Branche Freizeit ade? Die neue Zeitnot der Deutschen

Dienstag, 24. August 2004
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Deutschland, wann ist Feierabend? Der Traum vom "kollektiven Freizeitpark" ist endgültig ausgeträumt. Fast die Hälfte der Arbeiter (45 Prozent), Angestellten und Beamten (je 49 Prozent) haben nach eigener Einschätzung keine drei Stunden freie Zeit pro Tag. Bei den Selbstständigen und Freiberuflern sind es hingegen fast zwei Drittel, die mehr in die berufliche Arbeit eingespannt sind, als dass sie wirklich nach Feierabend in Ruhe entspannen können. Selbstständigkeit bedeutet heute wenig Freizeit, kaum Urlaub und mitunter 70-Stunden-Wochen bis an die Grenze der Selbstausbeutung. Die Wirklichkeit ist völlig anders als der Traum: Selbstständige haben weniger Zeitautonomie und tragen berufliche Probleme auch in die eigene Freizeit hinein. Der subjektive Eindruck entsteht: Für die Freizeit bleibt eigentlich keine Zeit. Unter den Berufstätigen nehmen lediglich die Auszubildenden im Hinblick auf die eigene Zeitfreiheit eine privilegierte Stellung ein. 54 Prozent der Jugendlichen haben täglich sogar mehr als vier Stunden persönliche Freizeit zur Verfügung, in der sie tun und lassen können, was ihnen Spaß und Freude macht. Lediglich die Ruheständler geben an, über noch mehr Zeit in Eigenregie zu verfügen. Für die Zukunft zeichnet sich eine historisch neue Zeitbudget-Entwicklung ab: die Erfüllung obligatorischer Alltagsaufgaben kann mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Erwerbstätigkeit. Die sogenannte Obligationszeit muss dann immer mehr mit Do-it-yourself und Selbermachen (statt bezahlter Handwerksarbeiten) sowie mit der systematischen Pflege von Kontakten und sozialen Beziehungen ausgefüllt werden. Von Zeitwohlstand haben die Menschen früher geträumt; mit Zeitnot wachsen sie jetzt auf. Was bisher nur für die Berufsarbeit galt, wird nun auch von der privaten Lebenszeit gefordert: Produktivität und Nützlichkeit. Und das heißt konkret: Familienfürsorge, Lebensstandardsicherung und Gesundheitserhaltung. Hinter der neuen Sehnsucht nach Zeitwohlstand verbirgt sich der alte Traum vom guten Leben - jenseits von Onlineshopping, Telebanking und Last-Minute-Reisen. Insbesondere Familie und Kindererziehung setzen dem persönlichen Freizeithunger enge Grenzen. Deshalb unterscheiden vor allem Frauen deutlich zwischen Familienfreizeit und persönlicher Freizeit, die sie für sich ganz allein haben wollen und nicht nur mit Partner und Kindern teilen müssen
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