Mobilitätstypen Vom Bildungs-Bahner bis zum Land-Local

Donnerstag, 17. Juli 2014
Typen Arbeitsmobilität (© 2014 Lekkerland AG & Co.KG)
Typen Arbeitsmobilität (© 2014 Lekkerland AG & Co.KG)

Je nachdem mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist, verändert sich die Ernährung. Die einen kaufen sich ein Brötchen beim Kiosk, um dieses in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit zu essen. Andere nutzen den Tankstopp auf der Fahrt ins Wochenende, um sich schnell noch einen Smoothie zu gönnen. Doch auch der Grund der Mobilität ist ausschlaggebend: So neigen Menschen in ihrer Freizeit eher dazu, sich unterwegs etwas zum Essen oder Trinken zu kaufen. Die Studie differenziert daher zwischen beruflichem (Arbeitsmobilität) und privatem (Freizeitmobilität) unterwegs sein. Anhand von fünf Arbeitsmobilitätstypen wird das Mobilitätsverhalten der arbeitenden Bevölkerung an Arbeitstagen einer normalen Arbeitswoche verdeutlicht. Fünf Freizeitmobilitätstypen zeigen auf, wie die Deutschen in puncto Mobilität und in ihrer Versorgung unterwegs an freien Tagen bzw. Wochenenden agieren (Prozentanteil an der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands):

Bildungs-Bahner (19 Prozent) leben vorwiegend in Großstädten und sind meist kinderlos (80 Prozent). Circa die Hälfte von ihnen befindet sich noch in der Ausbildung, die anderen arbeiten Voll- oder Teilzeit. Die meisten von ihnen (85 Prozent) fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, die anderen gehen zu Fuß oder nehmen das Rad.
Unterwegsversorgung: Die Bildungs-Bahner sind im Vergleich zu den anderen Clustern am häufigsten unter der Woche unterwegs. Vierzig Prozent sind mindestens drei von fünf Abenden in der Woche nicht zu Hause. Sie haben auch den höchsten Convenience-Index von allen Arbeitsmobilitätstypen (3,01). Von ihnen haben 47 Prozent in den letzten Wochen auf dem Weg zur Arbeit etwas zu essen oder zu trinken gekauft und 45 Prozent auf dem Heimweg. Am häufigsten gehen die Bildungs-Bahner entweder zum Bäcker (51 Prozent) oder zum Supermarkt (33 Prozent), aber auch Kioske besuchen sie vergleichsweise häufig (8 Prozent), wenig findet man die Bildungs-Bahner an Tankstellen (6 Prozent) und an Imbissen (6 Prozent). Sie sind überdurchschnittlich preissensibel und achten auf Schnelligkeit und Bequemlichkeit.

Job-Wohn-Nachbarn (17 Prozent) brauchen weniger als zehn Minuten zur Arbeitsstelle. Fast alle Job-Wohn-Nachbarn sind über die Phase der Ausbildung hinaus und arbeiten in Vollzeit (49 Prozent) oder in Teilzeit (34 Prozent), wobei der Anteil der Teilzeit-Beschäftigten im Vergleich zu den anderen Clustern besonders hoch ist.
Unterwegsversorgung: Auch die Job-Wohn-Nachbarn sind noch vergleichsweise häufig unter der Woche unterwegs. 34 Prozent von ihnen sind an mindestens drei von fünf Abenden nicht zu Hause. Vergleichsweise wenige haben sich auf dem Heimweg etwas zu essen oder zu trinken gekauft (28 Prozent), ihr Convenience-Index ist auch mit am niedrigsten (2,69). Auch morgens versorgen sie sich deutlich weniger unterwegs als zum Beispiel die Bildungs-Bahner und die Ergebnisorientierten Pendler, denn nur 30 Prozent haben sich in den letzten Wochen auf dem Weg zur Arbeit etwas gekauft. Die Job- Wohn-Nachbarn kaufen unterwegs am häufigsten beim Bäcker (55 Prozent) oder im Fast Food-Restaurant (36 Prozent), aber auch beim Imbiss findet man sie überdurchschnittlich häufig (12 Prozent). Verglichen mit den anderen Typen legen mehr von ihnen Wert auf Frische, Qualität und Geschmack.

