Österreich Kein Verständnis für Gewinnstreben auf Kosten der Menschlichkeit

Mittwoch, 16. März 2005

In Deutschland gab es kürzlich Empörung gegen die Deutsche Bank, weil sie trotz Milliardengewinnen 6400 Arbeitsplätze abbauen und 1200 Stellen in Billiglohnländer verlagern möchte. Die Vermutung liegt nahe, daß die Schwierigkeit einer Harmonisierung der Arbeitswelt unter den veränderten Rahmenbedingungen für die Wirtschaft unterschätzt wird. Fest steht, daß die Österreicher in der massiven Mehrheit von 61 Prozent ein starkes Gewinnstreben mit sozialem Verhalten für grundsätzlich vereinbar erachten. Lediglich 29 Prozent bezweifeln dies. Es ist offenkundig, daß der stark überwiegende Eindruck eines zu kalten Kalküls in der betriebswirtschaftlichen Praxis in schroffem Widerspruch zur festen Überzeugung steht, den unliebsamen Zustand relativ mühelos verändern zu können. Die eigentliche Gefahr besteht hier in einem Mangel an Verständnis für die Problemzwänge in der Wirtschaft und in der Sozialpolitik. Eine Gesellschaft mit einem zu geringen Wissen über die Regeln, nach denen sie sich organisiert, tendiert verstärkt zu radikalen Haltungen.
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