Branche Glückwunsch zum 75., Professor Heribert Meffert!

Freitag, 11. Mai 2012

Der Begründer des Marketing als Wissenschaftsdisziplin in Deutschland und Marketing-Pabst, Professor Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Meffert, wird 75!
Die Eckdaten: Geboren 1937 in Oberlahnstein, Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität München, 1968 Berufung auf den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Münster, der er bis zu seiner Emeritierung 2002 treu blieb. Ab 1969 Aufbau und Direktor des ersten Instituts für Marketing an einer deutschen Hochschule, immer empirie-orientiert und mit enger Verbindung zur Praxis.

Wie geschätzt er in Wissenschaft und Praxis war und ist, belegen seine Ehrendoktorwürden der Hochschule St. Gallen, der Handelshochschule Leipzig (HHL), der Universität für Wirtschaft und Finanzen, St. Petersburg sowie Honorarprofessur an der Handelshochschule Leipzig (HHL) ebenso wie die Tätigkeit 2002 - 2005 als Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann Stiftung. Seit 2002 unterstützt er zudem Forschungs- und Beratungsprojekte am Marketing Center Münster (MCM).

Bereits als jung berufener Hochschullehrer an der Universität Münster sah Professor Meffert den wachsenden Bedarf der Unternehmenspraxis nach einer theoretischen Ergänzung und Fundierung der sich entwickelnden Marketingpraktiken. Der enge Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zieht sich durch sein gesamtes Wirken. Das oberstes Prinzip war für ihn, in der Forschung theoriegeleitete, empirisch fundierte Erklärungen und Prognosen über die Wirkung von Marketinginstrumenten zu gewinnen und diese zur Lösung von Entscheidungsproblemen in der Praxis dienstbar zu machen. Auch zehn Jahre nach seiner Emeritierung begleitet Professor Meffert die Marketingforschung aufmerksam und kritisch.

Anlässlich seines Geburtstages äußert er sich zur „Marketingdisziplin im Wandel“. Das Spannungsfeld „Rigor vs. Relevance“ ist für ihn in der wissenschaftlichen Diskussion nicht neu. So wurden Handlungsempfehlungen vielfach als „graue Theorie“ oder „abstrakte Modellschreiberei“ kritisiert, vor allem bei Wirkungsprognosen stochastischer Natur.

© LieC / pixelio.de
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Neu sind aus seiner Perspektive Probleme, die mit der wachsenden Spezialisierung des Faches einhergehen und die Relevanz der Marketingforschung in zweifacher Hinsicht in Frage stellten:
Erstens sind die Forschungsfragen eng ausgerichtet und entfernen sich zunehmend von Führungsproblemen in der Marketingpraxis.
Zweitens sind die mit hohem methodischem Aufwand erzielten Lösungen mit einer spezifischen wissenschaftlichen Sprache verbunden. Es besteht die Gefahr, dass Wissenschaftler und Praktiker „zwei Marketingsprachen“ sprechen (Backhaus) und einander nicht mehr verstehen.
Hinzu kommt, dass der Zusammenhang von Forschung und Lehre im Sinne einer ganzheitlichen, funktionsübergreifenden Managementausbildung verloren geht.

Professor Meffert erscheint daher eine Rückbesinnung der Forschung auf konkrete Bedürfnisse und Entscheidungsprobleme der marktorientierten Führung in der Praxis erforderlich. Das Motto sollte nicht lauten: „Habe Modell, suche Problem“, sondern „Suche Problem und entwickle einen wissenschaftlichen fundierten Beitrag zur Lösung des Problems“.

Des Weiteren wird durch die Wirtschafts- und Finanzkrise vom Marketing die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit bzw. Corporate Social Responsibility gefordert. Ökologische und soziale Anforderungen sollen in neue Konzepte des Marketing einbezogen werden. Erfahrungen von Professor Meffert zeigen allerdings, dass dem Einsatz von Marketinginstrumenten Grenzen gesetzt sind und das Marketing vielfach nur flankierende bzw. unterstützende Funktionen übernehmen kann.
Im deutschsprachigen Raum driftet das Marketingverständnis in Wissenschaft und Praxis zunehmend auseinander. Während sich in der Marketingwissenschaft das duale Verständnis von Marketing (Marketing als marktorientierte Führungskonzeption und absatzwirtschaftliche Funktion) etablieren konnte, ist in der Praxis das Verständnis von Marketing als verkaufsunterstützende Maßnahme weit verbreitet. Dies bedeutet, dass Marketing mit dem Anspruch einer marktorientierten Führung oft eine praktische und programmatische Forderung bleibt und im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis vor allem begriffliche Klarheit geschaffen werden muss.

Neben zahlreichen Veröffentlichungen hat insbesondere die „Marketing-Bibel“ dazu beigetragen, den Namen Meffert einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Professor Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Meffert wurde der Marketing-„Papst“.

Als schönsten Umstand seines Emeritus-Daseins empfindet er, dass er mit einem engagierten kleinen Forscherteam (TM = Team Meffert) an interessanten Forschungsprojekten wissenschaftlich weiterarbeiten kann. Für ihn ist diese Arbeit Kür, nicht Pflicht und so findet er auch mehr Zeit für die Familie und die schönen Dinge im Leben.

Lieber Professor Meffert genießen Sie Ihr Leben weiterhin mit so viel Energie und Überblick!

Facts & Figures: Professor Meffert

1

Erster Marketingprofessor in Deutschland

2

wie Ying und Yang: Marketingpraxis und Marketingforschung im Dialog

21

21 Hochschullehrer, hervorgegangen aus dem ehemaligen Mitarbeiterkreis

44

Monografien

75

Prozent des bisherigen Lebens an Hochschulen verbracht (Studienbeginn 1956 = 56 Jahre, davon 43 Jahre als Hochschulprofessor)

109

betreute und erfolgreich abgeschlossene Promotionen

400

Veröffentlichungen in Sammelwerken und Zeitschriften (geschätzt)

1.000

betreute Diplomarbeiten (geschätzt)

25.000

Seiten begutachteter Dissertationen (geschätzt)

225.000

verkaufte Exemplare der „Marketing-Bibel“ (Erstauflage 1975, jetzt 11. Auflage)
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