und damit die eigene Daseinsberechtigung untergraben darf. Ein Anlass dürfte die "No-Billag"-Initiative gewesen sein. Jedenfalls gaben einzelne Westschweizer Sender Gegensteuer, setzten die Standards wieder entschlossen höher und stoppten so den allgemeinen Niedergang. Die Folge: Selbst diejenigen Sender, die sich nicht verbessern wollen, können es sich kaum noch leisten, den Infoanteil weiter zu senken. Sie sind in dieser Hinsicht zur Stabilität verdammt, sonst fallen sie zu sehr ab. Der Westschweizer Szene kommt für einmal zugute, dass sie klein ist: Bei nur zwölf Radios reichen ein, zwei starke Umkehrer, um eine Trendwende einzuläuten. In der Deutschschweiz – so scheint es – braucht es mehr. Der Sog nach unten ist zu stark. Zwar zeichnet sich auch hier ein gewisser Mentalitätswandel ab, zumindest im Bereich Regionalinfos, wo sich immerhin sechs Sender verbessert haben. Klar, die Umkehr setzte erst zaghaft ein, von einer Trendwende kann noch nicht die Rede sein. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht trägt ja auch die Publicom-Analyse dazu bei. knö
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