Interview Die Situation ist nicht einfach

Mittwoch, 01. März 2017
Prof. Raimund Wildner zu den Perspektiven für die GfK
Prof. Raimund Wildner zu den Perspektiven für die GfK
© GfK
Themenseiten zu diesem Artikel:

GfK KKR Raimund Wildner Digitalisierung


Das Schicksal von Deutschlands größtem Marktforscher liegt ihm sehr am Herzen. Im Gespräch mit planung&analyse erklärt Prof. Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins, wie GfK SE vom Einstieg durch KKR profitieren kann.

Nachdem sich der Haupteigner der GfK, der GfK Verein, viele Jahre recht zurückhaltend verhalten hat und noch nicht einmal im Aufsichtsrat vertreten war, sitzen Sie gemeinsam mit Herrn Klein-Bölting nun seit knapp einem Jahr im Aufsichtsgremium des größten deutschen Marktforschers, und schon wird dort alles umgekrempelt. Warum war das nötig?
Prof. Raimund Wildner: Dafür gab es vor allem zwei Gründe. Wenn Sie sich den früheren Aufsichtsrat ansehen, dann saßen da sehr erfahrene Manager, keiner davon war aber mehr aus unserer Branche. In einer Zeit, in der sich durch die Digitalisierung das Geschäft so sehr verändert, ist es aber notwendig, auch Branchen- Know-how mit einzubringen. Als Think Tank der Marktforschung beschäftigt sich der GfK Verein seit Jahren intensiv damit, wie sich die Marktforschung weiterentwickeln kann. Dieses Wissen wollten wir einbringen. Der zweite Grund war, dass es in der GfK nicht rund lief, es gab, wie Sie vermutlich gelesen haben, Gewinnwarnungen und der Aktienkurs stagnierte beziehungsweise ging nach unten. Die GfK entwickelte sich in letzter Zeit nicht so gut wie die Branche. Es war also klar, dass es so wie bisher nicht weitergehen konnte.

Wie beurteilen Sie die Situation heute?
Ich halte die Situation nach wie vor für nicht einfach. Im letzten August gab es ja eine neuerliche Gewinnwarnung, unter anderem weil Abschreibungen auf Firmenwerte zu Verlusten führten. Aber auch die operative Rendite ist weiterhin rückläufig. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite sehe ich aber nun mit dem Einstieg von KKR einen Weg, wie die GfK wieder auf einen nachhaltig profitablen Wachstumspfad gebracht werden kann. Deshalb blicke ich zuversichtlich in die Zukunft.

Seit wann war Ihnen klar, dass man nicht umhin kommt, einen dritten Partner einzubeziehen?
Die Überlegung, einen Partner hinzuzuziehen, der über internationale Expertise und Erfahrung im Bereich der Marktforschung und Digitalisierung verfügt, entwickelte sich seit über einem Jahr und ist das Ergebnis einer umfassenden internen Analyse. Ganz wichtig war uns, dass wir mit KKR einen starken Partner gefunden haben, der einen sehr guten Ruf und umfassende Branchenerfahrung hat und der unsere Vorstellungen teilt. Und auch Vorstand und Aufsichtsrat der GfK sehen den Einstieg positiv. Insofern ziehen alle Gremien an einem Strang und in die gleiche Richtung, was ja ein ganz entscheidender Punkt ist.

Was versprechen Sie sich von KKR?
Nun, wir sehen in der GfK SE unverändert großes Potenzial: Sie hat eine starke weltweite Marke, eine große Kundenbasis, gute Produkte und tolle Leute mit einem enormen Know-how und langjährigen Beziehungen zu den Kunden. Sie hat also eine gute Ausgangsposition, um in den nächsten Jahren noch einen großen Sprung nach vorne zu machen, insbesondere durch neue, digitale Services. Und hier kommt KKR ins Spiel. KKR verfügt über ein einzigartiges internationales Experten-Netzwerk, eine operative Wachstumsplattform und große Branchenerfahrung, wovon die GfK profitieren kann. KKR hat, wie Sie ja wissen, beispielsweise die Neuausrichtung von Nielsen erfolgreich begleitet. Mit dem Netzwerk und der Branchenerfahrung unseres neuen Partners wollen wir die Chancen nutzen, die die Digitalisierung für unser Business bereithält – und das sollten wir unbedingt machen.

