Porträt Explosionen und Einhörner als nächstes Projekt

Freitag, 23. September 2016
Dennis Lück schwimmt auch als Kreativchef bei JvM/Limmat auf der Erfolgwelle
Dennis Lück schwimmt auch als Kreativchef bei JvM/Limmat auf der Erfolgwelle
© JvM/Limmat

Er wird als nächster "Werber des Jahres" der Schweiz gehandelt. Ob er den Titel, den die "Werbewoche" jährlich vergibt, tatsächlich gewinnt, wird sich im Frühsommer 2017 zeigen. Heute ist schon klar, dass die kreativen Erfolge, die Dennis Lück im Sommer noch für FCB (und davor) gesammelt hat, keine Strohfeuer sind. Jetzt ist er im Auftrag von Jung von Matt/Limmat auf der Jagd und kommt aus dem Feiern gar nicht mehr heraus.

Nur zwei Monate nach seinem Einstieg bei Jung von Matt/Limmat können er und sein neues Team bereits mehrere Etatgewinne verbuchen. Gleichzeitig triumphiert sein Ex-Arbeitgeber FCB Zürich bei internationalen Kreativwettbewerben mit Arbeiten, die noch auf sein Konto gehen. Erst vor wenigen Tagen räumte die Agentur bei den Clio Awards sieben Medaillen mit Lück-Kreationen ab – ebenso viele Löwen gab es dafür dieses Jahr in Cannes.

Das Sahnehäubchen ist Lücks Ernennung zum neuen Vorstandsmitglied des Schweizer Art Directors Club. Dort wird er sich künftig um die Creative Week und – wenig überraschend – die Gala kümmern. Mit Partys kennt sich der Drummer der Hobby-Punkrockband Ultrahocherhitzt schließlich bestens aus und verspricht für das Event im März nächsten Jahres schon jetzt großzügig Einhörner und Explosionen. Man darf gespannt sein, was ihm darüber hinaus noch alles einfallen wird. Der gebürtige Saarländer hat in seiner Wahlheimat Schweiz wahrlich einen Lauf und wird bereits als zukünftiger „Werber des Jahres“ gehandelt. Aktuell darf sich Publicis-Kreativchef und bald CEO Thomas Wildberger mit diesem Titel schmücken, der jedes Jahr im Frühsommer von der Schweizer Werbefachzeitschrift „Werbewoche“ verliehen wird. Lück hat also noch ein paar Monate Zeit, auf diese Auszeichnung hinzuarbeiten und seinem Image als einer der besten Kreativen der Schweiz weiterhin gerecht zu werden.

Kreative Erfolge

Bei Jung von Matt ist Lück noch zu frisch dabei, als dass er bereits erste kreative Erfolge vorweisen könnte. Aktuell gewinnt er einen Preis nach dem anderen mit Kampagnen, die bei seinem Ex-Arbeitgeber FCB entstanden sind: Hockeyclub Davos: Mit ihrer Promotionidee „Bandenbingo“ bescherte FCB dem Hockeyclub Davos nicht nur steigende Merchandising- und Food-Umsätze, sondern begeistert die Besucher und Zuschauer der Hockeyspiele zugleich mit einem Mobile Game. Flüchtlinge Willkommen: Für die Berliner Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ haben Lück und sein Team eine schlaue Pre-Roll-Kampagne realisiert, bei der Flüchtlinge mit gängigen Vorurteilen aufgeräumt haben.
Die Erwartungen an ihn sind immens hoch. Seit im Frühjahr dieses Jahrs bekannt wurde, dass er FCB verlassen und als Chief Creative Officer und Mitglied der Geschäftsleitung bei Jung von Matt/Limmat einsteigen wird, ist der Erfolgsdruck erneut gestiegen. Immerhin war er bei FCB auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Bei Jung von Matt/Limmat muss er sich nun von Neuem beweisen und tritt zudem in die großen Fußstapfen seines hoch geachteten Vorgängers Alexander Jaggy, der die Schweizer Niederlassung von Thjnk derzeit aufbaut.

„Wir machen uns nicht verrückt“, sagt Heavy-Metal-Fan Lück. Zusammen mit Roman Hirsbrunner, CEO von JvM/Limmat, will er die Integration der unterschiedlichen Kompetenzen innerhalb der Agenturgruppe weiter vorantreiben. Obwohl die beiden erst seit kurzem ein Team sind, können sie bereits mehrere Etatgewinne verbuchen. Spruchreif ist allerdings noch nichts, sagt CEO Hirsbrunner, der mit seiner ruhigen Art einen echten Gegenpol zu Energiebündel Lück bildet. In seiner Band trägt Lück sicherlich nicht umsonst den Spitznamen Amok. „Dennis ist sehr direkt und mit absolutem Fokus auf die Problemstellung“, sagt Hirsbrunner. Eine typische Lück-Handschrift gäbe es nicht – außer, dass seine Lösungen stets überraschend und um die Ecke gedacht seien.

Seine Karriere hat Lück bei Scholz & Friends in Hamburg begonnen. Aus privaten Gründen wollte er 2010 nach Süddeutschland umziehen und deshalb die Agentur verlassen. S&F machte ihm stattdessen das Angebot, eine Niederlassung in Zürich aufzubauen. Innerhalb eines Jahres baute er diese zu einem knapp 70-köpfigen Team auf, bevor er Ende 2011 zu Ortskonkurrent FCB wechselte. Jung von Matt ist nun seine dritte Station in der Schweiz.

Eine Rückkehr nach Deutschland kommt für ihn nicht infrage. Im Gegenteil: Lück will in der Schweiz sesshaft werden und noch in diesem Jahr in seinem Wohnort Wohlen mit dem Hausbau beginnen. Dort lebt er mit seiner Frau Sandra und den drei Kindern Ludwig, Lisbeth und Louise. An seiner neuen Heimat schätzt Lück vor allem den fairen Umgang miteinander und die Tatsache, dass Goldideen in der Schweiz kein Thema seien. „Hier muss man es im Tagesgeschäft schaffen“, stellt Lück fest. Und das sei auch durchaus möglich, denn er habe die Schweizer Kunden bisher als sehr viel mutiger empfunden als die deutschen Auftraggeber. Sein Erfolg gibt ihm recht: „Meine Gewinnliste hat sich verzehnfacht, seit ich in der Schweiz bin – und das ausschließlich mit Tagesgeschäft.“
Sein Herz gehört der Familie, der Werbung und der Musik
Sein Herz gehört der Familie, der Werbung und der Musik (Bild: JvM/Limmat)
Auf die Frage nach seinem wichtigsten kreativen Sparringspartner kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Meine Frau! Mit ihr kann ich gut ausdenken und keiner ist in seinem Urteil gnadenloser.“

Sandra Lück ist Art-Direktorin und war in Deutschland unter anderem bei GGH Mullen Lowe und Scholz & Friends Berlin tätig. Kennengelernt haben sich die beiden allerdings beim Bauer Agency Cup 2001 in Dresden. Der Werbefußball-Event heißt inzwischen Shutterstock Agency Cup. Eines ist im Vergleich zu damals gleich geblieben: Der SAC, früher BAC, ist eine einzige große Party. Hier schließt sich also wieder der Kreis. In diesem Sinne: Keep on Rockin’, Dennis! bu

 

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