Ergebnisorientiere Pendler (22 Prozent) zeichnen sich durch relativ lange Pendelwege aus. Fast alle (90 Prozent) brauchen länger als 20 Minuten zur Arbeit und nahezu drei Viertel (70 Prozent) brauchen länger als 30 Minuten. Der überwiegende Teil ist vollzeitbeschäftigt (76 Prozent). Die meisten Ergebnisorientierten Pendler haben ein Auto (75 Prozent), aber nicht alle nutzen das Auto, um zur Arbeit zu gelangen, denn etwa die Hälfte nutzt öffentliche Verkehrsmittel.
Unterwegsversorgung: Wenn die Ergebnisorientierten Pendler nach der Arbeit zu Hause angekommen sind, bleiben 44 Prozent von ihnen unter der Woche jeden Abend daheim. Der Anteil derer, die sich in den letzten Wochen auf dem Heimweg etwas zu essen oder zu trinken gekauft haben, liegt bei 39 Prozent. Ihr Convenience-Index liegt mit 2,88 im mittleren Bereich. Auch wenn absolut betrachtet der größte Anteil der Ergebnisorientierten Pendler zum Bäcker (44 Prozent), zum Fast Food-Restaurant (30 Prozent) und Supermarkt (27 Prozent) geht, findet man sie ebenso vergleichsweise häufig beim Discounter (21 Prozent), in Tankstellen (15 Prozent) und Imbissen (11 Prozent). Wenn sie etwas kaufen, wollen sie möglichst alles auf einmal: Auch wenn ihre Hauptkriterien Schnelligkeit und Bequemlichkeit sind, wollen sie auf Frische, Qualität und Geschmack nicht verzichten. Der Preis ist weniger wichtig.

Kleinstadt-Autopuristen (18 Prozent) wohnen meistens in kleineren oder mittleren Städten und haben einen Weg zur Arbeit, für den sie zwischen zehn und 20 Minuten benötigen. Sie befinden sich in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens, besitzen ein eigenes Auto, nutzen dies auch, um zur Arbeit zu gelangen, und arbeiten überwiegend Vollzeit (70 Prozent).
Unterwegsversorgung: Die Kleinstadt-Autopuristen sind mittelmäßig häufig unterwegs, 44 Prozent von ihnen sind in der Regel abends unter der Woche zu Hause, denn viele von ihnen leben in Familien. Ihr Convenience-Index liegt mit 2,89 unter den Bildungs-Bahnern (3,01), aber über dem der Job-Wohn-Nachbarn (2,69) und der Provinz-Autogezwungenen (2,83). Im Vergleich zu den Provinz-Autogezwungenen (29 Prozent) kaufen sie sich jedoch öfters auf dem Heimweg etwas zu essen und zu trinken (35 Prozent). Dies tun sie am häufigsten beim Bäcker (40 Prozent), im Fast Food-Restaurant (30 Prozent), im Supermarkt (28 Prozent) und beim Discounter (28 Prozent). Vergleichsweise hoch ist auch der Anteil derer, die zur Tankstelle (20 Prozent) und zum Metzger (13 Prozent) gehen. Besonders wichtig ist ihnen Schnelligkeit, daneben wollen sie Qualität, Geschmack und Frische, der Preis spielt seltener eine Rolle.

Provinz-Autogezwungene (24 Prozent) leben in erster Linie auf dem Land. Sie haben alle ein eigenes, meistens nicht sehr leistungsstarkes Fahrzeug, das bei zwei Drittel der Personen älter als fünf Jahre ist. Das nutzen sie auch, um zur Arbeit zu gelangen. Die Pendeldauer zur Arbeit ist unterschiedlich, aber kaum einer benötigt mehr als 30 Minuten.
Unterwegsversorgung: Ähnlich wie die Kleinstadt-Autopuristen sind die Provinz-Autogezwungenen vergleichsweise wenig unterwegs. 50 Prozent von ihnen sind eigentlich jeden Abend zu Hause und relativ wenige kaufen auf dem Weg zur oder von der Arbeit etwas zu essen oder zu trinken ein, ihr Convenience-Index ist vergleichsweise niedrig (2,83). Wenn sie sich unterwegs versorgen, dann kaufen sie am häufigsten beim Bäcker (45 Prozent), im Supermarkt (27 Prozent) oder an der Tankstelle (23 Prozent). Von allen Typen legen sie am wenigsten Wert auf Frische, Qualität und Geschmack. Ähnlich wie die Bildungs-Bahner sind sie dabei relativ preissensibel.