Wir führen das Interview noch vor dem 10. Februar, dem Stichtag für die Annahme des Übernahmeangebotes durch die Aktionäre. Welchen Plan B gibt es, falls KKR keine 18,54 Prozent der Anteile erwerben kann?
Im Augenblick konzentrieren wir uns nur auf eines: auf den Erfolg des Angebots. Den Angebotspreis von 43,50 Euro pro Aktie halten wir für sehr attraktiv. Auch der Vorstand und der Aufsichtsrat der GfK sehen das so und haben den Aktionären die Annahme des Angebots empfohlen. Für die Aktionäre ist das eine einmalige Chance, von der wir sehr hoffen, dass sie ausreichend genutzt wird. Der GfK Verein hat mit KKR eine Investorenvereinbarung abgeschlossen, die eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Governance bezüglich der GfK vorsieht.

Sie wollen den Vertretern der KKR weitreichende Befugnisse und drei Plätze im Aufsichtsrat einräumen. Warum wird KKR als gleichberechtigter Partner behandelt, auch wenn sie nur das Minimum von 18,54 Prozent erreichen sollten?
Wie in den Veröffentlichungen zu lesen ist, beabsichtigen wir als GfK Verein, auch mittel- und langfristig Mehrheitseigentümer zu bleiben. Aber wir wollen ja auch das Knowhow und die Verbindungen von KKR nutzen. Und das geht am besten in einer gleichberechtigten Partnerschaft. Und wir sind überzeugt davon, dass das auch das Beste für die GfK ist.

In einem weiteren Gremium, dem Steering Committee, das nur aus Vertretern des GfK Vereins und von KKR besteht, soll der Investor in Ausnahmen dort sogar ein Alleinentscheidungsrecht haben. Welche besonderen Fälle könnten das sein?
Diese Punkte sind Teil der Investorenvereinbarung, aus der keine Inhalte veröffentlicht werden. Dass ich an dieser Stelle deshalb keine weiteren Details ausführe, verstehen Sie sicher. Daher nur eine kurze Bemerkung dazu: Wenn Sie eine paritätische Besetzung der Gremien haben, dann müssen Sie sicherstellen, dass keine Blockade entsteht. Das wollen wir vermeiden und das haben ja auch der Vorstand und der Aufsichtsrat positiv vermerkt.

Sie persönlich und der GfK Verein haben mehrfach geäußert, dass Ihnen die GfK sehr am Herzen liegt. Welche strategische Richtung muss der größte deutsche Marktforscher einschlagen, um erfolgreich zu sein?
Natürlich liegt mir die GfK sehr am Herzen – ich arbeite ja seit mehr als 32 Jahren bei der GfK und davon seit über 21 Jahren als Geschäftsführer beim GfK Verein. Dementsprechend gut kenne ich das Unternehmen und schätze das beachtliche Know-how und die langjährige Erfahrung. Was die GfK aber auch auszeichnet, ist die enorme Motivation der Kolleginnen und Kollegen – ohne ihr Wissen, ihr Engagement und ihre Kundenbeziehungen wäre unser Geschäft ja gar nicht möglich. Ohne sie blieben uns nur ein paar Rechner und ein bisschen Beton – aber das können Sie dann auch gleich wegwerfen. Es gibt meiner Ansicht nach also viele Pfeiler, auf die wir bauen können, damit die GfK auch in Zukunft erfolgreich wächst. Allerdings gilt es auch noch einiges anzupacken: Wir müssen beispielsweise noch schneller und agiler werden und unsere Angebote noch sehr viel genauer auf die geänderten Kundenbedürfnisse abstimmen. Und wir müssen – noch viel mehr als in der Vergangenheit – uns ansehen, wie die Möglichkeiten der digitalen Welt genutzt werden können, um unsere Kunden noch besser und umfassender zu bedienen. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das Vertrauen, das die GfK genießt, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einmal das Vertrauen der Marktteilnehmer, die wissen, dass Ergebnisse, unter denen GfK steht, geprüfte Zahlen mit gesicherter Qualität sind. Aber auch das Vertrauen derjenigen, die uns die Informationen zur Verfügung stellen und die sicher sein wollen, dass das Versprechen der Anonymität gilt, ist ein entscheidender Punkt. Dieses ganzheitliche Vertrauen muss unbedingt erhalten bleiben. Das ist übrigens nicht nur für die GfK essenziell, sondern für die ganze Marktforschungsbranche insgesamt.
Soweit ein Auszug aus dem Interview mit Prof. Wildner. Das komplette Interview ist erschienen in:
      planung&analyse 1/2017
     
Jetzt suchen >>
stats