Gottlieb-Duttweiler-Institut Studie empfiehlt Unterstützung von Medien und Journalisten durch Firmen und Marken

Donnerstag, 09. November 2017
Das Cover zur GDI-Studie "Digital Corporate Publishing – Wer morgen über Ihre Firma spricht"
Das Cover zur GDI-Studie "Digital Corporate Publishing – Wer morgen über Ihre Firma spricht"
© zvg

Im Auftrag der Migros-Medien hat das Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) eine neue Medienstudie erarbeitet. Sie beschreibt, wie Firmen und Marken das Informationsmonopol über ihre Produkte zusehends verlieren. Und was das für Ihre Kommunikation heisst.

Im digitalen Zeitalter mit dem Vormarsch der sozialen Medien sind die Zeiten vorbei, in denen Firmen die alleinige Hoheit darüber haben, welche Informationen in welcher Form an die Konsumenten gelangen. In Zukunft müssen sie froh sein, wenn man ihnen überhaupt noch zuhört. Die neue GDI-Studie "Digital Corporate Publishing" beschreibt, warum das klassische Sender-Empfänger-Modell ausgedient hat und wie es einem ununterbrochenen Gespräch weicht, das von allen Akteuren beeinflusst und gestaltet wird.

Um den Unternehmen den neuen medialen Gegebenheiten besser anpassen zu können, haben die Studienautoren Jakub Samochowiec, Detlef Gürtler, Karin Stieger aus den Resultaten ihrer Untersuchung fünf Leitlinien erstellt. Demnach sind "Gespräche wichtiger als Botschaften". Es gehe nicht so sehr darum zu verkünden, sondern Teil der Konversation zu sein, schreiben sie. Die zweite Empfehlung lautet:"Vernetzung ist wichtiger als Content-Generierung". Anders gesagt: Nicht was eine Firma sagt, steht im Fokus, sondern mit wem sie "redet". Als dritten Punkt raten die Autoren, Information als Teil des Verkaufsangebots zu betrachten. Will heissen: Die Marken verkaufe nicht nur ein Produkt, sondern eine Geschichte dazu.

Der vierte Tipp: 
Die Unternehmen sollen dafür sorgen, dass der Kunde alles, was ihn interessiert, vom Unternehmen selbst erfährt. "Die Informationskonkurrenz dominieren", fassen die Autoren diesen Punkt zusammen. Schliesslich besteht da noch ein fünfter Rat: Es sei besser weniger Leute und diese dafür ihren Bedürfnissen entsprechend zu informieren als umgekehrt. In der Sprache der Autoren klingt das dann so: "Mehr Content für weniger Leute – gib dem Individuum, was es interessiert."

Aus diesen Grundsätzen ergäben sich vier mögliche strategische Positionierungen des Corporate Publishings, folgern die Autoren. Diese Positionierungen würden sich einerseits bezüglich Inhalt einer Publikation (Produktinformation vs. redaktionelle Inhalte), andererseits aus ihrem Ziel (Informieren vs. Verkaufen) unterscheiden. Eines der möglichen Szenarien nennen sie Corporate Service Public (redaktionelle Inhalte, Informieren). Demnach würden Firmen unabhängigen Journalismus fördern, um der Bevölkerung Informationen bereitzustellen – und sich als sozial verantwortungsbewusst zu positionieren. Möglich sei dies entweder durch angestellte Journalisten über eigene Kanäle oder durch die Förderung von unabhängigem Journalismus, ähnlich einer Kulturförderung (Bsp. Kulturprozent). "Den Medienhäusern böte sich so nebst staatlicher Unterstützung, spendierfreudigen Mäzenen und Querfinanzierung durch andere Angebote eine weitere Möglichkeit, Journalismus zu alimentieren", schreiben die Autoren.

Die Studie "Digital Corporate Publishing – Wer morgen über Ihre Firma spricht" ist hier kostenlos downloadbar. Und hier ist auch eine Zusammenfassung erhältlich.

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