Nachfolgereglung bei Publicom Gründer René Grossenbacher verkauft seine Mehrheit an Eurospider

Donnerstag, 20. April 2017
Eurospider übernimmt die Mehrheit bei Publicom.
Eurospider übernimmt die Mehrheit bei Publicom.
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Eurospider Information Technology, Anbieterin von Relevancy-Retrieval-Systemen und Spin-off der ETH Zürich, übernimmt die Mehrheit beim privaten Medienforschungsinstitut Publicom. René Grossenbacher (64), der Publicom vor über 30 Jahren gegründet hat, bleibt CEO und VR-Präsident von Publicom.

Wie René Grossenbacher gegenüber HORIZONT Swiss ausführte, hat die neue strategische Partnerschaft vor allem zwei Gründe: Zum einen gehe es darum, seine eigene Nachfolge bei Publicom zu regeln. Grossenbacher, der nächstes Jahr pensioniert wird, will jedoch übers Pensionsalter hinaus weiterhin bei Publicom tätig bleiben. Auch behält er die Funktionen als CEO und VR-Präsident bei.

Der zweite Grund: Publicom, die spezialisiert ist auf Beratung und Forschung in den Bereichen Medien und Unternehmenskommunikation, und Eurospider, die im Bereich der automatisierten Inhaltsanalyse und Computerlinguistik stark ist, ergänzen sich. "Die Lösung ist super", sagt Grossenbacher. Denn wegen der Digitalisierung gehe die Entwicklung ohnehin in eine Richtung, die man ohne IT-Technologie gar nicht mehr bewerkstelligen könne. "Es wäre gar nicht möglich, die dafür nötogen technischen Instrumente alle selbst zu entwicklen oder zu beschaffen", sagt er. Schon in der Vergangenheit hätten Eurospider und Publicum bei diversen Projekten zusammen gespannt.
Zwei Gründer und Analytiker spannen noch mehr zusammen: Peter Schäuble (links) von Eurospider und René Grossenbacher von Publicom.
Zwei Gründer und Analytiker spannen noch mehr zusammen: Peter Schäuble (links) von Eurospider und René Grossenbacher von Publicom. (Bild: zvg.)
Das bestätigt auch Peter Schäuble, der Eurospider 1995 gegründet hat. "Wir kennen uns schon seit 15 Jahren. Die Partnerschaft zwischen Eurospider und Publicom ist deshalb keine Partnerschaft, die sich noch bewähren muss. Sie hat sich schon verschiedentlich bewährt." Es sei zwar geplant, dass er (Schäuble) als gewöhnliches Mitglied im Publicom-Verwaltungsrat Einsitz nehmen werde, andere personelle Veränderungen seien jedoch nicht vorgesehen. Und organisatorisch würden die beiden Firmen getrennt bleiben. "Publicom bleibt Publicom. Die Firma hat ein phantastisches Knowhow im Bereich Analsyse und Medienbeobachtung", betonte Schäuble. Die bisherigen Geschäftsfelder – Compliance und Wissensmanagement (Eurospider), beziehungsweise Medienpolitik, Medienprodukte und publizistisches Qualitätsmanagement (Publicom) – würden die beiden Unternehmen deshalb unabhängig weiterführen. Gemeinsam aber wollen sie ihre Kernkompetenzen bündeln, um für namhafte schwei­zerische und internationale Kunden neue, hochleistungsfähige Instrumente für die Analyse von Medieninhalten und Kommunikationswirkungen zu entwickeln. "Dieses Zusammenspannen bei unseren Kompetenzen bewirkt, dass hier 2 x 1 mehr ergibt als bloss 2", zeigte sich auch Grossenbacher überzeugt.

Ein aktuelles Projekt, bei dem die beiden Firmen bereits zusammen arbeiten, betrifft eine Ausschreibung zur Analyse der Inhalte auf SRG-Onlineportalen. Diese Studie war vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) vor rund zwei Jahren ausgeschrieben worden. An der Ausschreibung beteiligt hatten sich auch Publicom und Eurospider – gemeinsam. Den Zuschlag erhielt aber die Uni Zürich, jedoch offenbar nur mit knappem Vorsprung. Publicom und Eurospider rekurrierten – und erhielten vom Bundesverwaltungsgericht Recht. Daraufhin aber zog das Bakom die Angelegenheit vor Bundesgericht, wo sie noch hängig ist. knö

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