Online Special Kunden Die Zukunft des Lebensmitteleinkaufs ist online

Mittwoch, 29. März 2017
Quelle: amazon.de
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Amazon Prime Now überzeugt Lebensmittelkäufer in Berlin. In einer Studie hat POSpulse untersucht, inwiefern sich deutsche Shopper vorstellen können, Lebensmittel im Internet zu kaufen.
Bei Mode, Bücher und Elektronik hat sich der Einkauf bereits zunehmend ins Netz verlagert. Lebensmittel werden trotz Angeboten wie dem Rewe Lieferservice, bringmeister.de, Edeka 24 & Co. immer noch vorwiegend im stationären Handel gekauft. In einer Studie hat POSpulse mithilfe der eigenen App ShopScout untersucht, inwiefern sich sich deutsche Shopper vorstellen können, auf den Gang in den Supermarkt zu verzichten. 

Onlinekauf: Große Einstiegshürden, aber hohe Zufriedenheit

Fast 60 Prozent der Befragten haben noch nie Lebensmittel oder Getränke online bestellt.  Dabei sticht Rewe mit 17 Prozent Nennungen als bislang meistgenutzter Online-Dienst heraus. Andere Anbieter fristen eher noch ein Nischendasein. Interessant ist jedoch: Wer einmal online kauft, kauft in aller Regel wiederholt. So haben immerhin 75 Prozent der Erstkäufer erneut Lebensmittel im Netz bestellt. Jeder Fünfte tat dies sogar häufiger als zehnmal. Der Großteil ist also offenbar mit dem Online-Lebensmittelkauf zufrieden, wenn er ihn erst einmal ausprobiert hat. Insofern besteht für Online-Händler die größte Schwierigkeit darin, den Verbraucher für den ersten Kauf zu aktivieren.
Quelle: amazon.de
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Prime Now punktet mit Pünktlichkeit und Service

Das bestätigt auch der Test von Amazon Prime Now: In München und Berlin beliefert der Online-Händler seine Prime-Kunden innerhalb eines 2-Stunden-Fensters frei Haus. Mit Aufpreis erfolgt die Lieferung sogar innerhalb einer Stunde. 100 Shopper wurden von POSpulse unmittelbar nach ihrer Bestellung um Feedback gebeten. Dabei wurden Pünktlichkeit, Service und auch die Handhabung der App „Prime now“ von den Testkunden sehr positiv bewertet. So vergaben 92 Prozent die Note gut oder sehr gut für den Bestellprozess. Bei 97 Prozent wurde die Bestellung innerhalb des angegebenen Zeitfensters geliefert, auch die Freundlichkeit des Kurierfahrers erhielt überwiegend sehr gute Bewertungen.

Darüber hinaus stößt auch die Lieferung innerhalb einer Stunde bei den Befragten auf Interesse. 6,99 Euro erhebt Amazon für diesen Service zusätzlich. Knapp die Hälfte findet den Aufpreis angesichts der Schnelligkeit angemessen. Gut möglich, dass bei einer Aufpreisreduzierung auch Impulskategorien wie Snacks und Süßwaren zukünftig im Netz bestellt werden. Das bedeutet jedoch auch, dass Hersteller zukünftig umdenken müssen. Impulskäufe, die bislang am häufigsten durch die besten Zweitplatzierungen ausgelöst wurden, könnten nun Konkurrenz bekommen. Denn der Vorteil eines Online-Services ist klar. Der Kauf wird unmittelbar ausgelöst, wenn das Bedürfnis einsetzt: Abends die Lieblingsserie streamen, aber nichts zu Naschen? Kein Problem – die Lieferung innerhalb einer Stunde macht es möglich, ohne einen Fuß vor die Haustür zu setzen.

Dass der Amazon Prime Now Dienst dem stationären Handel in naher Zukunft nicht den Rang ablaufen wird, liegt auf der Hand. Abgesehen von der limitierten Verfügbarkeit des Dienstes sehen die Befragten Verbesserungspotenzial vor allem beim Sortiment: 43 Prozent der Teilnehmer gaben ungestützt an, dass sich die Angebotsvielfalt bei Lebensmitteln und Getränken deutlich verbessern muss. Weitere 23 Prozent wünschen sich Rabattaktionen oder günstigere Artikel. Dennoch plant die Mehrheit auch zukünftig, Amazon Prime Now zu nutzen. Fast die Hälfte der Testkunden hält es für sehr wahrscheinlich, den Dienst erneut in Anspruch zu nehmen – auch bei Lebensmitteln.

Die Zukunft des Einkaufs ist online

Auch wenn der stationäre Handel beim Lebensmittelkauf bislang noch immer dominiert, zeigt die Studie ganz deutlich: Die Zukunft ist online. Denn schon jetzt kann sich jeder Dritte vorstellen, in den nächsten fünf Jahren alle Produkte, also auch Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Bedarfs online zu kaufen. Und das, obwohl der E-Commerce noch längst nicht sein volles Potenzial ausschöpft. Schafft es der Online-Handel entscheidende Services wie die Lieferung zu individuellen Terminen oder die Integration von Virtual Reality im Online-Shop auszubauen, wird der Druck auf den stationären Handel zukünftig sicherlich weiter steigen. Gleichzeitig kann sich der Online-Handel sein Wissen um den Kunden zunutze machen und individuelle Produkt- und Zusatzinformationen sowie ein perfekt kuratiertes Sortiment anbieten.

Doch wie kann der stationäre Handel auf die zunehmende Konkurrenz reagieren? Der Offline-Handel muss sich auf seine Stärken besinnen, allen voran das Einkaufserlebnis. Entscheidend ist hier der Fokus auf den Kunden und dessen Wünsche. Denn nur, wenn sich der Kunde wohl fühlt, wird er auch langfristig den Gang zum Lebensmittelgeschäft dem bequemen Online-Shopping vorziehen. Digitale Services, verschiedene Zahlmethoden wie Mobile Payment oder Self-Scanning und die Verbesserung von Ambiente und Store-Design im Markt bieten Konsumenten einen Zusatznutzen. Die Möglichkeiten für neue, innovative Ansätze sind groß, der stationäre Handel muss sie nur nutzen.

Durch Angebote wie Amazon Prime Now mit kundenorientierten Services dürfte sich das Gewicht noch weiter in Richtung Online-Handel verschieben. Entsprechend muss sich der stationäre Handel auf seine Stärken konzentrieren und vor allem das Einkaufserlebnis optimieren. Dass Shopper sich digitale Services wie Self-Scanning, digitale Umkleidekabinen und Mobile Payment wünschen, ist bereits in zahlreichen Studien belegt – aber kaum umgesetzt. Ein Faktor, der Amazon und Co. begünstigt.
 
Dominic Blank, Gründer und Geschäftsführer (Foto: POSpulse)
Dominic Blank, Gründer und Geschäftsführer (Foto: POSpulse)
       Dominic Blank ist Gründer und Geschäftsführer von POSpulse

p&a 6/16 Shopper + Gamification
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      in Heft 6/16 von planung&analyse
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