Goldbach-CFO Lukas Leuenberger "Wir profitieren von der Fragmentierung der Medienlandschaft"

Dienstag, 07. März 2017
Lukas Leuenberger, CFO der Goldbach Group: "Das klassische Display-Geschäft hingegen bleibt schwierig."
Lukas Leuenberger, CFO der Goldbach Group: "Das klassische Display-Geschäft hingegen bleibt schwierig."
© knö.

Noch sind nicht alle Geschäftsbereiche der Goldbach Group im schwarzen Bereich. Doch Goldbach Germany und Marketing Services dürften dieses Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Die Geschäftsleitung unter CEO Michi Frank zeigt sich jedenfalls zuversichtlich für die Zukunft – auch dank neuer Geschäftsfelder, die sie bearbeiten will.
Dass die Goldbach Group 2016 ihren Gesamtumsatz und Gewinn steigern konnte, hat HORIZONT Swiss schon berichtet. CFO Lukas Leuenberger bezeichnete das 2016 denn auch als "erfolgreiches Jahr". Die Tabelle verdeutlicht das noch einmal. Zwei Punkte gilt es hier allerdings speziell zu beachten: 1. "Ad Sales Österreich" hiess bisher "Ad Sales Übrige" und enthielt 2015 auch noch das polnische und Teile des adriatischen Geschäfts, die veräussert wurden. Weil letztere 2016 wegfielen, war der Umsatz rückläufig. Ad Sales Österreich für sich allein ist aber gegenüber 2015 um 4.3 Prozent gewachsen.

2. Der Gewinnanteil von RTL und ProSiebenSat.1 bezieht sich auf den Gewinn der Goldbach Media, an der die beiden deutschen TV-Gruppen über ihre Vermarktungstöchter fast die Hälfte halten. Sie schöpfen noch immer mehr Gewinn ab, als den Aktionären der Goldbach Group übrig bleibt.

Goldbach Group in Zahlen (in Mio Fr.)

20162015+/- in %
Nettoerlös Goldbach Group495.535470.263+5.4
- Nettoerlös Ad Sales gesamt467.161436.714+7.0
--- davon nur Ad Sales CH447.370414.184+8.0
--- davon nur Ad Sales D8.1623.057+167.0
--- davon nur Ad Sales A13.00219.960-34.9
- Nettoerlös Marketing Services29.74435.482-16.2
Betriebsergebnis29.56325.603+15.5
Gewinnanteil RTL + ProSiebenSat.1 (bei Goldbach Media)14.10112.688+11.1
Gewinnanteil Aktionäre Goldbach Group (bereinigt)7.4776.132+21.9
Quelle: (Goldbach Group)

Was die Tabelle nicht zeigt: Ad Sales Deutschland konnte zwar im zweiten Jahr seines Bestehens seinen Umsatz um 167 Prozent auf 8.2 Millionen Franken mehr als verdoppeln, das Engagement schrieb aber mit 1,2 Millionen Franken noch einen Verlust – allerdings fast dreimal weniger als 2015 (3,4 Millionen). 2017 soll der Break even definitiv erreicht werden, sagte Goldbach-CEO Michi Frank. "Wir mussten in Deutschland erst ein Bedürfnis schaffen. Das ist uns gelungen: Goldbach wird wahrgenommen und ist im deutschen Werbemarkt angekommen."
Goldbach-CEO Michi Frank
Goldbach-CEO Michi Frank (Bild: Goldbach)
Wobei etwas unklar blieb, wie sich das Portfolio in Deutschland entwickelt hat: Vor einem Jahr war von 28 TV-Sendern und 86 Plattformen die Rede, jetzt sprach Frank nur noch von gut 20 TV-Sendern und insgesamt rund 100 Partnern. Es gebe solche, die abspringen und andere, die hinzukommen, sagte er, ohne genauer zu werden.

Turnaround auch bei Marketing Services

Ein zweites Sorgenkind blieb im ganzen 2016 der Bereich Marketing Services, über das HORIZONT Swiss schon im August berichtet hatte. Marketing Services fuhr noch einmal einen Verlust von knapp 2 Millionen Franken ein (Vorjahr: 1,2 Millionen Franken). Wobei das Loch nur in der Schweiz zu stopfen war, in Deutschland und Österreich war dieser Bereich profitabel. Die Umstrukturierung in der Schweiz ist nun aber abgeschlossen, Goldbach hat sich vom ursprünglichen Vorhaben, auch bei der Entwicklung von Apps und e-Commerce tätig sein zu wollen, verabschiedet. Gemäss Frank stimmt die Richtung nun: In den ersten Monaten 2017 hab dieser Bereich erfreulich abgeschnitten. Mit rund 60 Mitarbeitenden (vorher 160) treibe man länderübergreifend die Geschäftsfelder Search, Perfomance Marketing und Social Media vorwärts und fokussiere allein auf kampagnenbezogene Dienstleistungen. "Die schmerzlichen Themen haben wir beendet und können nun zuversichtlich ins 2017 schauen", sagte Frank.

