Aussenwerbung Tamedia überrascht dreifach

Dienstag, 29. August 2017
Mit der Beteiligung an NeoAdvertising tritt Tamedia nicht nur in den Aussenrwerbemarkt ein, sondern setzt auch drei ganz neue Signale.
Mit der Beteiligung an NeoAdvertising tritt Tamedia nicht nur in den Aussenrwerbemarkt ein, sondern setzt auch drei ganz neue Signale.
© zvg

Heute Dienstag publiziert Tamedia seine Halbjahreszahlen. Grund genug, sich nochmals daran zu erinnern, dass der Konzern erst kürzlich beschlossen hat, sich in die Aussenwerbung einzukaufen. Ein Schritt, der in seiner Forschheit gleich dreifach überrascht, obwohl die Absicht nicht unbekannt war.

Als die SBB im Frühjahr 2017 ihre Flächen für Fremdwerbung an Bahnhöfen sowie in und an Zügen öffentlich ausschrieben – die grösste je erfolgte Werbeausschreibung in der Schweiz – wurde allgemein erwartet, dass neben APG und Clear Channel Schweiz (CCS) auch andere, neue Player offerieren könnten. Zunächst dachte man an ausländische Giganten wie Ströer. Weil aber in der acht Lose umfassenden Ausschreibung auch digitale Flächen sowie das Onlineinventar der SBB zur Debatte standen, kamen auch nationale DOOH- und Online-Vermarkter in Betracht – etwa die Goldbach Group oder Admeira, die Allmedia-Vermarkterin von SRG, Swisscom und Ringier, aber auch Tamedia, das sein konzernweites Inventar seit anfangs Jahr via die zentrale Vermarktungsorganisation Tamedia Advertising aus einer Hand anbietet. Die drei Schweizer Unternehmen bekannten denn auch im Frühjahr auf Anfrage von HORIZONT Swiss, dass sie entsprechende Offerten bei den SBB prüfen würden.

Grundsätzlich interessiert – auch an analogen Plakaten und Drittvermarktung

Als dann am 14. Juli Tamedia tatsächlich ihren Eintritt in den Schweizer Aussenwerbemarkt bekanntgab, war dies deshalb nicht mehr erstaunlich. Und doch enthält die Ankündigung drei überraschende Elemente. Da ist zum einen die Tatsache, dass der Eintritt nicht nur über eine Offerte an die SBB, sondern gleich über eine Mehrheitsbeteiligung an der kleinen Genfer Aussenwerbefirma Neo Advertising erfolgen soll. Damit macht Tamedia klar, dass sie künftig in diesem Werbebereich mitspielen will, unabhängig davon, ob der Konzern nun bei den SBB zum Zug käme oder nicht. Da Neo Advertising zudem in der analogen, also geklebten Plakatwerbung tätig ist, demonstriert Tamedia zweitens ein Interesse, das über die Digitalwerbung der SBB hinausgeht. Und drittens zeigt sich Tamedia neu offen dafür, künftig nicht mehr nur eigenes, sondern auch fremdes Werbeinventar (hier jenes der SBB) zu vermarkten – etwas, das Tamedia bisher ablehnte.

Die offizielle Begründung für das Ansinnen, das Vermarktungsangebot von Tamedia Advertising um Aussenwerbung zu erweitern, las sich in der Medienmitteilung vom 14. Juli allerdings wie folgt: "Durch die Kombination von Print- und Online-Werbung mit Plakat- und digitaler Aussenwerbung sollen Werbekunden von neuen Angeboten profitieren und medien- und plattformübergreifende Kampagnen einfacher buchen können."

Möglicherweise marktbeherrschend in Genf

Noch ist der Einstieg in den Aussenwerbemrkt noch nicht definitiv. Denn die Übernahme von Neo Advertising bedarf noch des Okays der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko). Dieses ist allerdings zu erwarten, vermarktet doch Neo Advertising aktuell "bloss" etwa 12.000 digitale und analoge Plakatflächen (siehe Kasten). Demgegenüber kommt CCS auf 22.000 und die APG auf 55.000 Stellen.

Das Portfolio von Neo Advertising

Die 2003 gegründete, inhabergeführte Genfer Firma ist spezialisiert auf DOOH, etwa in schweizweit 55 Einkaufszentren, 260 Tankstellen-Shops und mehreren Business Zentern. Seit die Firma 2015 die Ausschreibung des Genfer Flughafens (ca. 550 Plakatstellen) gewinnen konnte, vermarktet sie auch analoge Plakatflächen. Dieses Jahr kamen zudem 3700 Stellen auf öffentlichem Grund der Stadt Genf dazu. Ab 2018 kommen ferner noch 237 von rund 1800 analogen Flächen auf öffentlichem Grund der Stadt Zürich dazu.
Allerdings sind Weko-Auflagen für den Raum Genf nicht auszuschliessen: Zwar hat die APG in Genf nach wie Flächen auf privatem Grund, und im Radio- und TV-Bereich ist Tamedia nicht aktiv. Aber mit dem Plakatportfolio von Neo Advertising, der Gratiszeitung "20 Minutes", der Tageszeitung "Tribune de Genève" und dem Gratisanzeiger "GHI" (samt ihren Onlineportalen) käme Tamedia im dortigen Werbemarkt doch zu einer ziemlich starken, wenn nicht gar marktbeherrschenden Position. knö

HORIZONT Newsletter Swiss Newsline

täglich um 17 Uhr die Top-News über den Schweizer Werbemarkt

 


Meist gelesen
stats