Branche Krise und Krisenstimmung nimmt in Europa zu

Dienstag, 17. Juli 2012
GfK-Konsumklima zur Konjunkturerwartung in Europa und den USA
GfK-Konsumklima zur Konjunkturerwartung in Europa und den USA

Die Finanzkrise in Europa hat sich im zweiten Quartal erneut zugespitzt. Vor allem die Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Italien haben mit der entsprechend schlechten Stimmung in der Bevölkerung zu kämpfen.

Die Turbulenzen im Euro-Raum durch den zum Befragungszeitpunkt ungewissen Wahlausgang in Griechenland sowie die Rettungsaktion für den spanischen Bankensektor haben dem Konjunkturoptimismus der deutschen Verbraucher einen deutlichen Dämpfer versetzt. Das sich eintrübende internationale Umfeld zeigt nun offenbar auch Wirkung bei den Konjunkturaussichten der Deutschen. Die Konsumenten befürchten offenbar, dass sich Deutschland über kurz oder lang dem Abwärtstrend im Euro-Raum nicht vollkommen entziehen kann. Die Preissteigerung für die Lebenshaltung ist im Mai unter die psychologisch wichtige Schwelle von 2 Prozent gesunken. Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt. Zudem ist es für viele Konsumenten aufgrund des fehlenden Vertrauens in die Finanzmärkte sowie des historisch niedrigen Zinsniveaus nicht sehr attraktiv, ihre finanziellen Mittel anzusparen. Stattdessen tendieren sie eher dazu, werthaltige Anschaffungen zu tätigen.

Die erneute Verschärfung der Finanzkrise hat die Wirtschaft fast jedes europäischen Landes überrascht. Allerdings gibt es mit Rumänien und Portugal auch zwei Lichtblicke. Am schlechtesten beurteilen die Italiener (-60,2 Punkte) und Tschechen (-57,1 Punkte) die Chancen auf wirtschaftliche Erholung. Am höchsten sind die Werte in Frankreich (-8,2 Punkte), Rumänien (-2,6 Punkte) sowie in Deutschland (3,0 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei -35 Punkten.

In vielen Ländern Europas rechnen die Verbraucher in den kommenden Monaten mit steigenden Einkommen, wenn auch häufig auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Indikator bleibt überwiegend konstant oder steigt sogar an. Die niedrigsten Werte verzeichnen Portugal (-33,7 Punkte), Griechenland (-48,0 Punkte) und Italien (-68,0 Punkte). Mit steigenden Einkommen rechnen die Österreicher (-1,0 Punkte), die Rumänen (1,6 Punkte) sowie die Deutschen (40,1 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei -43 Punkten.

GfK-Konsumklima zur Anschaffungsneigung in Europa und den USA
GfK-Konsumklima zur Anschaffungsneigung in Europa und den USA
In den meisten Ländern Europas ist die Anschaffungsneigung relativ konstant auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau. In einigen Ländern ist sie in den vergangenen ein bis zwei Monaten gestiegen. Die Verbraucher befürchten im Zuge der europaweiten Konsolidierungsbemühungen weitere Steuererhöhungen. In einigen Ländern sind bereits Mehrwertsteuererhöhungen zum Beginn des nächsten Jahres beschlossen. Die Konsumenten sehen daher, dass es aktuell günstig ist, größere Anschaffungen zu tätigen. Allerdings besteht zwischen konsumieren wollen und konsumieren können noch ein großer Unterschied. Viele Bürger können sich größere Anschaffungen einfach nicht leisten, auch wenn es sinnvoll wäre, sie jetzt zu erwerben. Die niedrigste Anschaffungsneigung gibt es derzeit in Großbritannien (-42,3 Punkte), in Portugal (-43,2 Punkte) und in Griechenland (-45,2 Punkte). Am meisten konsumieren möchten die Bulgaren (8,5 Punkte), Österreicher (22,4 Punkte) sowie die Deutschen (32,7 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei -23 Punkten. 


Auch in den USA kommt die Wirtschaft noch nicht so richtig in Schwung. Experten glauben, dass sie gerade eine zweite Talsohle durchleben könnte. Um sie zu stimulieren, hat die Regierung kürzlich beschlossen, die Lohnsteuer von aktuell 4,2 Prozent das Jahr 2012 über beizubehalten. Das ist eine Reduzierung um zwei Prozentpunkte, die im Januar 2011 eingeführt wurde.

GfK-Konsumklima zur Einkommenserwartung in Europa und den USA
GfK-Konsumklima zur Einkommenserwartung in Europa und den USA
Die Amerikaner sind jedoch insgesamt der künftigen Entwicklung ihrer Wirtschaft gegenüber deutlich positiver gestimmt als die Europäer. Zudem hoffen sie in den nächsten Monaten auf eine Erholung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenrate ist im April mit 8,1 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Januar 2009 gesunken. Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass inzwischen viele ältere Arbeitnehmer in den vorzeitigen Ruhestand gegangen sind, da sie keinen neuen Job bekommen haben. Der Indikator der Konjunkturerwartung ist seit August letzten Jahres von -3,9 Punkten kontinuierlich auf aktuell 21,2 Punkte gestiegen. Der Durchschnittswert für den bisherigen Erhebungszeitraum liegt bei 9 Punkten. Hinsichtlich ihrer weiteren finanziellen Lage zeigen sich die US-Bürger dagegen etwas weniger optimistisch: Die Einkommenserwartung liegt aktuell bei 14,7 Punkten; der Durchschnittswert beträgt 20 Punkte.

Die Konsumlaune der Verbraucher ist aber schlecht, die Einzelhandelsumsätze in den USA sind im Mai zum zweiten Mal in Folge gesunken. Entsprechend ist die Anschaffungsneigung der amerikanischen Verbraucher in den vergangenen Monaten wieder gefallen. Im Juni erreichte sie nur noch -9,6 Punkte. Der Durchschnittswert beträgt -7 Punkte. Dabei sind die Amerikaner längst wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Weil Löhne und Gehälter kaum steigen, kaufen die Konsumenten wieder auf Pump. In den vergangenen Monaten nahmen sie so viele Kredite auf, wie seit zehn Jahren nicht mehr; die Sparquote sank auf das niedrigste Niveau seit Ende 2007.

Der Immobilienmarkt hat seine Talsohle inzwischen erreicht. Teure Mieten und rekordtiefe Hypothekenzinsen ermuntern die US-Bürger wieder zum Hauskauf. Doch von gesunden Verhältnissen ist der Immobilienmarkt weit entfernt. Experten rechnen nicht vor dem Jahr 2016 mit einer Rückkehr zur Normalität.

Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der internationalen Ausweitung der Studie GfK-Konsumklima MAXX und basieren auf Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission in allen Ländern der Europäischen Union monatlich durchgeführt werden. Das GfK Konsumklima Europa gibt einen Überblick über die Entwicklung von Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung der Konsumenten in Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und der Tschechischen Republik. Seit März 2011 führt die GfK die Konsumklimabefragung auch in den USA durch. Die Fragen sind die gleichen wie in der Europäischen Union. Aufgrund der noch kurzen Zeitreihe können die Daten nicht standardisiert werden.
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