mafo.spitze Wer den Sinn sucht, muss den Wandel nicht fürchten

Montag, 12. Oktober 2015
Meinungsbeiträge von Fachleuten aus der Marktforschung. Frech, zugespitzt und streng subjektiv
Meinungsbeiträge von Fachleuten aus der Marktforschung. Frech, zugespitzt und streng subjektiv
© concept m

Globalisierung und Digitalisierung haben für uns Marktforscher ein Umfeld geschaffen, in dem Rechtfertigungszwänge und Selbstzweifel wachsen und gedeihen. „Wozu überhaupt noch Tiefeninterviews führen, wenn Google und Konsorten doch ohnehin schon alles wissen?“ Das stimmt – und es ist zugleich so falsch, wie es nur falsch sein kann.
 

So klar es ist, dass bei fest umrissenen Aufgaben mit einer begrenzten Anzahl sinnvoller Möglichkeiten - zum Beispiel beim Schachspiel - die Maschinen den Menschen den Rang ablaufen. So klar ist aber eben auch, dass das komplexe und paradoxe Konsumentenverhalten nicht einfach oder linear bewertbar ist. Es geht eben darum, die tiefliegenden Treiber unseres Verhaltens zu identifizieren, die spannungsvoll und widersprüchlich sind. Das geht am besten mit tiefenpsychologisch-morphologischen Methoden.

Diese zu analysieren würde Google - beziehungsweise die Algorithmen, die dahinter stecken - vor unlösbare Probleme stellen. Dass Google diese Art von scheinbar irrationaler Entscheidungsfindung nicht verstehen kann, heißt aber nicht, dass sie nicht zu verstehen ist. Die Experten auf diesem Gebiet sind nicht diejenigen, die Algorithmen entwerfen und künstliche Intelligenz auftürmen, es sind wir, die psychologisch arbeitenden Marktforscher.

Sinnstiftung ist unser Geschäftsmodell. Wir liefern tiefe Insights in die fundamentalen Mechanismen und Prinzipien, von denen Verbraucher geleitet werden. Wir bieten exakte Analysen, wie Konsum und Märkte sich entwickeln. Wir übertragen Know-how zwischen verschiedenen Märkten und generieren auf diese Weise neues Wissen. Wir verstehen Marktzusammenhänge auch als Ausprägung großer, gesellschaftlich-kultureller Trends.

Das heißt nicht, dass wir uns den neuen Entwicklungen gegenüber verschließen. Im Gegenteil, sie schaffen die Möglichkeiten für eine Fülle zusätzlicher Informationen und für deren Vernetzung. Unser Ansatz der „offenen Morphologie“ sorgt dafür, dass daraus jedoch kein Gefühl der Desorientierung („alles ist möglich“) erwächst, sondern echte Sinnstiftung.

Deshalb - dies ist meine feste Überzeugung - gibt es keinen Anlass für uns Marktforscher in Sack und Asche zu gehen. Stattdessen sollten wir uns freuen: Wer den Sinn sucht, muss den Wandel nicht fürchten. Entdecke die Möglichkeiten!

Rochus Winkler ist Geschäftsführer von concept m
Jetzt suchen >>
stats