GfK Tagung 2017 Verein diskutiert die digitale Transformation

Freitag, 30. Juni 2017
Einmal im Jahr lädt der GfK Verein zu einer großen Tagung nach Nürnberg
Einmal im Jahr lädt der GfK Verein zu einer großen Tagung nach Nürnberg
© p&a

Knapp 500 Teilnehmer kamen gestern zur Tagung des GfK Vereins in das Convention Center der Messe in Nürnberg. Knapp die Hälfte hatte keine lange Anfahrt, kam von der GfK, viele Vereinsmitglieder und Kunden waren im Auditorium. Der GfK Verein versteht sich als Think Tank der Marktforschung und das Thema in diesem Jahr war die digitale Transformation in Industrie und Haushalt.

Zunächst ließen sich die zahlenorientierten Marktforschungsexperten von Prof. Gerd Gigerenzer sagen, wie wichtig  Bauchentscheidungen sind. Vor allem in einer ungewissen Welt, „können einfache Heuristiken, also Strategien, welche einen Teil der Information ignorieren, zu besseren Entscheidungen führen als komplexe statistische Software-Pakete.“ So entscheiden Verbraucher und nicht durch und durch rational und unter Abwägung aller Fakten.

Von Big Data ist der Wissenschaftler vom Max-Plank-Institut für Bildungsforschung und vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz folglich nicht so begeistert, wie manche andere Forscher. Er macht deutlich wie viele Situationen es gibt, in denen Daten, Fakten, Analysen nicht ausreichen, sondern man sich auf seine Intuition verlassen muss. Ein Förderer von Innovationen ist dabei eine positive Fehlerkultur, eine Atmosphäre in der Fehler nicht unter dem Teppich gekehrt, sondern als Chance begriffen werden.

Prof Gerd Gigerenzer über das Bauchgefühl bei Entscheidigungen
Prof Gerd Gigerenzer über das Bauchgefühl bei Entscheidigungen (Bild: p&a)

Transformation im Supply Chain Management

Nach diesem beeindruckenden Entree, schließlich gehört der Psychologe Gigerenzer laut Huffington Post zu den 100 einflussreichsten Vordenkern der Welt, ging die Tagung ins Detail. Digitale Transformation im Supply Chain Management war ein Vortrag von Prof. Rudolf Aunkofer, Global Director Business Development Technology bei der GfK SE. Er zeigte auf, welche Möglichkeiten die digitale Transformation Industrie und Handel bietet.

Er untersuchte in einer Studie die größten Einflüsse der kommenden Dekade auf die Technologie-Industrie. Das Ergebnis: Supply Chain Management 4.0 wird als einflussreichste Entwicklung wahrgenommen. Um Kundenbedürfnisse individuell, flexibel und zeitnah bedienen zu können, braucht es eine Vernetzung und Optimierung der Wertschöpfungskette. Ulrich Müller-Albring, Geschäftsführer der AVM Computersysteme Vertriebs GmbH, sprach die kritischen Punkt der Vernetzung an, vor allem den Punkt  Sicherheit, der bisher oft noch vernachlässigt oder mangels Erfahrung unterschätzt wird.

Wie die iBrainer ihr Smart Home sehen

In einem anderen Raum erklärte Robert Kecskes, Strategic Customer Development & Consumer Panels von der GfK SE, wie die junge Zielgruppe sich ihr Smart Home vorstellt: Die Steuerung intelligenter Haushaltsgeräte via Stimme wird ganz normal, die Küche mit wird zum digitalen Zentrum der Wohnung, auch wenn sie immer seltener genutzt wird, andere Hausarbeiten, wie Waschen sollen möglichst unauffällig ferngesteuert im Keller erledigt werden.

Kecskes verrät uns auch wie es weitergeht nach der Generation Z: in qualitativen Studien befragte die GfK die iBrains, die zwischen 1997 und 2011 geboren sind.

Gunnar Pautzke, Head of Consumer/Market Intelligence bei BSH Hausgeräte ergänzt wie die Vernetzung in Küche und Haus von seinem Unternehmen realisiert wird. Dabei berichtet er von einer Lösung für den schlauen Kühlschrank, der schon seit vielen Jahren durch die Trendforschung geistert: Bei jedem Schließen der Kühlschranktür wir ein Foto gemacht und in die Cloud gestellt. Wer dann im Büro sitzt und überlegt, was er noch im Kühlschrank hat, bekommt eine Planungsgrundlage.

VR-Technologie im Test

In der Pause konnte man während der GfK-Tagung in Virtuelle Realitäten eintacuehn. In einem Nebenraum wurde gezeigt, wie VR-Brillen für die Forschung genutzt werden können. Besonders attraktiv ist dies bei Car Clinics. Da steht dann nur noch ein Autositz und der Rest erschließt sich dem Probanden durch die Virtuelle Realität dr Brille.

Chancen gegen die digitale Bequemlichkeit

Digitale Technologien betreffen auch den stationären Einzelhandel. Sie haben ihn in seine bislang größte Krise geführt. Simone Cornelsen, Account Director bei der GfK SE, zeigt jedoch, welche Wege Hersteller von Mode einschlagen müssen, um sich zur Weh zu setzen: „Der Shop muss als Kommunikationsort für Markenkultur und Erlebnis-Shopping fungieren“. Soziale Erlebnisse, Humanisierung, Individualisierung, Eventisierung und Exklusivität sind dabei Schlagworte.

Schließlich stellt Thomas Hahn von Siemens Corporate Technology Industrie 4.0 und die Produktion der Zukunft dar. Er berichtet, dass deutsche Forscher damit führend seien und dass selbst in China der Begriff Industrie 4.0 benutzt werde. „Wir wollten Vorreiter sein bei diesem Thema“, erläutert Hahn. Das war auch das Ziel des GfK Vereins mit dieser Tagung, wie Präsident Prof. Hubert Weiler, der die Veranstaltung moderierte, deutlich machte.

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