Kleinplakate In Basel zählen auch Erotikmessen zur Kultur

Mittwoch, 23. November 2016
Die Stadt Basel lässt neuerdings auch Erotikmessen auf Kleinplakaten werben, die eigentlich nicht-gewinnorientierten Kulturveranstaltungen vorbehalten sind.
Die Stadt Basel lässt neuerdings auch Erotikmessen auf Kleinplakaten werben, die eigentlich nicht-gewinnorientierten Kulturveranstaltungen vorbehalten sind.
© knö.

Eigentlich sind Basels Kleinplakate an Verteiler- und Trafokästen sowie an Banden von Tramhaltestellen nur für Kultur-Werbung vorgesehen. Neuerdings prangen dort aber auch Plakate, die für eine Erotikmesse in der Messe Basel werben - behördlich akzeptiert.
In der Messestadt Basel hat man offenbar einen breiten Kulturbegriff: Dazu zählen nicht nur Musik-, Theater-, Tanz- oder Filmveranstaltungen, sondern neu auch Erotikmessen. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer derzeit durch Basels Strassen geht: Unter den unzähligen Kleinplakaten der Grösse A2, die überall an grauen Verteiler- und Weichenkästen der Basler Verkehrsbetriebe oder der Industriellen Werken Basel angebracht sind, hängen seit einigen Tagen auch Plakate der Erotikmesse Extasia. Das ist insofern speziell, als Kleinplakate eigentlich für nicht gewinnorientierte Kulturveranstaltungen gedacht sind, was man von einer Erotikmesse in den Hallen der Messe Basel kaum behaupten kann. 2014 hatte die Basler Allmendverwaltung festgelegt, dass diese Flächen "einzig zur Bewerbung von nicht renditeorientierten öffentlichen Kulturprojekten und -veranstaltungen zur Verfügung stehen, die nicht gleichzeitig mit Grossplakaten beworben werden". Diese und andere Regelungen sollten bis Ende 2017 gelten und allenfalls aufgrund von Erfahrungen im Zusammenhang mit der derzeit laufenden Basler Plakatsubmission geändert werden. Wobei sich die Allmendverwaltung schon vorher "allfällige Feinanpassungen" vorbehielt.

Eine solche Feinanpassung scheint man unterdessen vorgenommen zu haben. Auf Anfrage hielt jedenfalls fest Stéphanie Balzer, Leiterin Nutzungsmanagement bei der Allmendverwalrung, fest: "In Basel-Stadt gibt es rund 2500 Kleinplakatstellen auf zwei Kleinplakatierer verteilt. Diese sollen mit kultureller Werbung bespielt werden. Als Messe- und Veranstaltungsstadt zählen zu einem gewissen Grad auch die lokalen Märkte sowie die Messen zur kulturellen Bereicherung dazu. Deshalb wird zu einem kleinen Teil auch diese Werbung in den kulturellen Rahmen zugelassen, jedoch dürfen sie zu keiner Zeit die nicht renditeorientierte kulturelle Werbung verdrängen."
(© knö.)
Wundern darf man sich über diese Ausnahme gegenüber der Messe Basel nicht, schliesslich ist der Kanton Basel-Stadt zu 33,5 Prozent an der MCH Group, sozusagen der Mutter der Messe Basel, beteiligt, und stellt mit den Regierungsräten Christoph Brutschin und Eva Herzog zwei Verwaltungsratsmitglieder und mit Ex-Regierungsrat Ueli Vischer gar den Verwaltungsratspräsidenten.

Stossend ist der Vorzug, den die Behörden der Messe hier einräumen, dennoch, weil der Kanton Basel-Stadt die Kleinplakate nicht zuletzt als günstigere Aussenwerbealternative zu den Grossplakaten eingerichtet hat. Er gab sogar den Maximalpreis vor: 1.20 Franken pro A2-Plakat und Tag. Für einen hochkommerziellen Messeveranstalter ist eine solches preisliches Entgegenkommen schlicht fehl am Platz.

Das aktuelle behördliche Einverständnis zur Werbung der Erotikmesse ist aber auch erstaunlich: Vor drei Jahren hatte sich ein Basler Bordell ebenfalls mit Werbung unter die Kulturplakate gemischt – über einen der beiden Kleinplakatanbieter. Dieser wurde damals von Stéphanie Balzer schriftlich verwarnt, sie drohte ihm im Wiederholungsfall gar mit einer Vollstreckungsverfügung oder dem Entzug der Plakatierlizenz. Balzer stützte sich damals primär auf Paragraph 7e der Basler Plakatverordnung von 2011, die "Werbung für sexuelle Dienstleistungen" auf öffentlichem Grund untersagt. Warum diese Vorschrift nun im Falle der Extasia nicht gelten soll, liess sie offen.

Doch zurück zur aktuellen Basler Plakatsubmission: In diesem Zusammenhang sind auch die Kleinplakate neu ausgeschrieben – und schon jetzt steht fest, dass hier eine Öffnung stattfinden wird: Gemäss Ausschreibung ist künftig auf den Kleinplakaten auch politische Werbung vor Wahlen und Abstimmungen zugelassen. Von Erotik- und anderen Messen ist allerdings weiterhin nichts zu lesen. knö
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