Typen Freizeitmobilität  (© 2014 Lekkerland AG & Co.KG)
Typen Freizeitmobilität (© 2014 Lekkerland AG & Co.KG)
Agile Auto-Paare (20 Prozent) leben in kleineren und mittelgroßen Städten und sind viel unterwegs. Über die Hälfte ist mindestens drei von fünf Abenden unter der Woche nicht zu Hause. Zudem verbringt circa ein Viertel der Agilen Auto-Paare die meisten Wochenenden nicht daheim und fährt in eine andere Stadt, was sich auch an der hohen jährlichen Kilometerleistung zeigt (15.700 km).
Unterwegsversorgung: Die Agilen Auto-Paare sind dauernd unterwegs und versorgen sich dann auch entsprechend mit Essen und Trinken to-go. Mit einem Convenience-Index von 2,99 erreichen sie einen verhältnismäßig hohen Wert und belegen damit den zweiten Platz unter den Typen. Wenn sie sich unterwegs versorgen, findet man sie vorrangig beim Bäcker (51 Prozent) oder im Fast Food-Restaurant (33 Prozent), gefolgt vom Supermarkt (26 Prozent) oder der Tankstelle (23 Prozent). Auch wenn Schnelligkeit und Bequemlichkeit von den meisten als die wichtigsten Kriterien bezeichnet werden (57 Prozent), legen sie doch ebenso überdurchschnittlich hohen Wert auf Frische, Qualität und Geschmack (31 Prozent). Der Preis ist nur für einen kleineren Teil (12 Prozent) wichtig.

Silber-Homies (23 Prozent) leben nach dem Motto „my home is my castle“, denn 86 Prozent von ihnen geben an, eigentlich jeden Abend unter der Woche zu Hause zu sein. Am Wochenende unternehmen dann doch die meisten (61 Prozent) von ihnen etwas an dem Ort, an dem sie wohnen. Wenn sie unterwegs sind, dann nehmen sie das zumeist eigene Auto oder gehen bei kürzeren Strecken gerne zu Fuß.
Unterwegsversorgung: Die Silber-Homies sind insgesamt wenig unterwegs und wenn, dann bewegen sie sich eher in der näheren Umgebung ihres Wohnortes. Dort kennen sie sehr wahrscheinlich die Anbieter. Ihr Convenience-Index ist mit 2,72 der niedrigste von allen Typen. Wenn sie sich unterwegs mit Essen und Trinken versorgen, gehen sie zu unterschiedlichen Kanälen, vorrangig zum Bäcker (37 Prozent), zum Fast Food-Restaurant (21 Prozent), zum Supermarkt (20 Prozent) oder zur Tankstelle (15 Prozent). Da dies eher selten vorkommt, mögen sie es pragmatisch. Schnelligkeit und Bequemlichkeit sind ihnen mit deutlichem Abstand auch im Vergleich zu den anderen Typen am wichtigsten (68 Prozent), während Frische, Qualität und Geschmack (17 Prozent) sowie Preis (15 Prozent) unwichtiger sind.

Single-ÖPVs (19Prozent) nutzen in der Freizeit unabhängig von der Länge der Strecke den Öffentlichen Verkehr. An den Wochenenden sind die meisten in der näheren Umgebung des Wohnortes unterwegs, ein kleiner Teil verreist auch regelmäßig. Zudem ist ein Drittel mindestens drei von fünf Abenden unter der Woche unterwegs. Viele von ihnen sind noch in der Ausbildung oder studieren- sehr wahrscheinlich ein Grund, warum sie sehr viel Wert auf den Preis bei der Wahl ihrer Verkehrsmittel legen.
Unterwegsversorgung: Entsprechend ihrem Mobilitätsverhalten ernähren sich die Single-ÖPVs häufig mit Essen und Trinken zum Sofortverzehr. Ihr Convenience-Index ist mit 3,01 im Vergleich zu den anderen Typen am höchsten. Da nur wenige der Single-ÖPVs ein eigenes Auto besitzen, findet man sie an Standorten abseits von Hauptverkehrsstraßen. Am häufigsten gehen sie zum Bäcker (51 Prozent), in den Supermarkt (28 Prozent), zum Fast Food-Restaurant (26 Prozent) oder in den Discounter (21 Prozent). In Übereinstimmung mit den Kriterien bei der Verkehrsmittelwahl hat auch der Preis bei einigen (25 Prozent) eine vergleichsweise hohe Bedeutung bei der Wahl des Anbieters der Unterwegsversorgung. Dennoch steht er für die meisten immer noch hinter Schnelligkeit und Bequemlichkeit (49 Prozent) sowie Frische, Qualität und Geschmack (27 Prozent).

