Branche Deutsche sind die Konsumoptimisten 2011

Freitag, 04. Februar 2011
Deutschland und Europa (Quelle: GfK)
Deutschland und Europa (Quelle: GfK)

Wie von der GfK prognostiziert, stieg der private Konsum im vergangenen Jahr um 0,5% an. Für 2011 wird bei den Ausgaben der Privathaushalte eine deutliche Steigerung um 1,5% erwartet. Im europäischen Vergleich sind die Deutschen mittlerweile die mit Abstand größten Konsum-Optimisten.

Deutschland hat die Finanz- und Wirtschaftskrise mit beindruckender Dynamik hinter sich gelassen. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Krisenjahr 2009 noch um 4,7%schrumpfte und das Land die schwerste Rezession der Nachkriegszeit durchlebte, schnellte das BIP im vergangenen Jahr um 3,6% nach oben − so stark wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr.

Mit dem Unterschreiten der psychologisch wichtigen Drei-Millionen-Marke im Herbst 2010 lieferte die Arbeitsmarktentwicklung einen entscheidenden Schub für das Vertrauen der Verbraucher in die eigene wirtschaftliche und berufliche Zukunft.

Zum Jahresbeginn 2011 verstärkt sich der Konsumoptimismus der Deutschen weiter. Die Anschaffungsneigung steigt im Januar auf einen Wert von 41,8 Zählern − den höchsten Stand seit Dezember 2006 − und das trotz der zuletzt angestiegenen Preiserwartung. Die positiven Aussichten am Arbeitsmarkt befeuern weiterhin die Konsumstimmung.  
Für den Lebensmittelhandel und die Drogeriemärkte prognostiziert die GfK für 2011 eine Umsatzsteigerung von etwa 1,7% (2010: 1,2%), für den Non-Food-Handel geschätzte 1,7% (2010: 2,6%) .

Während das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 3,6% zulegte, konnten Frankreich (+1,6%), Großbritannien (+1,8%) und Italien (+1,1%) bei diesem Wachstumsschub nicht mithalten. In Spanien entwickelte sich das BIP mit einem Rückgang um 0,2% sogar leicht negativ. Unter den bevölkerungsstarken EU-Ländern verzeichnete nur Polen (+3,5%) eine ähnlich positive Wirtschaftsentwicklung wie Deutschland. Die positiven Nachrichten aus den Unternehmen steigerten die Konjunkturerwartungen der deutschen Verbraucher im Jahr 2010 auf einen Durchschnitt von +29 Indikatorpunkten.

Zur Situation in Frankreich und Großbritannien

Zur Situation in Italien und Spanien

Zur Situation in Polen, Rumänien und Griechenland



In Frankreich beurteilten die Menschen die ökonomischen Aussichten ihres Landes deutlich negativer (-11 Punkte). Im Vergleich zum Nachbarn Deutschland belasten höhere Sozialabgaben und geringere Arbeitszeiten durch die gesetzlich vorgegebene 35 Stunden-Woche die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die französischen Verbraucher befürchten derzeit massiv eine Abnahme ihres Lebensstandards, wie die im Jahresschnitt 2010 mit -27 Punkten deutlich negativ beurteilte Einkommenserwartung deutlich belegt. In Deutschland lag der Wert hingegen bei +28 Zählern. Auch bei der Anschaffungsneigung entwickelten sich die beiden bevölkerungsstärksten Länder Europas konträr. Im Jahresschnitt erreichte der Indikator in Deutschland einen Wert von +27 Punkten, in Frankreich hingegen -32 Zähler.

In Großbritannien zeigten das Ende des langjährigen Immobilienbooms und die Maßnahmen der Regierung zur Haushaltskonsolidierung deutliche Wirkung. Die Anschaffungsneigung erreichte im letzen Jahr ein Niveau von nur -29 Zählern. Auch die Einkommenserwartung wurde im Jahresschnitt mit -5 Punkten negativ beurteilt. Der öffentliche Sektor ist in Großbritannien der größte Arbeitgeber, entsprechend groß sind hier die Auswirkungen des harten Sparkurses der Regierung. Zudem belasteten Nullrunden bei den Gehältern und eine im Vergleich zu Deutschland hohe Inflationsrate den Lebensstandard der Britten. 


