Aussenwerbung Basel beendet das APG-Monopol

Mittwoch, 01. Februar 2017
Auch diese Litfasssäule vor dem Basler Rathaus war Teil der Ausschreibung. Sie wird weiterhin von der APG bewirtschaftet. Doch auch Clear Channel Schweiz erhält neu – ausschliesslich digitale – Flächen.
Auch diese Litfasssäule vor dem Basler Rathaus war Teil der Ausschreibung. Sie wird weiterhin von der APG bewirtschaftet. Doch auch Clear Channel Schweiz erhält neu – ausschliesslich digitale – Flächen.
© knö.

Am Rheinknie sind die Würfel in Sachen Aussenwerbung gefallen: Im Rahmen der Plakat-Ausschreibung vom letzten Herbst wurden sieben von elf Losen der APG zugesprochen, zwei Lose gingen an Clear Channel Schweiz (CCS) und zwei Lose für Kleinplakate an die bisherigen Anbieter. Bei den Plakaten auf öffentlichem Grund ist damit ab 2018 das langjährige APG-Monopol gebrochen. Basel fliessen dank der neuen Verträge jährlich rund 9 Millionen Franken Konzessionsabgaben zu.
Knapp vier Monate nach Ausschreibungsbeginn ist die Sache nun entschieden: "Für die neun Lose mit den Grossplakaten haben sich fünf Anbieter beworben. Zwei von ihnen, APG und CCS, werden sich ab 1. Januar 2018 die Plakatflächen im öffentlichen Raum teilen: Die APG erhält sieben Lose zugesprochen, CCS zwei", sagt Niklaus Hofmann, Leiter Allmendverwaltung im Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) gegenüber HORIZONT Swiss. Bei den Kleinplakaten kommen wie bisher die beiden Firmen Kulturbox GmbH und Kulturservice S.E.A. GmbH zum Zug, dort gingen keine weiteren Offerten ein. Welche drei Anbieter bei den Grossplakaten leer ausgingen, will Hofmann nicht sagen. Bekannt ist einzig, dass sich auch die Firma Neo Advertising, die seit Anfang Jahr die Plakate in Genf bewirtschaftet, mit Offerten beteiligt hatte.

Clear Channel erhält ausschliesslich digitale Flächen

Die beiden Lose, die an CCS gehen, beinhalten zum einen sechs so genannte Rollingstars, bei denen die Sujets alle 20 Sekunden wechseln (Format F200LR). Das BVD verlangt, dass diese Rollingstars per 1. Januar 2018 in digitale Werbeflächen mit 72"-Bildscirmen umgebaut werden, von denen CCS beispielswiese in Zürich deren acht betreibt. Bei digitalen Flächen erfolgt der Sujetwechsel in der Regel alle 10 Sekunden, und es sind auf maximal 20% der Fläche leichte Animationen möglich. Beim zweiten Los, das an CCS geht, handelt es sich um 37 Flächen des Formats F200L, auf dem Parkleitsystems der Stadt.
„Alle Losentscheide können fundiert begründet werden“
Niklaus Hofmann, Leiter der Basler Allmendverwaltung.
Bei allen andern knapp 1900 Grossplakate – seien es die 1600 geklebten F4-, F12-, F24- oder F200-Flächen oder die 274 hinterleuchteten Flächen an Stelen oder in Wartehallen der Basler Verkehrsbetriebe BVB (F200L) – "hat die APG ein besseres Gesamtangebot gemacht", sagt Hofmann. Dasselbe gilt für temporäre Flächen an Baustellenwänden. Dabei hat auch die APG die Möglichkeit, 22 der 253 BVB-Flächen in die begehrten digitalen Flächen umzuwandeln. Zudem erhält sie aufgrund des eingegebenen Konzeptes ein Los mit maximal neun noch nicht bestehenden Leuchtdrehsäulen (F400), für die aber ein Baubewilligungensverfahren nötig sein wird.
Herr über 4.500 Plakatflächen: Niklaus Hofmann, Leiter der Basler Allmendverwaltung.
Herr über 4.500 Plakatflächen: Niklaus Hofmann, Leiter der Basler Allmendverwaltung. (© zvg.)
Gemäss Hofmann erfolgte der Zuschlag an APG und CCS bei den meisten Losen aufgrund der gebotenen Abgabe. Dieser wurde mit 60 Prozent gewichtet. Weitere Kriterien waren Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (20 Prozent), Erfahrung (10 Prozent) und Prozesssicherung (10 Prozent). "Nur bei einem Los haben die Nachhaltigkeitskriterien den Ausschlag gegeben, obwohl das preisliche Angebot etwas schwächer war", sagt der Leiter der Basler Allmendverwaltung.

