Migros-Etat OMD-CEO Stefan Burgass: "Ein grosser Verlust aber nicht existenzbedrohend"

Donnerstag, 17. August 2017
OMD Switzerland CEO Stefan Burgass
OMD Switzerland CEO Stefan Burgass
© OMD Switzerland

Nach acht Jahren hat OMD Switzerland den Mediaetat von Mirgos verloren. CEO Stefan Burgass schildert im Interview mit HORIZONT Swiss, wie die Agentur mit der Entscheidung umgeht und welche Konsequenzen sie für die Mitarbeiter hat.

Sie haben den Mediaetat von Migros seit Februar 2009 betreut. Nun hat sich das Unternehmen entschieden, das Budget einer anderen Agentur anzuvertrauen. Welche Auswirkung hat die Entscheidung auf OMD Switzerland?
Es ist ganz klar: Die Migros ist unser grösster Kunde. Insofern trifft es uns natürlich, den Etat zu verlieren.

Wie stark trifft es OMD Switzerland?
Zunächst: Wir betreuen den Kunden bis Jahresende und sogar in einzelnen Aufgaben noch im ersten Halbjahr 2018 weiterhin genauso professionell wie wir es in den vergangenen acht Jahren getan haben. Und ja, es trifft uns, aber der Etatverlust ist nicht existenzbedrohend, da wir ein ein grosses sehr diversifiziertes Kundenportfolio haben.

Wie viele Mitarbeiter waren für den Kunden Migros tätig?
Es gibt ein Team von etwa 15 FTE, das für den Kunden arbeitet. Aber es sind mehr Personen, da einige Mitglieder des Teams auch für andere Kunden von uns tätig sind. Wir werden nun mit jedem einzelnen Mitarbeiter, den der Etatwechsel betrifft sprechen, und sind zuversichtlich, dass wir allen eine Perspektive anbieten und eine sozialverträgliche Lösung ohne Entlassungen finden können.

Migros begründet die Entscheidung für Dentsu Aegis damit, „gemeinsam ein interdisziplinäres, auf die Zukunft gerichtetes Agenturmodell für die Migros etablieren zu wollen, welches das konvergente und integrierte Denken und Handeln wieder ins Zentrum stellt“. Wie wollten Sie Migros überzeugen?
Interdisziplinär, Konvergenz, integriertes Handeln, das sind zunächst mal nur Buzz Words. Jeder Kunde, jede Aufgabenstellung, jede Kampagne erfordert eine, spezifische Antwort um die Botschaft zur richtigen Zeit im richtigen Kontext an die die Zielgruppe zu bringen. Und natürlich haben auch wir konvergent (das heisst über alle Medien, vernetzt zwischen digitalen und analogen Medien) und in integrierten Teams für den Kunden gearbeitet. Anders ist ein solcher Etat auch nicht zu stemmen.

Wir haben die OMD im vergangenen Jahr intern neu aufgestellt und betreuen die Kunden nun mit jeweils einem Client Service Team, das  ein tiefes Verständnis für die Marke und die Bedürfnisse der Kunden mitbringt, um darauf basierend Strategien für den Auftraggeber zu entwickeln. Dieses Team arbeitet eng mit einem Team von Spezialisten zusammen, die das nötige Fachwissen in den einzelnen Disziplinen besitzen und so die Excellence in Planung und im Einkauf sicherstellen. Wir glauben nicht, dass ein einzelner Kundenberater heute noch in der Lage ist, alle Medien detailliert zu planen. Dazu ist die Kommunikationswelt heute zu komplex. Zudem haben wir in den vergangenen acht Jahren bei der Zusammenarbeit mit und für die Migros ein profundes Handelswissen aufgebaut.

Stefan Burgass

Stefan Burgass ist seit 2015 CEO der Omnicom Media Group. Er war davor zehn Jahre bei Müller Media & Service AG tätig, die zur deutschen Theo-Müller-Gruppe gehört. Zuvor arbeitete Burgass als Managing Director bei der Mediaagentur Carat, unter anderem in Hamburg und München.
Warum hat das aus Ihrer Sicht nicht geklappt?
Ich kann verstehen, dass es nach acht Jahren für einen Kunden Zeit ist, etwas Neues auszuprobieren beziehungsweise aufzubauen. Warum sich die Migros so und nicht anders entschieden hat, müssen sie aber die Migros fragen. Integriert und konvergent arbeiten auch wir bei der OMD. Dank unserer Kompetenz bieten sich aber sicherlich auch für die OMD im Handel neue Perspektiven. Da bin ich sehr zuversichtlich.Interview: ems

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