Branche Wie glücklich sind die Deutschen?

Donnerstag, 13. September 2012
Die Lebenszufriedenheit in Deutschland
Die Lebenszufriedenheit in Deutschland

Die Lebenszufriedenheit der Deutschen bleibt stabil. Mit 7,0 Punkten (auf der Skala von 0 bis 10) liegt sie auf demselben Niveau wie 2011- angesichts der Euro-Krise ein ermutigendes Zeichen für Kontinuität.

Deutschland wurde für die Studie in 19 Regionen eingeteilt. Das Ranking führt dabei Hamburg wieder an (7,2), gefolgt von der Nordseeregion, Bayern und Franken. Die ostdeutschen Länder bilden das hintere Drittel. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt, davor Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Im europäischen Vergleich konnte sich Deutschland im Ranking von 29 europäischen Ländern seit 2006 deutlich nach vorn schieben: vom 15. Platz (2006) auf den 9. Platz (2011). Das liegt vor allem an der guten Beschäftigungsentwicklung der vergangenen Jahre, die auch auf die Lebenszufriedenheit ausstrahlt. Spanien, Griechenland und Portugal, die unter der Schuldenkrise besonders leiden, fielen dagegen auch im Glücksniveau erheblich zurück.

Stärken und Schwächen von Regionen
Stärken und Schwächen von Regionen
Großstädter sehen die wichtigsten Schwächen der Großstädte im fehlenden Zusammengehörigkeitsgefühl, bei den Angebote für Kinder und Familien sowie der Qualität der öffentlichen Verwaltung. Haushaltslage und Sicherheitslage werden nicht als das große Manko angesehen. Auch bei den untersuchten Großstädten liegt Hamburg wieder auf Platz 1 - vor allem wegen des reichhaltigen Kulturangebots, der guten Verkehrsinfrastruktur sowie der überragenden Luft- und Wasserqualität. Düsseldorf, die finanziell gesündeste deutsche Metropole, folgt auf Rang zwei mit 81 Punkten, dann folgt Dresden mit 80 Punkten. Was Ballungsräume anbelangt, hat der Osten längst zum Westen aufgeschlossen. Schlusslicht ist Essen mit nur 69 von 100 Basispunkten, wo nahezu alle für die Einwohner relevanten Zufriedenheitsdimensionen gravierende Schwächen aufweisen.

Eine wichtige Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft ist das Vertrauen. 60 Prozent der Deutschen geben an, ihren Mitmenschen eher oder sogar voll zu vertrauen, lediglich fünf Prozent sind vollkommen misstrauisch. Wer seinen Mitmenschen vertraut, ist in der Regel auch deutlich zufriedener. So trägt ein vertrauensvolles Verhältnis zum sozialen Umfeld mit etwa 0,2 Punkten zur individuellen Zufriedenheit bei. Wichtig ist der Grad des Vertrauens in zentrale staatliche Institutionen: Hohes Vertrauen genießen in Deutschland der Rechtsstaat sowie die Polizei, schwächer ist es gegenüber Bundesregierung und Parlament ausgeprägt. Beim Vertrauen der Menschen in die Demokratie liegen die Zufriedenheitswerte unterhalb jener für die allgemeine Lebenszufriedenheit. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind erheblich.

Die gute Nachricht ist, dass die Politikverdrossenheit seit 2005 leicht abgenommen hat und sich die Lage gerade in Ostdeutschland verbesserte, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus. Die innere Sicherheit beeinflusst ebenfalls die Zufriedenheit. 20 Prozent der Deutschen fühlen sich in ihrem Wohngebiet sehr sicher. Ihre Lebenszufriedenheit lag im Mittel zuletzt bei 7,1. Mit über 70 Prozent sieht die überwiegende Mehrheit ihre Wohnlage als ziemlich sicher an, ihre Lebenszufriedenheit ist jedoch bereits um 0,3 Punkte geringer.

Zu den gesamtgesellschaftlich entscheidenden Glücksfaktoren zählen natürlich auch das Einkommensniveau und die Beschäftigungslage. Den größten "Glückszuwachs" erleben Arbeitslose, die einen regulären Vollzeitjob gefunden haben. Sie verbesserten ihre subjektive Lebenszufriedenheit von 5,6 (arbeitslos) auf 6,7 (Vollzeit) Punkte. Die glücksmindernde Wirkung von Arbeitslosigkeit betrifft nicht nur den Arbeitslosen persönlich, sondern strahlt auf das Umfeld aus. Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um fünf Prozentpunkte führt zu einem spürbaren Anstieg der gesamtgesellschaftlichen Lebenszufriedenheit von 0,1 Punkten. Die seit Jahren verbesserte Beschäftigungslage in den ostdeutschen Regionen hat deshalb viel dazu beigetragen, dass das ostdeutsche Glücksniveau enger zum westdeutschen aufschließen konnte.

Die Datenbasis des "Deutsche Post Glücksatlas 2012", die Professor Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg und Johannes Vatter von der Universität Freiburg ausgewertete haben, beruht sowohl auf dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), das seit 1984 die Lebensumstände der Menschen in Deutschland jährlich repräsentativ abbildet, als auch auf aktuellen Umfragedaten des Instituts für Demoskopie Allensbach und weiteren Datenquellen. Die Analyse, wie zufrieden die Großstädter mit dem städtischen Leben sind, wurde im Frühjahr 2012 von TNS Emnid exklusiv für den Deutsche Post Glücksatlas 2012 erhoben.
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