Die Abgabe erhöht sich um gut 200 Prozent

Der Gesamterlös, den die Stadt dank der Plakatausschreibung künftig erwirtschaftet, beträgt ab 2018 rund 9 Millionen Franken pro Jahr, gut dreimal mehr als bisher. Wobei hier die Abgaben für die Kleinplakate, für die Baustellenflächen und für die künftigen Leuchtdrehsäulen noch nicht eingerechnet sind. "Wir sind erfreut über diese Ertragssteigerung", sagt Hofmann. Er sei von keinen konkreten Erwartungen ausgegangen, rechnete jedoch aufgrund der Erfahrungen der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) und der Stadt Luzern "mit einer Steigerung". Neben der Wettbewerbssituation waren die Gründe für das bessere Ergebnis das gössere Ausschreibungsvolumen in mehreren Losen und neue Werbemittel, sagt Hofmann.
Auch diese betonierte Litfasssäule der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) bleibt in der Verantwortung der APG. Zum Glück, sonst hätte die Inschrift wohl abgeschliffen werden müssen.
Auch diese betonierte Litfasssäule der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) bleibt in der Verantwortung der APG. Zum Glück, sonst hätte die Inschrift wohl abgeschliffen werden müssen. (© knö.)
Noch aber ist der Vergabeentscheid nicht definitiv. Die fünf Anbieter können ihn anfechten. Das ist nicht nur eine theoretische Möglichkeit, aktuell sind in der Schweiz zwei Verfahren hängig: In Genf rekurrierte die APG im Dezember gegen den Zuschlag an Neo Advertising, in Lausanne ging CCS gegen die Vergabe an die APG vor und hat ihre Beschwerde bis vor Bundesgericht weitergezogen. "Wir hoffen dennoch, dass alle mit der Vergabe einverstanden sind, umso mehr, als die meisten Zuschläge klar über den Preis entschieden wurden", sagt Hofmann. Und er gibt zu bedenken: "Immerhin konnten wir das bisherige Monopol aufbrechen."

Hoffen auf eine Krone

Noch aus einem weiteren Grund geht er von einem "kleinen Prozessrisiko" aus: Das BVD stellt bereits weitere Ausschreibungen in Aussicht: In Basel gibt es etwa 20 bis 30 Grossflächen der Formate F12 und F24 an privaten Hauswänden, die in die Allmend hineinragen. Diese will das BVD auch anbieten, sobald dort die teils noch geltenden Verträge abgelaufen sind. Dieses Jahr entscheidet sich ferner, was mit den rund 30 Telecabs der Swisscom geschieht. Je nachdem werden sie von der Stadt übernommen, weshalb dann für deren hinterleuchteten Werbeflächen noch eine weitere Ausschreibung nötig würde. In Diskussion sind des weiteren Plakatflächen in Gartenbädern, Sportanlagen und Parkhäusern (hier ist die Rechtslage allerdings noch ungeklärt). "So oder so, wir nehmen es wie es kommt. Alle Losentscheide können fundiert begründet werden", sagt Hofmann gelassen. "Aber", fügt er an, "es würde dem Ganzen schon die Krone aufsetzen, wenn der Vergabeentscheid ohne Rekurs durchgehen würde."
„Immerhin konnten wir das bisherige Monopol aufbrechen.“
Niklaus Hofmann, Leiter der Basler Allmendverwaltung.
Für Hofmann und sein Team war die Ausschreibung eine erstmalige Erfahrung, denn die letzte Basler Plakatsubmission liegt rund 14 Jahre zurück – vor Hofmanns Zeit. Sie ging mit einigen rechtlichen und politischen Wirren über die Bühne und zog sich Jahre hin. Für Hofmann war das jetzige Verfahren denn auch spannend. "Wir haben enorm profitiert. Intern gab es einen grossen Wissenszuwachs darüber, was alles zu dieser Plakatkonzession gehört", meint er. Man habe nun auch Transparenz über die verschiedenen bisherigen Verträge schaffen und diese zusammenfassen können. Und nicht zuletzt wurden alle Werbeflächen digital erfasst und müssen in Zukunft laufend aktualisiert werden. "Zudem war es möglich, auf neue Aussenwerbeprodukte wie die digitalen Screens zu reagieren", sagt Hofmann. knö
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