Trendanalyse 2020 - ohne Reisebüros, Zählerableser oder Videoverleih?

Dienstag, 23. November 2010
© Thomas Schippl / PIXELIO
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2020 wird es vielleicht unter anderem keine Kaufhäuser, keine Reisebüros, keine Zählerableser, keinen Videoverleih, keine Firmentreue, kein festes Renteneintrittsalter mehr geben.
 
Für 60% der Befragten hat der Zählerableser keine Zukunft mehr: Künftig werden intelligente Stromzähler mit digitaler Smart Meter Technologie den Zählerableser, der heute noch gelegentlich ins Haus kommt, ablösen. 

59% der Befragten gehen davon aus, dass es in Zukunft nicht mehr zum Standard gehören wird, von der Ausbildung bis zum Renteneintritt im gleichen Unternehmen zu verbleiben. Die vorhandene Industrie- und Angestelltenkultur wird sich wandeln: Der Anteil jener Menschen, die in befristeten Verträgen arbeiten, wird in den kommenden Jahren deutlich auf bis zu 40% der arbeitenden Bevölkerung ansteigen. Die Folge ist eine neue Generation der Projektarbeiter, die ihr Arbeitsleben nicht mehr als lineare Karriere innerhalb eines Unternehmens verstehen, sondern die gewohnt sind in Projekten zu arbeiten. Diese Projektarbeiter kennen keine 38-Stunden-Woche, keine geregelte Kaffee- und Mittagspause, keine Hausschuhe im Büro, keine Prämie oder Lohnsteigerung aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit. Im Gegenteil: Sie wechseln ihre Arbeitgeber, wie früher ihre Freundinnen. Oft und schnell.
© Margot Kessler / PIXELIO
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46% der Befragten sehen schwarz für den Videoverleih: Der Weg zur nächsten Videothek ist weit. Viel näher liegt uns der Klick ins Internet. Per Streaming oder Download lassen sich Film auf Online-Video-Portalen direkt beziehen. Die Zahlung erfolgt unkompliziert via Micropayment und das Angebot, zumindest der Bezahlanbieter, ist bereits heute annähernd gleichwertig. Dass der Markt mit Online-Programm zum Abruf im Film- und TV-Segment boomt, belegt u.a. das Interesse von Google, die künftig über ihr Videoportal Youtube Blockbuster streamen und mit Google-TV Fernseh- und Internet-Inhalte nahtlos zusammenführen wollen.

© khv24 / PIXELIO
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42% sehen keine Zukunft mehr für feste Ladenschlusszeiten. Derzeit untersucht Supermarktbetreiber REWE in rund 60 deutschen Märkten bis zum Jahresende eine Öffnungszeit bis 24 Uhr. Das sei der Veränderung des heutigen Lebensstil und der zunehmend steigenden Anzahl von Single-Haushalten in den Ballungszentren geschuldet. Während der Ladenschluss hierzulande, in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich, aber einheitlich sehr stringent gesetzlich geregelt ist, kommen andere Staaten wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien gänzlich ohne Regelung aus. Dort richten sich die Öffnungszeiten ausschließlich nach dem Bedarf der Kunden sowie wirtschaftlichen Erwägungen der Unternehmen. Zudem sind wir durch das Online-Geschäft auch hierzulande schon daran gewöhnt, rund um die Uhr einzukaufen. Mittlerweile lassen sich sogar Lebensmittel u. a. via Amazon per Lieferservice zu jeder Tageszeit anfordern.

© S. Hofschlaeger / PIXELIO
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In Zeiten des WWW wird das klassische Reisebüros für 34% bald überholt sein. Statt als reine Anlaufstelle für große Reiseveranstalter zu fungieren werden sich die Reisebüros künftig als professioneller Filterservice für die Informationsflut des Internets positionieren müssen. Personalisierte Angebotserstellungen für Individualkunden stehen dabei ebenso im Fokus wie eine Anpassung an eine älter werdende Gesellschaft.

Die Mär vom festen Renteneintritt wird sich für 37% erledigen. Durch die demografische Entwicklung wird es eine immer größere Gruppe von Älteren geben, die weiterhin am Erwerbsleben teilnimmt. Auswirkungen davon sehen wir bereits aktuell in den Statistiken. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts besagen, dass sich die Zahl der Arbeitnehmer über 60 Jahre in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt hat. In den kommenden zehn Jahren wird eine neue Lebensphase zwischen 60 und 80 Jahren (später 60-90) entstehen, die wir bis heute noch nicht kennen. Die volle Dimension dieser Veränderung werden wir erst begreifen, wenn wir sie in unserem eigenen Leben, an unseren Eltern und Großeltern spüren. Dann werden wir uns im Alter zwischen 50-60 bewusst werden, dass ein sehr aktives Drittel unseres Lebens noch vor uns liegt. Wer will 30 Jahre Urlaub machen?
 
2b AHEAD ThinkTanks fragte während des 9. Zukunftskongresses die teilnehmenden 200 Innovationschefs, welche Geschäftsmodellen und Prozessen bis 2020 verschwinden könnten. In einem interaktiven World-Café-Format wurden während des Kongresses diese Prognosen gesammelt und debattiert. In einer zweiten Umfragerunde wurden die Nutzer der iPhone-App des ThinkTanks nochmals um eine qualitative Bewertung gebeten.
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