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Frauen aller Altersgruppen gehen wieder eher ins Kino oder bleiben zumindest stabil, bei den Männer hingegen sind die Kinogänger immer seltner. Leichte Zunahmen gibt es lediglich bei den Männern ab 45.
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Kinoforschung 2017 Sag mir, wo die Männer sind

Frauen aller Altersgruppen gehen wieder eher ins Kino oder bleiben zumindest stabil, bei den Männer hingegen sind die Kinogänger immer seltner. Leichte Zunahmen gibt es lediglich bei den Männern ab 45.
Das Medium Kino musste von April 2016 bis April 2017 einen weiteren Besucher-Rückgang hinnehmen. Wobei die (jungen) Frauen wieder etwas häufiger ins Kino gehen. Bei den Männern hingegen hält der Besucherschwund weiter an. Das geht aus der Kino-Studie MACH Cinema 2017 hervor.
von Markus Knöpfli, Dienstag, 31. Oktober 2017
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    Die Kinogänger in der Schweiz werden seltener. Die alljährliche MACH Cinema der Wemf, die jeweils von Frühling bis Frühling die Kino-Reichweiten erhebt, weist erneut einen – allerdings nur leichten – Rückgang aus von schweizweit 11 Millionen auf 11.4 Millionen Personen pro Jahr. Das entspricht pro Monat rund 11 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Das wöchentliche Besucheraufkommen reduzierte von 203.000 auf 200.000 Personen (-1.5 Prozent), das sind pro Jahr fast 160.000 Kinogänger weniger. Man kann diesen Verlust für sich allein auch als stabil bezeichen, bleibt er doch im statistischen Vertrauensbereich. Allerdings hält der Besucherschwund nun schon fünf Jahre lang an: Seit Beginn dieser Erhebungsform im Jahre 2013 verlor das Medium Kino bereits 25.000 Besucherinnen und Besucher pro Woche, ein Rückgang um 11 Prozent oder 1.3 Millionen Personen im Jahr. Rechnet man dies mit einem Eintrittspreis von 15 Franken hoch, nahm die Kinobranche im Jahr 2016 etwa 20 Millionen Franken weniger ein als noch 2012.

    Über die MACH Cinema

    Die Kinoforschung MACH Cinema beruht zum einen auf den Befragungen der Wemf im Rahmen der MACH Basic, aber auch auf der Billettverkaufsstatistik von ProCinema, dem Verband der kommerziell orientierten Kinos und Filmverleiher. Die Statistik von ProCinema liefert das Niveau und damit die Sollwerte für die Anzahl Kinobesuche. Und die Befragung im Rahmen der MACH Basic steuert Angaben zu Geschlecht, Alter, Anzahl Kinobesuche pro Person, zur Besuchshäufigkeit und zum Kinoort bei.
    Den schweizweit grössten Besucherrückgang verzeichnet die Kinos in der Region Basel, denen heute noch wöchentlich 10.000 Personen einen Besuch abstatten – 23 Prozent oder 3000 Personen weniger als noch gemäss Studie 2013. Dort hat der Besucherschwund aber vermutlich weniger mit dem Desinteresse am Kinoerlbenis zu tun, sondern mit der Tatsache, dass jenseits der Landesgrenze im benachbarten Weil am Rhein ein Kinoeintritt rund die Hälfte bis zwei Drittel günstiger ist als in den heimischen Kinos. ob das von der Firma Swiss Prime Site geplante Multiplex-Kino mit 18 Sälen im Stücki-Einkaufscenter nahe der Grenze zu Weil an diesen Tatsachen etwas ändert, ist zu bezweifeln. In Zürich fiel der Besucherrückgang prozentual gesehen in den letzten fünf Jahren deutlich geringer aus als in Basel - er betrug -8 Prozent oder 36.000 Personen weniger pro Jahr. Beim schweizweiten Kinoexodus macht neuerdings die Westschweiz eine Ausnahme: Gemäss der neusten Studie sind die Kinos in Genf und Lausanne zumindest stabil geblieben mit leichtem Trend aufwärts.
    (© ©knö / wemf)
    Interessant ist allerdings nicht nur wo die Leute dem Kino am ehesten den Rücken kehren, sondern welche Personen. Generell lässt sich sagen: Bisher gingen beide Geschlechter seltener ins Kino, bei den Frauen war der Trend sogar etwas ausgeprägter. Die neue Studie zeigt aber, dass sich das weibliche Geschlecht offenbar wieder stärker dem Kino zuwendet, nahmen doch dessen Besuche erstmals um schweizweit 3000 Personen pro Woche oder knapp 160.000 pro Jahr zu. Damit lassen die Frauen den bisherigen Tiefpunkt mit 101.000 Besucherinnen pro Woche hinter sich. Die grösste Zunahme ist bei den Frauen zwischen 14 und 29 Jahren festzustellen, sie steigerten sich von 33.000 auf 35.000 Personen. Die andern Altersgruppen blieben immerhin stabil.

    Anders bei den Männern: Hier geht der Trend weg vom Kino ungebremst weiter, gingen doch im letzten Jahr 210.000 weniger hin. Erstmals gehen nicht einmal 100.000 Männer pro Woche ins Kino. "Schuld" daran sind vor allem die Männer zwischen 14 und 29 Jahren: Sie haben nun mit noch 33.000 Besuchern pro Woche denselben Tiefpunkt erreicht, den ihre Altersgenossinen eben hinter sich gelassen haben. Doch anders als bei diesen zeichnet sich bei der männlichen Altersgruppe noch keine Trendwende ab. Und auch die 30- bis 44-Jährigen halten offenbar weniger vom "Gemeinschaftsserlebnis" Kino und sind mit bloss noch 22.000 Kinogängern pro Woche ebenfalls an einem Tiefpunkt angelangt. Ein leicht grösseres Interesse – aber auf einem zahlenmässig tieferen Nievau – zeigt sich einzig bei den Senioren ab 60 und auch in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen. knö
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