GfK SE Turbulente Hauptversammlung in Nürnberg

Dienstag, 25. Juli 2017
Voraussichtlich letzte öffentliche Hauptversammlung
Voraussichtlich letzte öffentliche Hauptversammlung
© GfK

Am Freitag fand die voraussichtlich letzte öffentliche Hauptversammlung der GfK im Messezentrum der Stadt Nürnberg statt. Einige der verbliebenen Kleinaktionäre machten ihrer Verärgerung über das geplante Squeeze-out lautstark Luft. Vorstände und Aufsichtsräte entlastet.

Die meisten Anträge auf der 9. ordentlichen Hauptversammlung der GfK SE wurden mit 99,56 Prozent der Stimmen angenommen. Doch bei Top 7, "der Beschlussfassung über die Übertragung der Aktien der übrigen Aktionäre der GfK SE auf die Acceleratio Capital N.V. gegen Gewährung einer angemessenen Barabfindung", haben 0,92 Prozent der Aktionäre mit „Nein“ gestimmt. Dieses letzte Aufbäumen nützte nichts, ebenso wenig wie laute Unmutsbekundungen einiger Aktionäre.

Die Nürnberger Nachrichten waren bei der Hauptversammlung dabei und schreiben: "Kleinaktionär Klein aus Saarbrücken hat sich für diesen Tag vorgenommen, die Tagung zu sprengen. Aber eigentlich geht es ihm nur um eines: eine möglichst hohe Abfindung beim Squeeze-out (Herausdrängen) herauszuschlagen, mehr also als die 46 € pro Aktie, die der Großaktionär anbietet. Penetrant nennt er den Aufsichtsratsvorsitzenden nur 'Klein' und ruft ihn alle paar Minuten zur Ordnung mit Sätzen wie: 'Hören Sie auf, mit Ihrem iPad zu spielen!'" Aber nicht nur Klein, der bekannt ist für seine Auftritte auf Hauptversammlungen, sondern auch andere der rund 100 Kleinaktionäre stellen unbequeme Fragen an diesem Tag, berichtet die Regionalzeitung in ihrer Samstagsausgabe.


Doch der Squeeze-out ist beschlossene Sache und die verbliebenen 3,34 Prozent der Anteilseigner werden abgefunden. Diese Hauptversammlung war vorerst die letzte öffentliche der GfK. Damit ist ein Prozess  beendet, der vor gut einem Jahr mit dem Rücktritt des damaligen Vorstandssprechers, Matthias Hartmann, begann. Die GfK sollte in neue Besitzverhältnisse überführt werden und den Turnaround zu einer profitableren Geschäftstätigkeit schaffen. Accleratio, ein Unternehmen das zum Einflussbereich des Investors KKR gehört, und der GfK Verein halten nun gemeinsam diese 99,56 Prozent und können die Geschicke des Marktforschers bestimmen. Erste Schritte sind bereits getan: Es gibt mit Peter Feld einen neuen Vorstandssprecher. Christian Bigatà Joseph wird neuer Finanzvorstand. Mit Christoph D. Erbenich wurde ein Chief Marketing and Innovation Officer benannt. 

Beschlossen auf der Hauptversammlung wurde außerdem die Verwendung des Bilanzgewinns, nämlich 152.769.863,29 Euro auf „neue Rechnung vorzutragen“, also nicht an die Aktionäre auszuschütten. Vor allem betroffen davon ist der GfK Verein, der den Verzicht von über 10 Millionen Euro zufließender Mittel offenbar durch seine Reserven abpuffern kann.

Außerdem wurden die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates allesamt entlastet. Darunter auch Ex-Sprecher Matthias Hartmann und Gerhard Hausruckinger, der interimistisch dessen Aufgabe übernommen hatte und jetzt ebenfalls das Unternehmen verlässt.

Als neue Aufsichtsräte wurden Johannes O. Huth, Philipp Freise und Thomas Ebeling gewählt. Alle drei gelten als Vertreter des neuen Großeigners KKR und wurden bereits im April beim Amtsgericht registriert. Aufsichtsräte bleiben Ralf Klein-Bölting und Prof. Raimund Wildner vom GfK Verein sowie der BDI Präsident Prof. Dieter Kempf; ebenfalls drei Vertreter der Arbeitnehmerseite.

Zu erwarten ist, dass bis zum Herbst dieser Prozess abgeschlossen ist, teilte Wildner gegenüber planung&analyse mit.  

Jetzt suchen >>
stats