Esomar Kongress 2017 Von Amsterdam nach Berlin

Freitag, 15. September 2017
Blick in die Kommunikationszonen auf dem Esomar Kongress 2017
Blick in die Kommunikationszonen auf dem Esomar Kongress 2017
© hed

Der Koffer ist ausgepackt, die Vitaminreservoire wieder aufgefüllt, die Bänder sind abgehört. Drei Tage Esomar Kongress, drei Tage geballte Marktforschungskompetenz und internationale Kontakte. Ein Resümee.

„Mut machen“ war eine der wesentlichen Messages auf der diesjährigen Weltkonferenz der Marktforschung. Das begann mit dem Auftritt der neuseeländischen Rugby-Spieler und der Aufführung des „Haka“, der mehr die eigenen Reserven aktivieren als dem Gegner Angst einflößen kann. Und es endete mit der Keynote von Laura Dekker und dem Bericht über ihre Reise im Alter von 14 Jahren rund um die Welt alleine in einem Segelboot, einer wirklich mutigen jungen Frau.

Warum ist das nötig? Das hochkarätig besetzte Client-Panel (Microsoft, Unilever, L’Oreal, Philip Morris) und die Studie von Fabian Buder vom GfK-Verein an Tag 3 zeigen es deutlich: Die Anforderungen, die von den Kunden kommen, steigen und haben sich extrem gewandelt. Wochenlange präparierte Studien und ellenlange Daten-Reports sind von gestern. So ganz neu ist das nicht, wurde aber in dieser Session zum Abschluss der drei Tage nochmal jedem ins Gedächtnis gerufen. Die Vertreter der Kundenseite machen deutlich, was von ihnen im Unternehmen verlangt wird und was sie dementsprechend von ihren Dienstleistern verlangen: Agilität und Schnelligkeit sowie tiefe und umsetzbare Einblicke in die Konsumentensicht.
Kunden sagen den Marktforschern was sie brauchen.
Kunden sagen den Marktforschern was sie brauchen. (Bild: hed)
Die Präsenz der Kundenseite war auch bereits am ersten Tag deutlich. Die Hersteller verstärkt in Esomar einzubinden, ist erklärtes Ziel von Präsident Niels Schillewaert, wie er gegenüber planung&analyse äußerte. So sprachen Vertreter von Philips, Diageo, KLM, Pepsi-Cola und Coca-Cola über ihre internen Transformationen, die nötig sind, um im Unternehmen weiterhin Marktforschung an den internen Stakeholder zu bringen. Dabei fiel auf, dass diese Firmen den Wandel scheinbar weitgehend autark, also ohne Unterstützung von Dienstleistern bewältigen.

Auf drei Bühnen können sich die über 1.000 internationalen Teilnehmer Vorträge anhören, wobei zwei Bühnen mitten in der Kommunikationszone liegen. Was für Vortragende und Zuhörer bisweilen etwas anstrengend ist - hoher Geräuschpegel, nicht genug Sitzplätze - hat manchen Aussteller erfreut, denn so gibt es auch während der Sessions dort genügend Laufkundschaft.

Ein großes Thema auf dem Kongress sind moderne Techniken. Mark Ridley von Facebook UK bekennt „I am a methodological geek“ und entsprechend sieht auch seine Session aus: Augmented und Virtual Reality, automatische Text- und Bild-Analyse. VR ist ohne Zweifel das Buzzword der drei Tage, zahlreiche Vorträge beschäftigen sich mit den Forschungsmöglichkeiten dieser Technik. Einer davon wurde sogar ausgezeichnet: Die deutsche GfK-Forscherin Alexandra Chirilov erhält den Esomar Young Professional Award für ihre Präsentation „Virtual Reality meets traditional research“.
Esomar-Awards für die Deligierten: Hier für Marita Schimpl aus Myanmar
Esomar-Awards für die Deligierten: Hier für Marita Schimpl aus Myanmar (Bild: hed)
Zahlreiche andere Awards wurden am zweiten Tag verliehen, vom Best Paper Award über ideele Auszeichnungen für einige lokale Repräsentanten des Weltverbandes. Die deutschen Esomar-Repräsentanten sind übrigens Christoph Welter von Point Blank International und Prof. Dirk Frank von ISM Global Dynamics.

Weitere Buzzwords während der drei Tage in Amsterdam sind Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Die entsprechenden Sessions werden von Till Winkler von Skopos geleitet, dem einzigen deutschen Vertreter im Programm-Komitee. Besonders beeindruckend und erfrischend präsentiert wurde das Thema von InSites Consulting. Publikum und Fachleute in einer Jury diskutierten die Zukunft von Robotern in der Marktforschung und den künftigen Stellenwert menschlicher Intelligenz.

Insgesamt ist die Präsenz deutscher Forscher angesichts der kurzen Entfernung nach Amsterdam recht klein. Ein Tatbestand den Schillewaert im kommenden Jahr unbedingt ändern will. Deshalb sprach er auch mit den anwesenden deutschen Verbandsvertretern, um möglichst viele heimische Vertreter 2018 nach Berlin einzuladen, wo der 71. Esomar-Kongress wieder im September stattfinden wird.

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