Erste Amtshandlung: Neuer Verlegerpräsident Pietro Supino lehnt SRG als Mitglied ab

Freitag, 23. September 2016
Panel der Medienchefs: (von links): Marc Walder (Ringier), Pietro Supino (Tamedia), Moderator Patrick Müller, Roger De Weck (SRG), Veit Dengler (NZZ)
Panel der Medienchefs: (von links): Marc Walder (Ringier), Pietro Supino (Tamedia), Moderator Patrick Müller, Roger De Weck (SRG), Veit Dengler (NZZ)
© knö.

Über das Angebot der SRG, dem Verband Schweizer Medien (VSM) unter bestimmten Voraussetzungen beizutreten, zeigte sich der frisch gewählte Verlegerpräsident Pietro Supino am Swiss Media Forum "beunruhigt". An einer Kooperation mit Admeira bei einer gemeinsamen Datamanagementplattform zeigte er sich hingegen interessiert.

Er glaube zwar, dass die Idee Roger De Wecks, als SRG unter bestimmten Bedingungen dem VSM beizutreten, ehrlich gemeint sei. "Aber sein Angebot beunruhigt mich, weil er damit zeigt, dass er das eigentliche Problem nicht erkennt", nämlich, dass der VSM sich für die Unabhängigkeit der Medien einsetze, für eine indirekte staatliche Presseförderung und gegen eine Marktverzerrung. Das vertrage sich nicht mit der SRG, die mehr Gebühren erhalte als die grossen Medienhäuser Umsatz ausweisen. Wohl brauche es eine Form der Koexistenz, "aber wir haben nicht dieselbe Interessenlage." Wohl gebe es Gemeinsamkeiten, etwa bei Ausbildungs- oder Forschungsfragen. "Aber im Kern haben wir andere Anliegen."

Zu unterschiedliche Positionen

Zuvor hatte SRG-Generaldirekor Roger De Weck wiederholt, was er schon an der Service public-Konferenz anfangs September gesagt hatte: "Wenn der VSM tatsächlich gemeinsam die digitale Zukunft gestalten will, dann könnte die SRG ihm schon morgen beitreten", vorausgesetzt sie erhalte auch Einsitz im Präsidium. Umgekehrt hatte Ringier-CEO Marc Walder auf die Frage von Moderator Patrik Müller, Chefredaktor der Schweiz am Sonntag, erneut bekräftigt, dass für ihn eine Versöhnung mit dem VSM kein Thema sei. Und er erklärte die Gründe für seinen Austritt vor einem Jahr: Als er im VSM-Präsidium die Idee von Admeira präsentierte und für ein Mitwirken plädierte, habe sich der Verband stattdessen für die Konfrontation entschieden. Zum zweiten, so Walder, beurteile Ringier die Rolle der SRG in vielen Punkten anders als der VSM. "An dieser fundamental unterschiedlichen Positionen hat sich nichts geändert." Im Gegenteil – in den letzten zwölf Monaten habe der VSM bloss zwei Themen vertreten: Admeira und die SRG zu bekämpfen. "Also ist es fair zu sagen, dass man nicht wieder beitritt." De Weck und Walder begründeten ihr Mitmachen bei Admeira mit dem Hinweis, dass ausländische Giganten wie Google und Facebook zwei Drittel der Schweizer Investitionen in Digitalwerbung abzögen – ohne eigenen Content, bloss weil sie Daten hätten. Bei Admeira gehe es nun darum, dem mit möglichst gutem Inventar und möglichst präzisen Daten etwas entgegen zu stellen, "damit der Werbemarkt jene Menschen zielgenau erreichen kann, die er will". Beide betonten zudem, dass das Aktionariat von Admeira offen sei für weitere Interessenten. "Admeira war nie ein geschlossener Club", sagte Walder. Entsprechende Gespräche mit einzelnen VSM-Mitglieder seien am Laufen.

Ein Drittel der nzz.ch-Nutzer sind Deutsche

Einer dieser möglichen Kandidaten könnte auch die NZZ-Mediengruppe sein, zumindest in Zukunft. Deren CEO Veit Dengler wollte jedenfalls auf die Frage von Patrik Müller nicht ausschliessen, dass die NZZ sich – je nach Entwicklung und Marktsituation – dereinst Admeira anschliessen könnte, auch wenn er eine Schweizer Plattform, die das Schweizer Business verbinde, für "eine Illusion" halte. Statt in nationalen Grenzen sollte man in internationalen Kategorien denken. Wie die die NZZ, die nicht mehr auf Zürich oder die Schweiz fokussiere, sondern auf den gesamten DACH-Raum. "Die NZZ hat mittlerweile auf Facebook mehr Follower aus Deutschland als aus der Schweiz. Und ein Drittel unseres Traffics auf nzz.ch kommt mittlerweile aus Deutschland", sagte Dengler. Mit der Diskussion über die "Lügenpresse" habe das noch zugenommen.

Übrigens gab auch Supino zu, mit Admeira zu verhandeln. Bei der Allianz gehe es um drei Themen, sagte er: Zum einen um den Versuch der SRG, durch die Hintertür neue Möglichkeiten der Kommerzialiserung zu finden. Zweitens sei Admeira eine Vermarktungsallianz und drittens eine Datamanagementplattform, die aber noch gar nicht existiere. "Das Spannendste an Admeira ist diese Datenplattform", sagte Supino. Käme man in diesem Punkt zu einer Lösung, könnte sie tatsächlich den Medianstandort Schweiz stärken. "Wir können uns eine Kooperation vorstellen, falls die Plattform wirklich offen für alle gestaltet und eher als Verein als mit Gewinnabsichten geführt wird." Auch dürfe es nicht um Strukturerhaltung gehen, sondern um einen echten "user centric approach".

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