Deutscher Medienkongress Fake News zeigen große Resilienz

Mittwoch, 18. Januar 2017
Foto: dfv / HORIZONT
Foto: dfv / HORIZONT

Fake-News, dieses Schlagwort zieht sich durch den Deutschen Medienkongress 2017 von Horizont, dem Schwestertitel von planung&analyse, der gestern und heute in Frankfurt in der Alten Oper stattfindet. Fake-News und ein drohender gesellschaftlicher Wandel, vor dem vor allem die Keynote-Speaker warnen.

„Macht die Gesellschaft nicht nur zukunftsfähig, sondern auch enkeltauglich“, so der Appell von Richard David Precht, Philosoph und Buchautor („Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“). Er beklagt „die Auflösung der liberal-demokratischem Gesellschaft“ und sieht auch bei der Medien- und Werbewirtschaft einen Anteil. Eine Vereinheitlichung der Medien („Nichts am Spiegel ist heute noch links“) führe dazu, dass ein großer Teil der Bevölkerung gar nicht mehr das Ziel habe, sich umfassend zu informieren, denn: „Der größte Sinn des Zeitungslesens liegt darin, seine eigene Meinung bestätigt zu bekommen.“ Wenn die Medien alle ähnlich sind, erfolge eine Abwanderung ins Internet, wo manche „die wirkliche Wahrheit“ vermuten. Und dort gilt die Regel: „Je mehr man pöbelt, desto höher ist die Aufmerksamkeit.“ So entstehen Fake-News.

Fake-News sind auch das Thema von Miriam Meckel, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, die vor der Zersetzung der Meinungsbildung warnt. Fake-News fallen im Internet auf einen allzu bereiten Nährboden und sie zeigen große Resilienz, größere als die Wahrheit. Sie nennt zahlreiche Beispiele wie den als „Pizzagate“ bekannt gewordenen Vorfall, eine Verschwörungstheorie, die unterstellt in einer Pizzeria würde ein Kinder-Pornografie-Ring unterhalten. Die Verbindung zum Wahlkampfteam von Hillary Clinton war schnell erzeugt. Dort wurde regelmäßig Pizza bestellt. Woraufhin sich ein Mann mit einer Waffe in der Hand auf den Weg nach Washington machte und dort wahllos schoss. Zum Glück ohne jemand zu treffen.

Noch gefährlicher werde es, wenn die Meinungsmache im Netz nicht mehr von Menschen komme. Als Beispiel nennt sie den Chatbot Tay von Microsoft, der von Menschen Kommunikation lernen sollte. „Hello World. Ich will von Euch lernen“, waren seine ersten Worte. Nach nur 24 Stunden waren seine Äußerungen unflätig und menschenverachtend, sodass der Konzern das Experiment abbrechen musste. Laut Meckel ist dies beispielhaft für die heutige Zeit, in der radikalisierte Meinungen Überhand nehmen. In den zahlreichen Diskussionsrunden des Tages kam das Thema immer wieder zum Vorschein. (hed)

Die Preisträger der HORIZONT Awards 2016:
Bernd Reichart (Vox), Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund) sowie die BBDO-Manager Wolfgang Schneider und Frank Lotze (v.l.; Foto: dfv)


Ausführliche Berichterstattung unter www.horizont.net
Jetzt suchen >>
stats