LINK und GfK Switzerland Was der Verband Schweizer Markt- und Sozialforschung und die Weko zur neuen Kooperation sagen

Freitag, 21. April 2017
Ob der Kooperation von GfK Switzerland und LINK zeigt sich der VSMS ziemlich wortkarg.
Ob der Kooperation von GfK Switzerland und LINK zeigt sich der VSMS ziemlich wortkarg.

Das LINK Institut und GfK Switzerland wollen im Bereich Onlinekampagnen künftig die Messungen gemeinsam vornehmen und auch die Daten ihrer Onlinepanel poolen wollen. Während der Verband Schweizer Markt- und Sozialforscher (VSMS) fast sprachlos reagiert, sind der Wettbewerbskommission die Hände gebunden.
Es ist keine Frage: LINK Institut und GfK Switzerland gehören zu den Grossen der Schweizer Markt- und Sozialforscher. In der Medienmitteilung vom 20. April 2017 zur neuen Kooperation bezeichnete sich GfK Switzerland denn auch unbescheiden als "das grösste Marktforschungsinstitut der Schweiz". Die Beiden haben also Gewicht in der Branche und stellen auch je ein Mitglied im Vorstand des Verbandes Schweizer Markt- und Sozialforscher (VSMS). HORIZONT Swiss wollte deshalb von der VSMS-Präsidentin Susan Shaw wissen, wie sie die neue Kooperation zwischen den Branchenprimi beurteilt. Sie beantwortete die Fragen schriftlich. Wenn man überhaupt von Antworten sprechen kann.


Frau Shaw, begrüssen Sie als VSMS-Präsidentin diese Kooperation? Oder bedauern Sie sie? Grundsätzlich bezieht der Verband nicht Stellung, wenn der Wettbewerb spielt und keine Rechtsverletzungen vorliegen.
Susan Shaw, Präsidentin des VSMS.
Susan Shaw, Präsidentin des VSMS.
Wird sich die neue Kooperation auf den Bereich Onlinekampagnen beschränken - oder wird sie schrittweise auch weitere Bereiche einbeziehen? Das müssten Sie bei den beiden Instituten nachfragen. Das kann der Verband nicht beantworten.

Wenn die beiden grössten Marktforscher der CH meinen, die Messung ihrer Onlinekampagnen zusammen legen zu müssen - wer sonst ist dann noch in der Lage, Onlinekampagnen zu messen? Anders gefragt: Setzt dies Ihre andern Mitglieder unter Druck, nun ebenfalls zumindest in Teilbereichen kooperieren zu müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben?
Auch dies müssten Sie direkt bei den "anderen Mitgliedern" nachfragen, aus Verbandssicht können wir das nicht beantworten.

Ist diese Kooperation allenfalls eine Gefahr - und wenn ja, für wen? Das können wir nicht beantworten.

Stellt die Kooperation den grossen Auftakt einer fortschreitenden Konsolidierung in der Marktforschungsbranche dar? Ich persönlich denke, dass sich in unserer Branche immer wieder neue Geschäftsfelder eröffnen werden und Innovationskraft von den Instituten gefragt ist. Vor allem durch die immer vielfältigeren und vielschichtigeren Anforderungen unserer Auftraggeber wird es auch in Zukunft eine breite und lebendige Institutslandschaft geben! knö

Weko: Kooperation birgt Gefahr der Absprache

Auf Anfrage hatte Weko-Direktor Rafael Corazza noch keine Kenntnisse von der angebahnten Kooperation zwischen GfK Switzerland und LINK. Da es sich aber nicht um einen Zusammenschluss der beiden Firmen, sondern bloss eine partielle Kooperation handle, seien die beiden Unternehmen auch nicht meldepflichtig. Hinzu kommt: Der "Fall" fiele nur dann in den Zuständigkeitsbereich der Weko, wenn beide Firmen pro Jahr je mindestens 100 Millionen Umsatz erwirtschaften würden – und zusammen auf einen Jahresumsatz von über 500 Millionen Franken kämen.

Ganz uninteressiert an der neuen Kooperation der beiden Branchengrössen ist Corazza dennoch nicht – besteht doch die Möglichkeit, dass ihre Kooperation in Richtung "Absprache" gehe und deshalb kartellrechtlich relevant werden könnte. "Ich sehe aber keine Veranlassung, dies nun dringend zu untersuchen", sagte Corazza.


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