Branche „Früher war alles besser“

Mittwoch, 08. September 2010
© Oliver Kalesse / PIXELIO
© Oliver Kalesse / PIXELIO
Themenseiten zu diesem Artikel:

Deutschland England USA Amerika Universität zu Köln Köln


Früher gingen die Menschen noch freundlich und respektvoll miteinander um; Familien hielten zusammen und Ehen wurden nur selten geschieden. Die finanzielle Situation war stabil, die Politiker ehrlich und die Natur rein und erholsam statt verschmutzt und gefährlich.
 
Für Deutsche und Briten scheinen die fetten Jahre vor allem seit dem neuen Jahrtausend vorbei zu sein. Nach Meinung der meisten Befragten in Deutschland und England ist das Leben in den letzten zehn Jahren etwas oder sogar deutlich schlechter geworden; in den vergangenen 50 hat es sich jedoch verbessert. Anders hingegen in den USA: Gefragt nach dem „Goldenen Jahrzehnt“ gibt die Mehrheit der amerikanischen Studienteilnehmer die 1950er Jahre an. Dementsprechend bewerten die Amerikaner das heutige Leben nicht nur mehrheitlich schlechter als das Leben vor zehn Jahren, sondern auch schlechter als das Leben vor 50 Jahren. Auch in Bezug auf die vergangenen zehn Jahre sehen Amerikaner deutlich schwärzer: Sie sind stärker als Briten und Deutsche der Meinung, dass sich das Leben seit Anfang des Jahrtausend nicht nur etwas, sondern sogar deutlich verschlechtert hat.
 
Hinsichtlich der nahen Zukunft sind hingegen alle drei Nationen etwa gleich pessimistisch. Zwischen 55 Prozent und zwei Drittel der jeweils Befragten vermuten, dass sich das Leben in den kommenden zehn Jahren verschlechtern wird. Bei den Einschätzungen für die kommenden 50 Jahre sind allerdings erneut die US-Amerikaner am pessimistischsten; in Deutschland und England keimt hingegen Hoffnung. So erwartet in Deutschland und England in Bezug auf die nächsten 50 Jahre zwar immer noch jeder Dritte eine Verschlechterung, aber etwas mehr als die Hälfte der Befragten glaubt an eine Verbesserung. Anders in Amerika: Hier vermutet weiterhin die Mehrheit, dass das Leben schlechter wird.

Gerade in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung haben die Menschen nur wenig Hoffnung. In Deutschland und England war nur gut jeder vierte Befragte eher der Meinung, dass die derzeitige wirtschaftliche Erholung in den nächsten Monaten und Jahren anhalten werde; in den USA jeder Dritte. Grund scheint vor allem mangelndes Vertrauen in die jeweiligen Regierungen. In Deutschland und den USA glaubten zwei von drei Befragten nicht daran, dass die jeweilige Regierung in der Lage sei, die wirtschaftliche Lage zu verbessern; und auch ein Großteil der übrigen Befragten war nicht gerade zuversichtlich, sondern eher unentschlossen. In England waren die Befragten zwar etwas weniger pessimistisch in Bezug auf die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Regierung, aber auch hier war jeder Zweite skeptisch, jeder Dritte unentschlossen und nur jeder Fünfte zuversichtlich.
 
Aber nicht nur die wirtschaftliche Situation und die Lebenssituation der Menschen in den genannten Ländern scheinen sich nach Meinung der meisten Bürger zu verschlechtern; auch das eigene Leben wird eher als Talfahrt mit dem Höhepunkt eher am Anfang wahrgenommen. Als glücklichstes Jahr nannte die große Mehrheit der 3000 international befragten Personen ein Jahr im frühen Erwachsenalter, im Schnitt ist es das 25. Lebensjahr. Als Gründe wurde am häufigsten Heirat, oder dass man mit sich selbst und der Welt im Reinen war, angegeben. Für das am wenigsten glückliche Jahr wurden vor allem berufliche und finanzielle Probleme oder Selbstzweifel als Grund genannt. Doch am interessantesten dabei: Das am wenigsten glücklichste Jahr lag so gut wie immer hinter dem glücklichsten Jahr, war aber weit weniger fest gelegt. Die Antworten streuten über den ganzen Lebenslauf. Fazit: Glück gibt es nur am Anfang, doch fürs Unglück ist es nie zu spät.
 
Die internationale Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln wurde in Zusammenarbeit mit YouGovPsychonomics durchgeführt. Es wurden 3000 Bürgern in Deutschland, England und den USA befragt. Die Studienergebnisse wurden im Rahmen der Jahreskonferenz der internationalen Vereinigungen von Wirtschaftspsychologen und Verhaltensökonomen „IAREP/SABE/ICABEEP 2010 Conference Cologne“ vorgestellt. 
Jetzt suchen >>
stats