Bei den Nestbau-Müttern (17Prozent) findet sich ein recht hoher Anteil an meist verheirateten Frauen (65 Prozent). Eine vergleichsweise hohe Anzahl hat zudem Kinder (69 Prozent). Daher verbringt die Gruppe der Nestbau-Mütter viel Zeit zu Hause, denn 80 Prozent sind unter der Woche eigentlich jeden Abend zu Hause. Die Nestbau-Mütter leben in Kleinstädten oder auf dem Land, daher ist das Auto Hauptverkehrsmittel auch für die Wochenendausflüge.
Unterwegsversorgung: Die Lebenssituation der Nestbau-Mütter beinhaltet, dass sie weniger unterwegs sind. Dies zeigt sich auch in dem vergleichsweise geringen Convenience-Index (2,74). Wenn sie sich unterwegs versorgen, gehen sie zum Bäcker (41 Prozent), zum Supermarkt (21 Prozent), zum Fast FoodRestaurant (21 Prozent) oder zum Imbiss (14 Prozent). Dabei mögen sie es pragmatisch, denn auch ihnen ist Schnelligkeit und Bequemlichkeit mit weitem Abstand am wichtigsten bei der Wahl des Anbieters (59 Prozent), darauf folgen Frische, Qualität und Geschmack (22 Prozent) sowie der Preis (19 Prozent).

Land-Locals (20Prozent) sind tendenziell etwas älter sind, 60 Prozent sind über 45 Jahre alt. Sie wohnen eher auf dem Land, weit weg von der nächsten großen Stadt. Auch wenn sie nicht so viel unterwegs sind wie die Agilen Auto-Paare und die Single ÖPVs, unternimmt dennoch circa die Hälfte regelmäßig unter der Woche etwas außer Haus. Die Zeit will gut eingeteilt sein, denn viele der Land-Locals sind vollzeit berufstätig, die Hälfte ist zudem verheiratet und hat Kinder.
Unterwegsversorgung: Die Land-Locals sind zwar nicht ganz so umtriebig wie zum Beispiel die Agilen Auto-Paare, aber dennoch vergleichsweise viel unterwegs. Ihr Convenience-Index repräsentiert diese Sandwich-Position, denn er ist mit 2,84 höher als bei den Silber-Homies oder den Nestbau-Müttern, aber niedriger als bei den Agilen Auto-Paaren oder den Single-ÖPVs. Dabei besucht nahezu die Hälfte von ihnen vorrangig Bäcker (46 Prozent), oder man findet sie im Supermarkt (26 Prozent), im Fast Food-Restaurant (21 Prozent) oder an der Tankstelle (18 Prozent).

Soweit ein Auszug aus der Studie "Geschmackssache - Mobilitätstypen und ihre Unterwegsversorgung", die inhaltlich geleitet und durchgeführt worden ist von Prof. Dr. Sabine Moeller, Leiterin des Competence Centers for Convenience und Inhaberin einer von Lekkerland geförderten Professur für Marketing an der University of Roehampton, Roehampton Business School, London. Dr. Kristina Wittkowski, Postdoktorandin am Marketing Department der EBS Business School, hat sie dabei unterstützt. Entstanden ist die Studie im Auftrag der Lekkerland AG & Co. KG. Für die mehrstufige Studie sind bestehende wissenschaftliche Untersuchungen zu den Themen Mobilität und Unterwegsversorgung gesichtet und analysiert worden. Auf dieser Basis hat man die für die Kundensegmentierung wichtigen Aspekte abgeleitet und einen standardisierten Fragebogen erstellt. Rund 1.000 in Deutschland lebende Personen ab 18 Jahren wurden in einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage eingehend befragt. Daraus wurden die zehn Mobilitätstypen ermittelt.
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