Die Verbraucher in Italien schätzten die Konjunkturaussichten ihres Landes im letzten Jahr ebenfalls pessimistisch ein. Eine Konjunkturerwartung von -15 Punkten und eine Einkommenserwartung von -19 Zählern spiegeln die Zukunftsängste der Bevölkerung deutlich wider. Das Wirtschaftswachstum war bereits vor der Finanzkrise sehr gering, das Staatsdefizit enorm und die Arbeitslosigkeit erreichte im vergangenen Jahr einen Höchstand seit 2001. Die Situation am Arbeitsmarkt wird durch eine deutliche Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen und Stellen im Niedriglohnsegment zusätzlich belastet. Die Mittelschicht des Landes schrumpft und die italienischen Verbraucher reagieren mit Zurückhaltung beim Konsum und starker Preissensibilität. Die Anschaffungsneigung konnte im Jahresschnitt nur einen Wert von -19 Zählern erreichen.

Spanien ist von seiner Immobilienkrise stark getroffen. Aufgrund der enormen wirtschaftlichen Bedeutung des Immobiliensektors stieg die Arbeitslosenrate zwischen 2007 und 2010 um mehr als das Doppelte. Im Unterschied zu fast allen europäischen Ländern sank das Bruttoinlandsprodukt in Spanien im vergangenen Jahr sogar leicht. Entsprechend negativ fielen im Jahresschnitt auch die Konjunkturerwartungen der Verbraucher mit einem Punktwert von -18 aus. Noch düsterer bewerteten die Spanier ihre persönlichen Einkommensaussichten mit -22 Zählern. Das hohe Staatsdefizit versucht die Regierung durch Einschnitte bei Sozialleistungen, Gehaltskürzungen bei  öffentlichen Bediensteten sowie mit höheren Steuern, beispielsweise der Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von 16 auf 18 Prozent, auszugleichen. Mit einer Anschaffungsneigung von -8 Zählern im Jahresdurchschnitt 2010 reagierten die spanischen Verbraucher im Vergleich zu ihren Nachbarn in Frankreich und Italien aber noch sehr moderat auf die wirtschaftliche Lage.


Das Bruttoinlandsprodukt in Polen legte im Jahr 2010 um 3,5 Prozent zu und erreichte damit fast die deutsche Wachstumsrate. Auch in punkto Arbeitslosigkeit kann der östliche Nachbar glänzen. Gegenüber 2007 blieb die Zahl der Arbeitslosen unverändert. Die positive wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres wurde von den polnischen Verbrauchern jedoch nur bedingt wahrgenommen, wie die im Vergleich zu Deutschland geringe Konjunkturerwartung von +5 Zählern im Jahresdurchschnitt belegt. Die medial geschürte Angst vor den potenziellen Folgen der Finanzkrise beeinflussten die polnischen Verbraucher in ihren Einschätzungen stärker als die sichtbare wirtschaftliche Entwicklung. Dies zeigt auch die Einkommenserwartung mit einem Jahreswert von -1 Zählern. Die Anschaffungsneigung hingegen erreichte einen im europäischen Vergleich sehr positiven Wert von +6 Punkten.

Die Verbraucher in Rumänien und Griechenland spürten die Folgen der Finanzkrise und der hohen Verschuldung ihrer Staaten im letzten Jahr sehr deutlich. In Griechenland ging das Bruttoninlandsprodukt um 4,2 Prozent zurück, in Rumänien um 1,9 Prozent. Entsprechend negativ entwickelte sich auch die Konjunkturerwartung der Verbraucher. Mit einem Jahresdurchschnitt von -50 Zählern bildeten die Rumänen hier das traurige Schlusslicht Europas, gefolgt von den Griechen mit -39 Punkten. In beiden Ländern stehen die Regierungen unter starkem internationalem Druck, ihre Staatsdefizite abzubauen, da sie Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds, der europäischen Zentralbank und der EU erhielten. Harte Einschnitte in Sozialleistungen sowie die Anhebung von Steuern und Abgaben sind die Folgen. Die Einkommenserwartung der Verbraucher fiel in Rumänien im Jahr 2010 mit -47 und in Griechenland mit -43 Zählern entsprechend deutlich negativ aus. Auch die Anschaffungsneigung war geprägt von den Zukunftsängsten der Verbraucher. Mit einem Jahresschnitt von -38 Zählern in Griechenland und -33 in Rumänien bildeten die Länder − zusammen mit  Portugal, wo der Wert sogar auf -47 Zählern sank − den negativen Schlusspunkt in Europa.

Nähere Informationen zur GfK Gruppe  finden Sie auch online im p&a Handbuch der Marktforschung.
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