mafo.spitze Eine Was-ist-auf-der-Website-eigentlich-los-Studie

Montag, 06. November 2017
Der Blog von planng&analyse - als mafo.spitze werden Meinungsbeiträge von Fachleute aus der Marktforschung veröffentlicht. Frech, zugespitzt und streng subjektiv. Diese Mal Stefan Althoff aus Seattle.
Der Blog von planng&analyse - als mafo.spitze werden Meinungsbeiträge von Fachleute aus der Marktforschung veröffentlicht. Frech, zugespitzt und streng subjektiv. Diese Mal Stefan Althoff aus Seattle.
© p&a

Marktforscher sollten nicht nur hervorheben, warum Social Media Engagement wichtig ist und aufzeigen, was durch Web-2.0-Monitoring alles gefunden werden kann. Statistische Analysen des Web Traffic sind nützlich, wenn es um die Erfolgsmessung geht. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Wer eigene Webseiten mit Blogs betreibt, muss auch auf die Inhalte achten.

 „Wir brauchen eine Facebook-Seite! Wir brauchen einen Blog! Social Media ist wichtig, wir müssen dabei sein! Wir brauchen eine App!“ Mancher Betriebsmarktforscher hat das schon gehört. Bei Fragen nach möglichen Inhalten kommt in der Regel nur heiße Luft. Zwischen Social-Media-Präsenz und Social-Media-Monitoring wird häufig nicht unterschieden. Nehmen wir exemplarisch das Thema Blogs. Hier kann viel falsch gemacht werden, und der Aufwand, der mit einer solchen Aktivität verbunden ist, sollte nicht unterschätzt werden. Es kann sich aber lohnen.

Althoffs qualitative Social Media Forschung, N = 2:

Wer sich für das Thema „US-Arbeitsvisum“ interessiert, stößt irgendwann unweigerlich auf zwei Websites: immigrationgirl.com und redbus2us.com. Ladies first.

Emily Neumann ist eine auf Einwanderungsfragen spezialisierte US-amerikanische Anwältin. Normalerweise schreibt sie in ihrem Blog „immigrationgirl.com“ jede Woche einen Beitrag aus ihrem Arbeitsbereich und kommentiert aktuelle Rechtsfragen. Die Materie ist komplex und es gibt viele Nachfragen von Lesern, die von Frau Neumann sehr zeitnah, geduldig und kompetent beantwortet werden. Kostenlos und ohne Werbung.

Stefan Althoff

war viele Jahre betrieblicher Marktforscher bei der Lufthansa Technik in Hamburg. Jetzt ist er bei Boeing und berichtet aus Seattle.
Dadurch ist Emily Neumann zu einem Star innerhalb der Visa-Szene geworden; es ist ferner davon auszugehen, dass ihr Blog zur Erweiterung ihres Kundenkreises beigetragen hat. Immigrationgirl.com gilt als eine der besten und informativsten Websites zu Einwanderungsfragen.

Emily Neumann war auch schon Gastautorin auf dem Blog redbus2us.com, der offensichtlich eine große Anhängerschaft in Indien hat. Geradezu rührig schreibt und erklärt der Chefredakteur Kumar. Kein Aspekt rund um das Thema US-Einwanderung und US-Visa, welches von ihm nicht haarklein und verständlich beschrieben wird.

Als Anfang April 2015 bei der US-Einwanderungsbehörde USCIS eine Lotterie für Visa stattfand, berichtet Kumar auch darüber und lud seine Leser zur Diskussion ein. Was nun passierte, hatte mit dem eigentlichen Thema nicht mehr sehr viel zu tun. Die Postings gingen in die Tausende, darunter jede Menge Verdächtigungen, Unterstellungen, Beschimpfungen und Verleumdungen der schlimmsten Art, schlechte Witze und Lügen. Ein Shitstorm.

Das Problem: Kumar griff seinerzeit in die Diskussionen nicht ein. Jeder konnte sich mit einer fiktiven E-Mail-Adresse auf der Webseiten verewigen, eine echte Registrierung fand nicht statt. So kam es, dass fast alle von Lesern gestellten Fragen unbeantwortet blieben, sofern sich nicht ein anderer Leser erbarmten.

Es war abzusehen, dass diese inhaltlich eigentlich gut gemachte Website an Bedeutung verlieren würde. Zum Glück hat Kumar aus den Fehlern gelernt, er beteiligt sich mittlerweile an den Diskussionen, sorgt für Ordnung und leitet alle an, eine Netiquette einzuhalten.

Marktforscher sollten nicht nur hervorheben, warum Social Media Engagement wichtig ist und aufzeigen, was durch Web 2.0 Monitoring alles gefunden werden kann. Statistische Analysen des Web Traffic sind nützlich, wenn es um die Erfolgsmessung geht. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Die inhaltliche Beurteilung eines Social Media Auftritts ist ebenso notwendig. Der geschulte, kritische Blick von außen, eine Was-ist-auf-der-Website-eigentlich-los-Studie sollte in die quantitativen Analysen integriert werden. Aber auch Hinweise darauf – im Sinne der viel beschworenen Beratungsleistung –, wie man es richtig macht (oder: besser nicht macht), sollten erlaubt sein.

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