Research Plus der DGOF in Frankfurt Kommt die Diktatur der Daten?

Freitag, 24. November 2017
Research Plus zum fünften Mal in Frankfurt
Research Plus zum fünften Mal in Frankfurt
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Auf der 5. Research Plus der DGOF in Frankfurt ging es - wie heute so oft bei Veranstaltungen der Marktforschung - um große Daten. Vier Fachvorträge gaben Stoff zur Diskussion und Inspiration. Rund 50 Marktforscher aus Instituten und aus Unternehmen trafen sich zum Austausch.

Ob man wirklich schon von einer Diktatur der Daten sprechen kann, diskutierte Buchautor Bernhard Keller am Ende des fachlichen Inputs. Fest steht: Jeder sammelt Daten und alles und jedes soll bewertet werden. Da kann man als Marktforscher schon mal um seine Profession fürchten. Aufgabe des Marktforschers sei es, laut Keller, die Prozesse zu gestalten und ethische sowie qualitative Grundsätze in die digitale Forschung zu übertragen. Ein großes Ziel, das zu reger Diskussion animierte.

Zuvor gab es reichlich Big Data von Prof. Klaus Miller von der Goethe Universität Frankfurt. Sein Fachbereich wollte wissen, welche Auswirkungen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung auf die Digitale Wirtschaft haben könnte und dort insbesondere auf den Einsatz von Cookies. Zwei Jahre lang wurden große Mengen von Cookies im Netz beobachtet und festgestellt, wie lange ein Cookie überhaupt leben kann und vor allem wieviel er Wert ist. Einige Ergebnisse: Nur 7 Prozent der Cookies werden älter als 2 Jahre, 50 Prozent sind nach 30 Tagen nicht mehr vorhanden. Der Wert eines einzelnen Cookie kann erheblich sein, bis zu 350 Euro wurden in der Untersuchung gefunden. Als nächstes schauten sich die akademischen Forscher an, was die verschiedenen Vorschläge für Restriktionen der Lebensdauer der Cookies für den Markt bedeuten könnte. Die Ergebnisse passen gut in die gegenwärtige Diskussion zu E-Privacy.

Ein Trend der mit Big Data einhergeht, ist die Automatisierung. Frank Lüttschwager, Geschäftsführer von EarsandEyes, stellt sein neues Instrument vor, Kvest, das schnelle Antworten auf vordefinierte Fragen geben kann. „Besonders fasziniert die Leute die Geschwindigkeit“, berichtet Lüttschwager von den ersten Reaktionen der Kunden, aber auch von der Gradwanderung. Versierte Marktforscher möchten natürlich differenzierte Studienansätze. Dafür sollte dann weiterhin der Full-Service-Anbieter konsultiert werden. Der Traum von der Automatisierung ist schon sehr alt, bereits 1989, als Lüttschwager mit Online-Marktforschung begann, gab es solche Ideen, berichtet er und belegt es mit einem Scribble aus dieser Zeit.

Aus dem Land der großen Zahlen, aus China, berichtet Christian Dössel, der nach rund 2 Jahren bei Ipsos jetzt bei PRS in Vivo tätig ist, einem internationalen Unternehmen, dass sich vor allem mit Shopping-Behavior beschäftigt. Dössel berichtet welche Herausforderungen das Online-Shopping von FMCG auf Mobilgeräten mit sich birgt. Untersucht wurde etwa: Wie verläuft die Blickrichtung beim Scrollen? Welchen Anteil hat Text und Bild? Wie kann man die Produkte auf kleinem Screen optimal präsentieren? Wie kann man die Größenverhältnisse der Produkte klar machen und vieles mehr. Die Ergebnisse könnten auch hierzulande interessieren wo der Online-Kauf mit Lebensmitteln noch in den Kinderschuhen steckt, aber mit Sicherheit kommt.

Ob die Diktatur der Daten kommt? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Vielleicht kann man sie ja nochmal auf der nächsten Research Plus diskutieren. Sie findet am 30. November in Hamburg statt.

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