Goldbach schaffte ein Radiokunststück

Ein Blick noch auf die Umsatzentwicklung nach Mediengattungen: Goldbach erwirtschaftete über 70 Prozent der Umsätze mit TV-Werbung (368 Millionen Franken). Dieses für Goldbach wichtigste Geschäft wuchs um 8.7 Prozent. In der Schweiz allein weist Goldbach im TV ein deutliches Plus von 8,2 Prozent aus, wobei zwei Drittel dieses Wachstums auf die neuen Sender im Portfolio /Eurosport, TV25, TLC) zurück zu führen seien, wie CFO Lukas Leuenberger ausführte. "Wir profitieren also von der Fragmentierung der Medienlandschaft", folgerte er. Doch auch die bestehenden Sender seien um knapp 3 Prozent gewachsen. In Deutschland und Österreich, wo Goldbach im TV-Bereich bloss ein Nischenplayer ist, konnte Goldbach im zwei- und sogar dreistelligen Prozentbereich zulegen.

Knapp 10 Prozent der Vermarktungsumsätze oder 42 Mio Fr. erzielt die Gruppe durch die Vermittlung von Radiowerbung in der Schweiz. Hier legte Goldbach ein besonders erstaunliches Resultat vor: Lag der Umsatz vor einem halben Jahr gegenüber den Rekordwerten von 2015 noch 10 Prozent zurück, so konnte dieser Rückstand im zweiten Semester aufgeholt und schliesslich sogar noch um ein Prozent gegenüber Vorjahr übertroffen werden. Stark gewachsen ist vor allem die Vermarktung von Spotify und anderer Audioplattformen, sie legten um 40 Prozent zu – allerdings auf tiefem Niveau: Ihr Umsatzanteil bei Radio macht derzeit noch wenige Prozente aus.

Display-Markt schwächelt, Video und Mobile wachsen

Rund 57 Millionen Franken oder fast 12 Prozent erzielt Goldbach im Internet, mit  Video, Display und Mobile. Gemäss Leuenberger zeigte das Onlinegeschäft nach einem rückläufigen 2015 wieder eine positive Entwicklung - dank der starken Positionierung im Bereich Onlinevideo, wo Goldbach die Vermarktungsmandate der WebTVs Teleboy und Zattoo gewonnen hat. Die neue Kooperation mit Tamedia soll hier noch zusätzlichen Schub bringen. "Das klassische Display-Geschäft hingegen bleibt schwierig", sagte Leuenberger. Dieser Markt wachse nicht mehr, der Wettbewerb intensiviere sich und die Budgets wanderten vermehrt zu globalen Playern ab. Besser sieht es bei der Mobile-Werbung aus, wo immerhin ein Wachstum um knapp 40 Prozent auf 7,2 Millionen Franken drin lag. Im Bereich DOOH, eigentlich ein Feld, in dem Goldbach ausbauen und zulegen will, ging der Umsatz um 20 Prozent auf 4,8 Millionen Franken zurück.

Fünf neue Aktivitäten in Blickfeld

Frank skizzierte ferner fünf neue Geschäftsfelder, in denen die Goldbach Group entweder seit kurzem aktiv ist oder in Zukunft aktiv werden möchte – jeweils im gesamten DACH-Raum: Zwei davon sind die Verbindung von TV-und Mobile-Werbung unter dem Produktnamen SynchScreen, ein anderes ist DOOH. Über Beide hat HORIZONT Swiss schon separat berichtet. Ein weiteres zukunftsträchtiges Gebiet sieht Goldbach in der programmatischen Radiowerbung. "Programmatic Radio ist die Zukunft – neben Radio als normales Reichweitenmedium", sagte Frank. Bis es allerdings so weit ist, geht es noch rund zwei Jahre. Goldbach selbst dürfte zwar bis Ende 2017 in der Lage sein, bei "seinen" 25 Schweizer Radios die Werbung programmatisch einzubuchen. Bis dies aber auch den Agenturen möglich sein und auch ein entsprechendes Planungstool bereit stehen wird, dauert es noch bis Ende 2018.

Admeira war diesmal kein Thema

An der gestrigen Pressekonferenz der Goldbach Group fiel vor allem eines auf: Die Werbeallianz Admeira wurde mit keinem Wort erwähnt. Erst als CEO Michi Frank von einem Journalisten direkt darauf angesprochen wurde, ging er auf das Thema ein: Man habe weiterhin Respekt, schaue aber primär auf die eigenen Tätigkeiten und Projekte, sagte er. Politisch hingegen vertrete man noch immer dieselbe Meinung: Goldbach verlange punkto Daten des Bundesbetriebs Swisscom denselben Zugang für alle Marktteilnehmer, unabhängig, ob sie Aktionär oder Partner von Admeira sind oder nicht. "Wir wollen gleichlange Spiesse für alle", sagte er.

Vor einem Jahr war das anders: An der Pressekonferenz zur Bilanz 2015 sprach Frank das Thema Admeira mehrmals von sich aus an und redete sich jeweils in Rage. Dieser Zorn scheint nun einer gewissen Gelassenheit gewichen zu sein.
Ein weiteres Feld ist die so genannte 
Crossfactory – das zentrale Bereitstellen und Buchen von kurzfristig verfügbarem digitalem Inventar, und zwar medienübergreifend. Schliesslich will Goldbach auf SmartTVs setzen genauer auf Apps, die beim Einschalten wie auf einem PC-Bildschirm erscheinen. Über diese Apps erhofft sich Goldbach den Zugang in die Stuben. wie genau, liess Frank offen. "Hier geht eine ganz neue Dimension auf", sagte er. knö








Meist gelesen
stats