Option B Sheryl Sandberg hautnah

Freitag, 15. September 2017
Uwe Jean Heuser, Leiter des ZEIT-Wirtschaftsressorts, im Gespräch mit Facebook-COO Sheryl Sandberg
Uwe Jean Heuser, Leiter des ZEIT-Wirtschaftsressorts, im Gespräch mit Facebook-COO Sheryl Sandberg
© ems

Fotos, große Bühne, Facebook-Posts - das ist der Blick, den Sheryl Sandberg, COO bei Facebook auf sich erlaubt. Bei der Vorstellung ihres Buchs "Option B" in Frankfurt gibt sie ein bißchen mehr von sich preis.
Gelesen, Streams gesehen und auf der Bühne bei Dmexco oder IAA - Möglichkeiten, etwas von Sheryl Sandberg, der wichtigsten Frau im Silicon Valley, Nummer zwei nach Facebook, Autorin des Klassikers der modernen Frauenbewegung "Lean in" zu rezipieren gibt es viele. Aber als Sandberg, die zugleich Mutter von zwei Kindern ist, am gestrigen Abend im Audimax der Frankfurter University of Applied Sciences ihr Buch "Option B" vorstellt, gibt sie viel von sich selbst preis und zugleich eine Lehrstunde über den Umgang mit Socialen Netzwerken.
Sheryl Sandberg
Sheryl Sandberg (© ems)
Trauer, Intimes, die Namen einiger Ex-Freunde, Erinnerungen an ihren vor zwei Jahren unerwartet verstorbenen Mannes Dave Goldberg - sie würde doch sehr viel privates, vielleicht zu viel von sich preisgeben, fragt dann auch Uwe Jean Heuser, Leiter des Zeit-Wirtschaftsressorts, der Sandberg in Frankfurt vor fast ausschließlich weiblichem Publikum interviewt. "Was meinen verstorbenen Mann wesentlich ausgemacht hat, war, anderen zu helfen. Mit 'Option B' kann ich Menschen, die eine ähnlich traumatisches Situation erlebt haben wie ich vor zwei Jahren vielleicht helfen. Damit ehre ich Dave", antwortet Sandberg.
Sheryl Sandberg
Sheryl Sandberg (© ems)
Dabei ist es überraschend zu sehen, wie viel eine Managerin wie Sandberg offenbart. Mehrfach bricht ihre Stimme, sie muss innehalten, Heuser mit einer weiteren Frage einspringen, so sehr kämpft Sandberg mit den Tränen. Gleichzeitg schafft sie es, den Audimax in ihren Bann zu ziehen, niemand plaudert während der Diskussion, stattdessen wird auch viel gelacht, wenn Sandberg Anekdoten aus ihren Berufsleben mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und ihrer Familie wiedergibt.
Sheryl Sandberg
Sheryl Sandberg (© ems)
Kritische Töne, etwa bei der Frage nach Menschen, die negativ auf ihren langen Facebook-Post zu ihrer Trauer um Dave Goldberg wenige Wochen nach dessen Tod, oder nach ihrem neuen Lebensgefährten, einem Unternehmer aus dem Silicon Valley, gibt es von Sandberg nicht. Stattdessen Antworten der Managerin und Bestsellerautorin- durchaus warmherzig, immer mit Bezug auf ihr Buch 'Option B', professionell eben und kontrolliert - aber ohne Antwort auf die eigentliche Frage. Denn Sandberg gibt nur preis, was sie will. Aber das reicht dem Publikum: Die Fragen der Zuhörerinnen nach Abschluß der Diskussion zeigen, dass Sandberg vielen eine Nähe vermittelt, die verblüfft. Fast als säßen alle zusammen und doch jeder alleine bei ihr auf der Couch. Ein Lehrstück für alle, die zu viel auf sozialen Netzwerken preisgeben. Ein Lehrstück für alle, die kritische Fragen an Facebook haben. Aber vor allem ein beeindruckender Auftritt von Sheryl Sandberg.

Option B

In ihrem neuen Buch "Option B" schreibt Sheryl Sandberg zusammen mit dem Psychologie-Professor Adam Grant darüber, wie Menschen Schicksalsschläge überwinden können. Ergänzend zu ihrer eigenen Erfahrung mit der Trauer um ihren Ehemann Dave Goldberg schildert sie neue wissenschaftliche Erkenntnissen aus der Resilienzforschung und berichtet von Menschen, die Arbeitslosigkeit und Armut, Scheidung, Krankheit und Verletzungen überstanden haben. Wir alle können resilienter werden. Zur Vorstellung des Buchs hatten die Zeit und die Ullstein Buchverlage gemeinsam eingeladen.
Eine Peinlichkeit am Rande war der einzige Redebeitrag eines Manns aus dem überwiegend weiblichen Publikum. Was Sandberg denn tun würde, wenn er sie nun fragen würde, ob sie sich mit ihm zum Essen verabreden wolle, lautete die peinliche Frage. Dank Sandbergs Souveränität im Umgang mit Öffentlichkeit, hielt sich die Peinlichkeit im Rahmen - sie konterte sie mit einem Lachen. Anders als beispielsweise Mine von Moderator, Publizist und Anwalt Michel Friedmann, die zu Eis gefror. ems
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