Umfrage zum Jahreswechsel 2017/2018 Was wird Alexas Urenkelin zu Insights sagen?

Montag, 11. Dezember 2017
Sven Arn, Happy Thinking People
Sven Arn, Happy Thinking People
© Happy Thinking People

Sven Arn, Managing Director & Partner von Happy Thinking People, ist überzeugt: Insights gibt es nicht auf Knopfdruck. Bei aller Faszination für KI und Automatisierungen dürfe man Daten nicht mit Insights verwechseln. Der Faktor Mensch bleibe essenziell und absolut unverzichtbar. Und das gelte auch noch im Jahr 2030.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen und die wichtigsten Themen, die die Branche im Jahr 2018 beschäftigen werden?

Unsere Branche befindet sich mitten in einer tiefen, digital getriebenen Umwandlungsphase. Die digitale Transformation trifft anscheinend jeden, mit weitreichenden Konsequenzen. Durch die schnelle digitale Taktung müssen wir inzwischen eher in Tagen, als in Wochen denken, wenn es um Analyse und Insights geht. 2018 wird das wohl nicht anders sein.
Der Drang zur erhöhten Effizienz wird damit steigen. Die Outputs werden beispielsweise anders, müssen kürzer sein und noch schneller auf den Punkt kommen. Und: Der Kostendruck ist und bleibt hoch.
Eine für uns alle wichtige Herausforderung: Bei aller Faszination mit den Möglichkeiten von KI und Automatisierungen dürfen wir nicht Daten mit Insights verwechseln. Insights gibt es nicht auf Knopfdruck. Der Faktor Mensch bleibt essenziell und absolut unverzichtbar – bei der Datenverknüpfung, wenn es um strategische Marktkenntnisse geht, bei der Ableitung einer knappen, schnell erstellten Handlungsempfehlung, und vor allem wegen unseres Gespürs für das Ungesagte oder Unterdrückte. Wir müssen das alles vielleicht einfach ein bisschen besser verkaufen! Wovon wird sich die Branche verabschieden müssen?
Auch wenn das vielleicht etwas hart klingt: wir dürfen nicht zu viel Nabelschau betreiben, „unter uns reden“, uns methodologisch vertiefen und dabei gegebenenfalls verlieren. Insights-Funktionen auf der betrieblichen Seite sind zunehmend operational angesiedelt, es zählt weniger das „wie“ sondern „was tun?“.
Das heißt, wir sollten uns weniger mit methodischen Scheingefechten beschäftigen und mehr Zeit mit den verschiedenen Abteilungen und Führungskräften in Strategie, Marketing, R&D, Digital usw. in den unterschiedlichsten Branchen verbringen.

Was steht für Ihr Unternehmen im kommenden Jahr an?
Wir haben uns über die Jahre daran gewöhnen müssen, dass eine präzise Prognose problematisch ist, auch wenn es „nur“ um die nächsten 12 Monate geht ;) Spaß beiseite: wir wollen schneller, schlanker, effizienter werden, dabei unseren Kunden mehr denn je von unserer Beratungskompetenz überzeugen, ihnen noch konkretere Handlungsempfehlungen und Ideen liefern und uns gleichzeitig an ihren zeitlichen Bedarf anpassen.
Wir nehmen den Begriff Agilität ernst, interpretieren ihn aber um, filtern immer durch unser „People Understanding“. Das heißt, wir überlegen uns gut, wann ein Prozess Zeit für Reflektion braucht und wann wir Gas geben müssen. Qualität darf nicht das Opfer von Schnelligkeit und Kostendruck werden!
Neujahr 2018
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Umfrage zum Jahreswechsel 2017/2018 Den Wandel als Chance begreifen

Wie sind Sie mit dem Jahr 2017 zufrieden? Was ist Ihnen besonders gut gelungen?
2017 war für uns ein Jahr von Licht und Schatten, auch von Veränderungen. Das Geschäft lief teils sehr gut, an anderen Stellen spürten wir sehr deutlich einen erhöhten Druck – auf Preise und Termine. Das hat uns gezwungen, manches neu zu überdenken, wie wir effizienter arbeiten können und wie wir uns intern organisieren.
Uns ist es trotz der teilweise schwierigen Marktverhältnisse gelungen, die Richtung aufrechtzuerhalten, unsere Firmenphilosophie zu verteidigen. Das war nicht immer einfach – aber uns wichtig. Das immer wieder vermittelte positive Feedback unserer Kunden war uns dabei der ständige Ansporn.
Auf der methodischen Seite sind wir neue Wege gegangen. Wir haben in unsere eigene Forschung & Entwicklung investiert. Wir haben auf dem Esomar Kongress 2017 in Amsterdam die Ergebnisse unserer Experimente mit bildbasierter Forschung präsentiert und neue Produkte eingeführt wie 2Days für schnelle Antworten und erst vor kurzem unseren Innovationsansatz R:evolver. Wir zählen zu den Top 50 der innovativsten Mafo-Dienstleister der Welt, so die neueste GRIT Studie. Es gibt also vieles, womit wir zufrieden sein können.

Wie sieht die Marktforschung im Jahr 2030 aus?
Wer überhaupt weiß, wie die Welt 2030 aussehen wird, verdient sicherlich einen Nobelpreis. Und die Entwicklung der Marktforschung ist ja nur ein sehr kleiner Teil davon.
Sicher ist, dass die Entwicklungen in der IT Branche ungebremst voranschreiten und die ‚Disruption‘ als Prinzip hat uns gezeigt, wie schnell sich ganze Branchen ändern können.
Von daher werden sich die Kundenstrukturen dramatisch ändern – die Rising Stars in der heutigen Startup Szene werden wohl zu den Auftraggebern von morgen gehören. Unternehmen aus dem digitalen Umfeld haben andere Bedürfnisse und Anforderungen. Die großen Datenmengen werden weiter wachsen, künstliche Intelligenz immer mehr Automatisierungsmöglichkeiten bieten und unsere Rolle wird es sein, Small Data mit Big Data zu verknüpfen und daraus Antworten für die Business Challenges von morgen zu finden.
Konstant bleibt der Faktor Mensch, der sich auch noch in zehn Jahren so irrational wie faszinierend verhalten wird wie heute. Solange das der Fall ist, dann bleibt – auch wenn wir von Robotern umgeben sind und uns mit Alexas Urenkelin in selbstfahrenden Fahrzeugen unterhalten – für Marktforscher mit People Understanding wohl genug zu tun.
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