Internationale Recherche Tamedia-Titel beteiligt an "Paradise Papers"

Montag, 06. November 2017
So berichtete der "Tages-Anzeiger" heute über die einjährige Recherche zu den "Paradise-Papers".
So berichtete der "Tages-Anzeiger" heute über die einjährige Recherche zu den "Paradise-Papers".
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90 Medienhäusern weltweit haben Recherchen über heikle Geschäfte von Unternehmen in Hochrisikoländern und Steueroasen veröffentlicht. Darunter sind auch Berichte über Schweizer Unternehmen. Auf Schweizer Seite nahmen einige Tamedia-Titel an der einjährigen Recherche teil.
In der Schweiz waren die Titel "Tages-Anzeiger", "Der Bund", "SonntagsZeitung", "24heures", "Tribune de Genève" und "Le Matin Dimanche" in das Projekt involviert. Sie publizierten heute einige erste Berichte, weitere werden in der nächsten Zeit folgen. Die Artikel basieren auf einer Serie von Datenlecks, zusammengefasst unter dem Titel "Paradise Papers". Dabei handelt es sich um Dokumente der Kanzlei Appleby aus den Bermudas, des Trust-Anbieters Asiaciti und der Firmenregister von 19 Steueroasen. Die 13,4 Millionen Dokumente gelangten an die "Süddeutsche Zeitung", die sie mit über 90 Medienhäusern in 67 Ländern teilte. Organisiert wurde die Recherche vom International Consortium of investigative Journalists ICIJ in Washington, zu dem auch Journalisten von Tamedia gehören.

In der Schweiz arbeitete das Recherchedesk von "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" zusammen mit dem "Tages-Anzeiger" in den Daten. Die Arbeiten begannen vor einem Jahr, in den letzten Monaten recherchierten die Journalisten Vollzeit. Dabei recherchierten sie Hand in Hand mit Journalisten weltweit. Wichtige Partner der Tamedia-Titel waren die "Süddeutsche Zeitung", "The Guardian", BBC und die "New York Times". Recherchen aus der Schweiz unter anderem zu Angola, Kongo und Nigeria, finden ab heute Eingang in Artikel dieser Medien, teils von den Schweizer Journalisten gezeichnet.

Bereits im Vorfeld der Enthüllungen traten Betroffene an die Öffentlichkeit. Die Kanzlei Appleby verkündete vor zwei Wochen, sie hätten ein Datenleck wegen eines unbefugten Zugriffs. Das Journalistenkonsortiums machte keine Angaben über seine Quelle. Appleby zeigt sich überzeugt, keine Gesetze oder Regeln gebrochen zu haben.

Die Behörden der britischen Kanalinsel Isle of Man hielten vorletzte Woche eine Pressekonferenz ab, nachdem sie mit den Recherchen des Journalistenkonsortiums konfrontiert wurden. Sie kündigten an, ihre Steuerpraktiken beim Import von Privatjets zu überprüfen. Der Unternehmer Jean-Claude Bastos erklärte in der "Handelszeitung" vergangene Woche seine Geschäftspraktiken in Angola.

Im April 2016 veröffentlichte das Konsortium rund um das ICIJ bereits die Recherchen zu den "Panama Papers", einem Datenleck aus einer Kanzlei in Panama. Die Berichterstattung führte zu zahlreichen Strafverfahren weltweit und zum Rücktritt der Staatschefs von Island und Pakistan. Der Bundesrat reagierte nach dem Panama Papers-Skandal und verstärkt nun die Aufsicht über Anwälte und Treuhänder. In zahlreichen Skandalen aus den Panama Papers waren Schweizer Anwaltskanzleien verwickelt.

Die Teamarbeit für die Panama Papers wurde vergangenen April in New York mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Zu den prämierten Artikeln gehörte eine Recherche über die Geldflüsse aus dem Umfeld von Russlands Präsidenten, an der auch Tamedia-Journalisten beteiligt waren.
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