Branche Warum in die Ferne schweifen...

Donnerstag, 12. Februar 2004

Der Trend zu kürzeren Urlaubsreisen verstärkt sich weiter und macht vor allem der Ferienhotellerie zu schaffen. Die Deutschen lassen sich den Urlaub durchschnittlich etwa 1.030 Euro pro Person kosten. Damit müssen neben der Unterkunft auch alle Nebenausgaben wie zum Beispiel Essengehen, Einkaufsbummel, Ausflüge und Trinkgelder bestritten werden. Familien mit Kindern müssen mit durchschnittlich 951 Euro und Rentner mit 953 Euro pro Person auskommen. Singles geben 1.015 Euro aus und kinderlose Paare können sich 1.177 Euro pro Person leisten. Am meisten Geld im Urlaub geben die sogenannten Jungsenioren im Alter von 50 bis 64 Jahren aus (1.204 Euro). Groß sind auch die Urlaubsbudget-Unterschiede zwischen Ostdeutschen (877 Euro) und Westdeutschen (1.069 Euro). Und geradezu Welten liegen zwischen den Reiseausgaben bei Deutschlandreisen (743 Euro), bei Reisen in das europäische Ausland (1.116 Euro) und bei Fernreisen (1.921 Euro). Der schöne Sommer bescherte manchen inländischen Reisezielen einen Zuwachs wie seit Jahren nicht mehr. Der große Gewinner der vergangenen Saison heißt: Deutschland - und das mit steigender Tendenz. Die Deutschen entdecken seit der Jahrtausendwende ihre Heimat wieder. In Verbindung mit dem guten Wetter haben im vergangenen Jahr vor allem die Feriengebiete an der Ostsee von der Änderung der Reiseströme und Reisestimmungen profitiert. Bayern zählt ebenfalls zu den Gewinnern der vergangenen Saison, auch Schwarzwald und Bodensee konnten ihre Attraktivität bei den Urlaubsgästen festigen. Billigflieger lassen den Flugtourismus wieder aufleben und die touristische Krise Spaniens vergessen. Seit 1999 hatte Spanien, „das“ Auslandsreiseziel der Deutschen, permanent Einbußen hinnehmen müssen, doch seit 2003 zeichnet sich eine touristische Trendwende ab: Spanien ging in der vergangenen Reisesaison wieder als unbestrittener Sieger hervor. Alle anderen Ferienländer hatten hingegen unter dem Konkurrenzdruck Deutschlands zu leiden. Das bekam vor allem die Türkei zu spüren. Der Aufwärtstrend der letzten Jahre wurde spürbar gebremst. So bleibt vorerst die seit über dreißig Jahren bestehende Rang- und Reihenfolge der deutschen Lieblingsreiseziele bestehen. Zum Spitzenreiter Spanien (15,9 Prozent) gesellen sich Italien (7,6 Prozent) und Österreich (4,6 Prozent). Der Fernreisemarkt stagniert weiterhin auf niedrigem Niveau. Im vergangenen Jahr haben mehr Bundesbürger ihren Urlaub an der Ostsee verbracht als in allen außereuropäischen Ländern zusammen. Der Anteil der Deutschen, die mit Sicherheit auch dieses Jahr im Urlaub verreisen wollen, ist so niedrig wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Zuletzt gab es im Jahr nach der Wiedervereinigung einen ähnlich niedrigen Wert (1991: 41 Prozent). Danach steigerte sich die Reisebereitschaft der Bundesbürger auf 49 Prozent im Jahre 2001. Seitdem ist ein Rückgang zu verzeichnen: 2002 und 2003 waren es 47 und in diesem Jahr sind es nur noch knapp 42 Prozent der Bundesbürger, die auf jeden Fall verreisen wollen. Mehr als jeder fünfte Bundesbürger mit festen Reiseabsichten will im eigenen Land bleiben. Alle übrigen zieht es ins Ausland. Spanien bleibt mit 13 Prozent der Spitzenreiter unter den Auslandsreisezielen, gefolgt von Italien mit 8 Prozent und Österreich mit 6 Prozent Griechenland kann in der kommenden Saison erstmals die Türkei verdrängen. Die Olympiade zieht zusätzliche Gäste an. 3,2 Prozent der deutschen Reisenden waren im vergangenen Jahr in Griechenland. 2004 wollen 5,2 Prozent ihren Urlaub dort verbringen.
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