Goldbach Group Das Loch im Bereich "Marketing Services" sollte nun gestopft sein

Mittwoch, 24. August 2016
Goldbach CEO Michi Frank informierte über die Verluste bei 2Marketing Services" – und wie man das Loch nun gestopft hat.
Goldbach CEO Michi Frank informierte über die Verluste bei 2Marketing Services" – und wie man das Loch nun gestopft hat.
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Der Bereich "Marketing Services", der bisher etwa 10 Prozent zum Umsatz und weniger als 0,1 Prozent zum Bruttogewinn der Goldbach Group beigetragen hatte, reisst derzeit ein tiefes Loch in die Rechnung des Vermarkters. Nun hat das Management das Ruder herumgerissen.
Wie bereits berichtet, hat die Goldbach Group im ersten Halbjahr 2016 ihren Umsatz und Reingewinn steigern können, letzteres vor allem durch den Verkauf der Geschäftsaktivitäten in Polen, was allein 1,9 Millionen Franken zum Gewinn von 3,7 Millionen Franken beitrug. Der Verkauf in Polen Anfang Jahr war quasi der letzte Schritt im Rahmen der längst begonnen Fokussierung auf den DACH-Raum. An der Telefonpressekonferenz von heute Morgen wurden dann noch weitere Details zum Geschäftsgang des Vermarkters bekannt gegeben – insbesondere zum Sorgenkind "Marketing Services". Hier ein paar interessante Punkte:

100 Mitarbeiter weniger bei "Marketing Services"

Anfangs August hatte die Goldbach Group bereits kommuniziert, dass sie den Geschäftsbereich Digital Presences in Biel, ein Teil von Goldbach Interactive (Switzerland) an die Computer Rock AG verkauft. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Digital Presences konzipiert unter anderem Websites und Apps. Dieser Verkauf steht in Zusammenhang mit dem Goldbachs Bereich "Marketing Services", der schon letztes Jahr 1,2 Millionen Franken Verlust geschrieben hat und nun im ersten Halbjahr 2016 mit einem Minus von 1,4 Millionen erneut rote Zahlen aufweist. Der Grund gemäss CEO Michi Frank: "Marketing Services" verlor anfangs Jahr mehrere grosse Aufträge, weil die Kunden die Dienstleistungen nun entweder selbst erledigen oder nach Indien oder Osteuropa vergeben. "Wir haben schon letztes Jahr bei 'Marketing Services' eine Umstrukturiereng vorgenommen, doch wir haben nicht damit gerechnet, dass die Budgetabwanderung so schnell geht." Mit dem Verkauf von Digital Presences habe man deshalb sofort reagiert. Im zweiten Halbjahr 2016 werden aber noch weitere Restrukturierungskosten anfallen, über deren Höhe jedoch nichts zu erfahren war. Fest steht aber: Mit den Massnahmen vom letzten und diesem Jahr wird sich der Personalbestand bei "Marketing Services" von gut 160 auf gut 60 Mitarbeitende reduzieren. Angeboten würden nur noch kampagnenbezogene Dienstleistungen, und zwar an den Standorten Wollishofen, Konstanz und Wien, sagte Frank. 2017 erwarte man im diesem Bereich wieder ein profitables Geschäft.

Auch in Deutschland, wo Goldbach seit zwei Jahren ein neues Standbein aufbaut, läuft es dem Vermarkter nicht ganz so rund wie erhofft. Hatte man noch im März den Break even für das zweite Halbjahr 2016 angekündigt, musste man nun auf die Frage eines Journalisten hin eingestehen, dass dies erst nächstes Jahr der Fall sein dürfte. "Dieses Ziel haben wir uns klar gesetzt – und glauben auch, dass dies möglich ist, und zwar berechnet auf der Basis unseres heutigen Portfolios", sagte Frank. Er bestätigte ferner, dass das Deutschland-Geschäft für den Break even rund 10 Millionen Franken Umsatz erreichen müsste. Im ersten Halbjahr 2016 wurden jedoch "nur" 3,5 Millionen Franken erwirtschaftet, wenn auch mit einer monatlich steigenden Tendenz, wie Frank betonte. Immerhin: Das Portfolio mit 86 Medienplattformen und 28 TV-Sendern lässt sich durchaus sehen, doch kommen die TV-Sender zusammen auf bloss 0,8 bis 1 Prozent Marktanteil. Man sei im Gespräch mit weiteren Sendern, auch mit solchen im mittleren Segment (0,5 bis 1,5 Prozent Marktanteil), sagte Frank. Konkreter wurde er nicht.

CMO-Position wird nicht neu besetzt

Erfolgreich ist Goldbach dagegen im Schweizer TV-Geschäft, wo die Gruppe nicht nur den Vermarktungsvertrag mit RTL mehrjährig verlängern, sondern auch das Portfolio mit weiteren Sendern ausbauen konnte. "Wir profitieren von der Fragmentierung des TV-Marktes", sagte der CEO. Frank bedauerte ausdrücklich das Aus von Joiz, das sich allerdings selbst vermarktet hatte. Im TV-Geschäft konnte der Umsatz um 8.9 Prozent gesteigert werden, im Radio-Bereich liegt der Umsatz hingegen rund 10 Prozent unter derselben Vorjahresperiode. Für den gesamten Bereich "Ad Sales Schweiz" resultiert ein Umsatzplus von 6,5 Prozent.

Wie schon früher verlautbart betreibt Goldbach ein "striktes Kostenmanagement". Dieses werde weiter geführt und wird nun auch auf Managementebene sehr konkret sichtbar. So teilte die Gruppe heute mit, dass Chief Marketing Officers (CMO) Klaus Nadler per Ende Jahr das Unternehmen verlässt. Nadler, der erst seit gut zwei Jahren bei Goldbach tätig ist, wolle sich neuen Herausforderungen stellen, stehe aber Goldbach beratend zur Seite, hiess es. Frank ergänzte an der Pressekonferenz, dass Goldbach aus Spargründen die CMO-Position nicht wieder besetzen, sondern dass er selbst diese Funktion mit übernehmen und auch für Deutschland zuständig sein werde. CFO Lukas Leuenberger ergänzte, er sei alles in allem mit der Entwicklung der Goldbach Group "zufrieden" und erwarte auch im zweiten Halbjahr 2016 eine insgesamt positive Entwicklung.
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