Branche Gestern beim Onlinespiel

Freitag, 14. August 2015
Kirsten Riesenberg
Kirsten Riesenberg

Das Online-Spiel Hay Day begeistert nicht nur Hobby-Bauern. Spieler aus der ganzen Welt hegen und pflegen ihre Plantagen, füttern Tiere und verkaufen Gemüse. Eine heile Online-Welt. Wenn da nur nicht die Werbespots wären.

…noch eben schnell die Kühe melken und den Kuchen aufsetzen. Und dann noch ein paar Belohnungen einheimsen: Es liegen wieder Werbeblättchen vor dem Briefkasten und wenn man die anklickt, entblättert sich ein Werbefilmchen, für das man nach dessen Ansehen eine Belohnung bekommt. Die Belohnung ist unterschiedlich: Mal ein Diamant, mal eine Schaufel, mal Marmelade,… aber immer Dinge, die man im Spiel gut gebrauchen kann. Nach dem Werbefilm ist übrigens fast immer vor dem Film. Man kann sich mehrere Filmchen ansehen und danach immer wieder eine Belohnung abholen. Und jedes Mal, wenn ich wieder eines der Werbeblätter für ein Filmchen anklicke, fragt sich mein Marktforscherinnenherz so mancherlei Dinge:

Wie effektiv ist das wohl, in einem Onlinespiel Werbung zu schalten? Immerhin hat man die Zielgruppe meiner Meinung nach ziemlich stark im Visier. Aber ich habe noch nie aufgrund einer Werbung ein neues Spiel geladen. Also doch nicht so effektiv? Oder bin ich anders als alle anderen Onlinespieler? Wissen die Spielemacher eigentlich, wer spielt?

Einige Werbespots können mich als Zielgruppe auf keinen Fall meinen. Schließlich ist Hay Day ein ausgesprochen friedliches Spiel. Hier müssen ja noch nicht mal die Schweinchen sterben, wenn der Bauer Speck braucht. Sie schwitzen ihn mit einer kleinen Sauna einfach aus und können nach der Fütterung wieder neuen Speck ansetzen. In der Werbung hingegen wimmelt es von Monstern und Waffen und es ist düster und laut. Onlinespieler sind nicht für jedes Spiel affin. Aber das könnten die Werber ja wissen, wo die Werbung geschaltet wird. Oder?

Manche Werbefilmchen werden dreimal hintereinander gespielt. Warum ist das wohl so? Soll dass eine Art Gehirnwäsche darstellen? Unter dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein oder ist das einfach nur schlecht organisierte Werbung?

Einige Filmchen kenne ich bereits. Dann lege ich das Handy auch schon mal aus der Hand und mache etwas anderes, während der Film läuft. Danach hole ich mir aber trotzdem die Belohnung ab; wenn auch mit einem etwas schlechten Gewissen.

Nachdenklich klicke ich die Werbung für INVASION an. Explosionen und Zerstörung, waghalsige Flugmanöver auf einem fremden Stern. Oder ist das die Erde in einer fernen Zukunft? Danach zeigt sich mein zukünftiges, virtuelles Team aus kampferprobten Veteranen und Robotern. Ich kann sie haben, wenn ich das Spiel lade. Ich lade es nicht, ich will ja nur die Belohnung: eine Axt. Super, kann ich gut gebrauchen, ich habe noch ein paar verwelkte Sträucher, die müssen weg …


Kirsten Riesenberg: Studium der Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal mit dem Schwerpunkt. Markt und Konsum seit 1998 tätig bei eismann Tiefkühlheimservice GmbH, zunächst als Studienleiterin, seit 2004 Projektmanagerin Marktforschung bei eismann Tiefkühl-Heimservice GmbH und verantwortlich für alle Mafo-Projekte des Unternehmens.
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