Aussenwerbung Plakative Liebeserklärung an BASF-Mitarbeiterin?

Donnerstag, 05. Oktober 2017
Öffentliche Liebeserklärung ohne Absender.
Öffentliche Liebeserklärung ohne Absender.
© knö.

In Basel hat jemand bei der APG eine einzige Plakatfläche gebucht – und darauf eine Liebeserklärung an eine Frau namens "Debby" veröffentlicht. Wer der Kunde ist, sagt die APG nicht. Und die Angebetene? Sie könnte in einem nahegelegenen BASF-Büro arbeiten, von wo das Plakat gut zu sehen ist.

Seit Kurzem hängt an einer Litfasssäule an der Basler Dreirosenkreuzung im Kleinbasel ein knalliges, weithin lesbares F4-Plakat mit der Aufschrift: "Debby – Ich Gib Di Nid uf... Ich vermiss Di!" Weiss auf rotem Grund. Mit weissem Rahmen. Das ist alles.

(Bild: knö.)
Doch um was geht's da? Handelt es sich um eine Teaserkampagne? Oder um eine Eigenwerbung der APG? Schliesslich hängt das Plakat an einer Litfasssäule, die von der APG bewirtschaftet wird. Das Problem nur: Für Beides ist das Plakat zu einsam und zu versteckt. Eine Anfrage bei der APG erhellt die Sache etwas: "Das 'I vermisse di'-Plakat ist sicher keine Eigenwerbung der APG|SGA", schreibt APG-Sprecherin Nadja Mühlemann. Und weiter: "Es ist das einzige Sujet und wurde von einer Privatperson für eine Woche gebucht." Mehr zur Person darf sie aus Datenschutzgründen nicht sagen. Aber sie ergänzt noch: "Das Plakat an diesem Standort gibts für rund 50 Franken pro Woche. Solche Einzelflächen werden von den Kunden häufig via den APG-Service www.posterdirect.ch online gebucht."

Somit handelt es sich also doch um eine öffentliche Liebeserklärung. Allerdings ist sie schlecht zu sehen. Denn das Plakat hängt von der Kreuzung, den Autos, Trams und Fussgängern aus unsichtbar auf jener Seite der Litfasssäule, die nur dem BASF-Gebäude zugewandt ist. Ausser ein paar Velofahrern, die auf dem Radweg die Dreirosenbrücke Richtung St. Johann hoch fahren, sieht niemand die Botschaft.

Jemand, der von Werbung etwas versteht

Oder fast niemand. Ausser natürlich den BASF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die auf jener Seite des BASF-Gebäudes Klybeck arbeiten, die der Kreuzung zugewandt ist: Sie haben sozusagen den ganzen Tag direkten und freien Blick aufs Plakat. Könnte es also sein, dass die Botschaft an eine BASF-Mitarbeiterin gerichtet ist? HORIZONT Swiss fragte deshalb bei der BASF-Medienstelle nach, ob im BASF-Gebäude tatsächlich eine Debby oder Deborah arbeite. Das scheint aber nicht der Fall zu sein: "Eine Debby oder Deborah ist nach meinen Recherchen bei BASF im Klybeck nicht beschäftigt", beschied BASF-Sprecher Franz Kuntz.

Doch das Plakat sagt nicht nur etwas über die Adressatin aus, sondern auch über den Auftraggeber. Dem Inhalt der Botschaft nach zu schliessen hat er von "Debby" einen ersten Korb erhalten. Doch er bleibt hartnäckig. Etwas eigenwillig und wenig stringent mutet aber seine Gross- und Kleinschreibung an. Positiv ausgedrückt: Sie ist kreativ und unorthodox, aber nicht dudengemäss. Ob damit auf den Charakter oder gar die Schulbildung des "Debby"-Verehrers geschlossen werden kann? Umgekehrt scheint er von Signalfarben, Grafik und Werbung mehr zu verstehen als mancher Werber. Wie dem auch sei: Hoffen wir, dass Beide glücklich werden.

Ein weiteres singuläres, aber cleveres Werbeplakat

Aber wenn wir schon beim Thema Einzelplakate sind: In diesem Sommer fiel – ebenfalls im Kleinbasel – noch ein anderes singuläres Plakat durch eine kreative Idee auf: An der stark befahrenen Feldbergstrasse renovierte ein Immobilienbesitzer einen etwas versteckten, zurückgesetzten Laden.
Ebenfalls ein Einzelplakat aus dem Kleinbasel: Ein findiger Vermieter nutzte in diesem Sommer eine APG-Plakatfläche am Nachbarhaus, um auf sein freies Ladenlokal aufmerksam zu machen.
Ebenfalls ein Einzelplakat aus dem Kleinbasel: Ein findiger Vermieter nutzte in diesem Sommer eine APG-Plakatfläche am Nachbarhaus, um auf sein freies Ladenlokal aufmerksam zu machen. (Bild: knö.)
Die Bauarbeiten waren noch im Gang, da kam der zuständige Bewirtschafter auf die Idee, eine einzelne APG-Plakatfläche am Nachbarhaus während Wochen als "Immobilieninserat" zu nutzen. Parallel dazu schaltete man auch Anzeigen im Internet, wie eine Dame der Immobilienfirma Adimmo auf Anfrage erklärte. Der Erfolg war durchzogen. Anfragen von Interessenten gab es zwar, zu einer Neuvermietung kam es aber bislang nicht. 
knö

 

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