China Business Day / dfv Conference Group Ausflug ins Reich der Mitte

Freitag, 01. Dezember 2017
Tradition und Moderne liegen in China nahe beieinander
Tradition und Moderne liegen in China nahe beieinander
© Pixabay

Der chinesische Markt mit 1,4 Milliarden Einwohnern lockt Hersteller und Dienstleister aus dem Westen. Doch egal welche Branche, man muss sich ein wenig auskennen, bevor man diesen Schritt wagt. Die Conference Group des dfv (wo auch planung&analyse erscheint) hat daher einen Tag zu möglichen Business-Chancen in China veranstaltet.

„In ein paar Jahren wird es keinen E-Commerce mehr geben.“ Diesen provozierenden Satz sagt Jack Ma, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Alibaba, dem chinesischen Online-Shop-Anbieter. Und er sagt dies, obwohl erst kürzlich, am sogenannten „Singles‘ Day“, Waren im Wert von fast 25 Milliarden US-Dollar innerhalb von 24 Stunden auf seiner Plattform verkauft hat. Das waren unvorstellbare 325.000 Transaktionen pro Sekunde.

Nein, Jack Ma war nicht beim China Business Day der dfv Conference Group in Frankfurt, aber sein Statthalter für Deutschland, Österreich, Schweiz, Türkei und Osteuropa, Karl Wehner, war dort. Und er berichtete von dem Mega-Unternehmen: Längst ist Alibaba nicht mehr nur Online vertreten. Unter der Überschrift „New Retail“ hält man eine Beteiligung an der größten chinesischen Elektronikkette Suning. Für 20 Prozent legte Ma über 4 Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Das war 2015. Anfang dieses Jahres kaufte er für 2,6 Milliarden Dollar den größten chinesischen Warenhausbetreiber Intime.

Geschickt und ohne lästige Hürden durch den Datenschutz verknüpft Alibaba so Online- und Offline-Handel. Preise, die online angeboten werden, sind auch offline verfügbar, Augmented Reality macht das Einkaufen vergnüglicher, Informationen liegen auf jedem Produkt hinter dem QR-Code. Man kann die Ware offline kaufe und sich liefern lassen oder online bestellen und offline abholen. Die App kennt alle Käufe und kann Vorschläge und personalisierte Sonderangebote machen. Online operiert Alibaba mit mehreren Plattformen parallel, für rein chinesische Produkte und für internationale Waren und hat sich so in weniger als zehn Jahren eine erstaunliche Marktposition erarbeitet.

Wehner von Alibaba war freilich nur ein Impuls von zahlreichen auf dem China Business Day. Rund 150 Leute kamen ins Radisson nach Frankfurt um mehr über den faszinierenden Markt China zu erfahren.

China is not for everyone

Wieviel schwerer sich ein europäischer Händler in dem Riesenreich der Mitte tut, berichtet Massimo Francese vom Textilhersteller Marc O’Polo: „China is not for everyone.“ 47 Läden will der Textilit gemeinsam mit einem Franchisenehmer bis Ende des Jahres eröffnet haben. „Wir hören sehr genau auf den Markt“, sagt er und weiß dass manche Vorhersagen nicht richtig waren. Es kaufen sehr viel mehr Frauen als Männer und die Kunden sind sehr kritisch. Davon berichten auch andere Vortragende an diesem Tag. Deutsche Produkte sind bei Chinesen hoch im Kurs, aber sie müssen auch wirklich hohe Qualität haben. Ebenfalls wichtig: Hohe Sicherheit von Produkten. Bei der Kommunikation legen Chinesen Wert auf Authentizität. Tritt ein Testimonial in einem Werbespot auf, wird gefragt: Ist das auch wirklich derjenige im Unternehmen, für den er sich ausgegeben hat? Etwa der Chef oder der Qualitätsprüfer.

Ein zweiter großer Player, der Geschäfte in China beeinflusst, ist WeChat. Von dieser Kommunikationsplattform berichtet Dirk Schmidbauer von SPPE Consulting. 1 Milliarde aktive Nutzer gibt es weltweit. Mit WeChat kann man nicht nur chatten, sondern auch seinen Einkauf im Laden bezahlen, es ist ein Social Network, ein Shop-Finder und eine Einkaufs- und Infobörse. „Content ist hier King, aber KOL ist der Kaiser“, sagt Schmidbauer. Unter KOL versteht man in China die Key-Opinion-Leader, sprich die Influencer.

Die Menschen hinter dem Konsum kennen

Wie die Menschen mit diesen Herausforderungen umgehen und sich zwischen Tradition und Moderne bewegen, berichtet Thomas Ebenfeld von concept m. Der Marktforscher zeigt wie die „Generation of Oportunities“, die Gen Y, konsumiert und worauf sie Wert legen. Sie haben etwa einen hohen Drang nach Freiheit und Individualität. Das zeigt sich auch bei den Food-Journeys, die Ebenfeld und sein Team in China beobachtet haben. Ein weiterer Trend ist Reduktion und Simplizität aber auch eine Rückbesinnung auf die Wurzeln.

Denn längst ist es nicht mehr nur das Made in Germany, was Chinesen zum Kauf lockt, die chinesischen Produzenten haben eine starke Position im Land. Und so wird klar, was Jack Ma mit seiner provokanten Äußerung meint. E-Commerce wird so selbstverständlich, dass man es gar nicht mehr so bezeichnen muss. Es ist einfach nur Shopping.

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