Branche Das vereinte Europa drückt der Schuh an mehreren Stellen

Freitag, 25. Juni 2004

Mit durchschnittlich 47 Prozent und damit mit großem Abstand vor allen anderen Themen steht die gespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt auch in diesem Jahr wieder an erster Stelle in der Sorgenliste der Europäer. Neben der kritischen Beschäftigungssituation ist es vor allem die Kriminalität, die den Europäern den Schlaf raubt. Mit durchschnittlich 17 Prozent nimmt die Forderung nach Verfolgung und Bekämpfung von Straftaten in fast allen untersuchten Ländern einen Spitzenplatz ein. In den Niederlanden hat die Angst vor Verbrechen im Jahr 2004 die Spitze der Themenliste gestürmt und das Top-Thema des letzten Jahres - das Gesundheitswesen - von Platz eins verdrängt. Die Angst vor kriminellen Aktivitäten hat sich mit 42 Prozent der Nennungen im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt, obwohl objektiv betrachtet die Zahl der Straftaten in Holland nicht stärker zunimmt als in anderen europäischen Ländern. Für Engländer (22 Prozent), Franzosen (26 Prozent) und Italiener (22 Prozent) liegt die Bekämpfung krimineller Aktivitäten jeweils an zweiter Stelle in der Rangfolge der Probleme, für die Spanier ist das Thema mit einem Anteil von zwölf Prozent am viertwichtigsten. In Deutschland und Österreich werden Sozialthemen weit häufiger genannt als in den anderen Ländern. Hier sehen nur sieben beziehungsweise vier Prozent der Befragten Handlungsbedarf bei der Bekämpfung der Kriminalität.
Obwohl das Gesundheitswesen in fast keinem der befragten Länder zu den Hauptproblemen zählt, erreicht es über alle Länder hinweg Platz drei. Durchschnittlich 13 Prozent der Europäer sehen bei der Gesundheitsversorgung in ihrem Land Handlungsbedarf. Die meisten Sorgen um ihr Gesundheitswesen machen sich mit 18 Prozent der Nennungen die Briten, wobei sich im Vergleich zu den Vorjahren eine deutliche Entspannung abzeichnet. Obwohl in Polen absolut betrachtet lediglich 12 Prozent der Befragten Verärgerung über die Gesundheitsversorgung äußern, steht dieses Problem dennoch an zweiter Stelle der Sorgen, die in Polen insgesamt genannt werden. Der Abstand zum Top-Thema Arbeitslosigkeit (73 Prozent) ist hier also enorm. Mit jeweils 14 Prozent der Nennungen schenken auch Deutsche, Italiener und Holländer der Gesundheitsversorgung in ihrer Heimat relativ viel Beachtung. Allerdings ist das Interesse im Vergleich zum Vorjahr in allen drei Ländern zurückgegangen.
Gravierende Unterschiede zwischen den europäischen Nationen offenbaren sich bei der Ausländer- und Asylantenproblematik. Zwar liegt dieses Thema im europäischen Durchschnitt auf Rang 4, dies sagt jedoch nur wenig über die tatsächlichen Verhältnisse in den einzelnen Ländern aus. So bereitet die Ausländerfrage beziehungsweise das Asylantenproblem den Engländern die größten Sorgen. Im Vergleich zum Jahr 2002 hat sich die Aufmerksamkeit der Bevölkerung mit nun 35 Prozent der Nennungen fast verdreifacht. Auch in den Niederlanden widmen die Bürger der Debatte um Zuwanderung und Asyl großes Interesse. Auf Platz zwei in der Agenda der Themen äußern 22 Prozent der Holländer ihre Sorge gegenüber der Ausländerproblematik.
Während die Rentenproblematik nur für 10 Prozent der Europäer eine wesentliche Rolle spielt, steht sie in den Köpfen der Deutschen an zweiter Stelle und beunruhigt sie mit steigender Tendenz. 20 Prozent der Bundesbürger sehen mittlerweile ihre Altersversorgung gefährdet. Die kürzlich gefassten Beschlüsse zur Rente, wie etwa die Nullrunde bei der Rentenerhöhung, ebenso wie die Problematik einer alternden Gesellschaft mit einem immer größeren Missverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern schüren offenbar Ängste. Besonders stark macht sich dies bei den älteren Menschen und in den alten Bundesländern bemerkbar. Etwas anders verhält es sich im Osten. Dort rangiert nicht die Rente, sondern die Sicherung von Sozialleistungen an zweiter Stelle in der Hierarchie der wichtigsten Themen. Die ohnehin schon große Besorgnis, die die Bürger im Osten in den Vorjahren geäußert hatten, wurde in diesem Jahr noch einmal übertroffen.
Zu den zwei größten Sorgen der Spanier zählen traditionell die Arbeitslosigkeit und das spanische Sonderproblem, der Terror durch die baskische Untergrundorganisation ETA. Jahr für Jahr konkurrieren beide Themen um den ersten Platz in der Liste der größten Probleme im Land. Vor dem Hintergrund der Anschläge in Madrid im März dieses Jahres hat der Terrorismus in Spanien jetzt eine neue Dimension angenommen - nun kommt auch noch der islamistische Terror hinzu. Für 54 Prozent der spanischen Bürger ist Terrorismus das aktuelle Top-Thema, weit vor der Arbeitslosenproblematik, die in der aktuellen Untersuchung bei 34 Prozent liegt. Als weitere spanische Besonderheit liegen Wohnungsprobleme und Miete mit 17 Prozent auf Platz 3. In keinem anderen Land schafft dieser Problemkreis einen Platz unter die ersten 10.
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