Genf Initiative gegen Werbung auf öffentlichem Grund steht, KS/CS wehrt sich dagegen

Freitag, 10. November 2017
Die von Kommunikation Schweiz organisierte Prüfung zur Eidg. Berufsprüfung für Kommunikationsplanerin / Kommunikationsplaner 2017 war wieder stärker nachgefragt.
Die von Kommunikation Schweiz organisierte Prüfung zur Eidg. Berufsprüfung für Kommunikationsplanerin / Kommunikationsplaner 2017 war wieder stärker nachgefragt.

In Genf ist die kommunale Initiative "Genève zéro pub" zustande gekommen. Das teilt Kommunikation Schweiz KS/CS mit.  Gleichzeitig wehrt sich der Verband dagegen, dass auf öffentlichem Grund keine kommerzielle Werbung mehr platziert werden darf.
Die kommunale Initiative "Genève zéro pub", die mit den benötigten 4000 Unterschriften zustande gekommen ist, will in der Stadt Genf die kommerzielle Werbung auf öffentlichem Grund verbieten. Genau genommen hält die Inititiave allerdings nicht, was sie verspricht: "Null Werbung" in Genf ist nur schon darum nicht möglich, weil von der Initiative gerade einmal rund 10 Prozent der insgesamt 3000 Genfer Plakatstellen betroffen wären. Zum einen, weil Plakate, die für kulturelle, sportliche oder soziale Anlässe werben, von der Initiative gar nicht betroffen wären, zum andern, weil viele Flächen auf privatem Grund stehen und von einem allfälligen Verbot ebenfalls nicht tangiert wären. Kommunikation Schweiz KS/CS, der Dachverband der Kommunikationsbranche, hält deshalb in einer Mitteilung fest, dass er sich gegen die Initiative zu wehr setzen wird. Aus den oben genannten Gründen werde der gewünschte Effekt ohnehin "wirkungslos verpuffen", schreibt er. Zudem richtet sich das Volksbegheren ganz direkt gegen die verfassungsmässig verbriefte Wirtschafts- und Werbefreiheit. Zudem hät er  die Argumente der Initianten für fadenscheinig. So soll die Mobilität insbesondere von handicapierten Menschen verbessert werden: Doch gemäss KS/CS sind jene Plakate auf Gehsteigen ausgerechnet solche, die für Kultur, Sport und Soziales werben und somit von der Intiative gar nicht betroffen wären.

Über Kommunikation Schweiz

KS/CS ist 1925 als erster Verband der Werbewirtschaft gegründet worden. Er vertritt die Interessen der Werbeauftraggeber, der Werbe-, Direct-Marketing- und Mediaagenturen sowie der privaten wie öffentlich-rechtlichen Medienanbieter in allen wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Fragen der kommerziellen Kommunikation. KS/CS Kommunikation Schweiz repräsentiert gemäss einer Studie aus dem Jahr 2012 eine Branche mit einem Jahresumsatz von rund 7.3 Milliarden Franken und annähernd 22.000 Voll­zeitstellen. Gemeinsam tragen diese gut 1.3 Prozent zum jährlichen Brutto­inland­produkt (BIP) sowie zum Wachstum vieler andere Wirtschaftszweige bei.
Ein anderes Argument ziele darauf ab, die urbane Qualität zu erhöhen, schreibt KS/CS weiter. Damit befinden sich die Initianten gemäss einer Studie, die das Forschungsinstitut Infofact diesen Sommer im Auftrag der Plakatgesellschaft APG durchgeführt hat, allerdings in der Minderheit: satte 81 Prozent der Befragten bezeichneten darin die Plakatwerbung als sympathisch oder sehr sympathisch.

Finanzielle Folgen werden ausgeblendet

KS/CS wehrt sich auch dagegen, dass die kommerzielle Kommunikation immer wieder als Sündenbock benutzt wird für soziale und politische Anliegen, "die nur in einem offenen Diskurs ohne Scheuklappen gelöst werden können". Umso mehr als die Initianten von neuen Werbeverboten oftmals die finanziellen Implikationen ausblenden. Im Falle von "Genève zéro pub" sind das Einnahmeausfälle der Stadt Genf, aber auch der betroffenen Plakatgesellschaften wie der Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleis­tungen nur noch beschränkt bewerben können. KS/CS, der gesamtschweizerische Dach­verband der kommerziellen Kommunikation, lehnt die Initiative deshalb entschieden ab.

Aussenwerbefirmen verhindern Mehreinnahmen

Umgekehrt blendet aber auch KS/CS einen Umstand aus, der in Genf ein wichtiges Argument für die Initiative darstellen könnte: In den letzten rund zehn Jahren kam es in Genf wegen der Vergabe der Konzession für Plakat auf öffentlichem Grund immer wieder, ja jedes Mal, zu jahrelangen Rechtshändeln zwischen der unterlegenen Plakatfirma und der Stadt. Das verursachte der Stadt nicht nur hohe Kosten, sondern führte auch zu Einnahmenausfällen – weil der alte Vertrag mit tieferer Abgabe jeweils so lange verlängert werden musste, bis der neue Vertrag mit höherer Abgabe in Kraft treten konnte. Auch aktuell läuft ein rechtliches Verfahren, das die APG angestrengt hat: Sie kann sich nicht damit abfinden, dass der Stadtvertrag an Neo Advertising (möglicherweise bald Tamedia) vergeben worden war. Die betreffenden Aussenwerbeunternehmen, die Mitglied von KS/CS sind, müssen sich also auch selber bei der Nase nehmen. 
pd/knö

Meist gelesen
stats