Branche Chefredakteure von Printmedien fordern verstärkte Qualitätsorientierung der Presse

Montag, 09. Mai 2005

Vor dem Hintergrund der anhaltend schwierigen Marktlage für Tageszeitungen und Zeitschriften, die viele Redaktionen und Verlage vor Sparzwänge stellt, fordern zahlreiche Chefredakteure eine verstärkte Qualitätsorientierung der Presse. Von der schlechten wirtschaftlichen Lage vieler Blätter in Folge der stagnierenden Nachfrage am Kiosk und einer rückläufigen Entwicklung im Anzeigengeschäft ist die Unabhängigkeit der Presse nach Meinung der Befragten bislang weitgehend unberührt geblieben. So sagen 74 Prozent, die Aussage "Thematisch heiße Eisen werden gar nicht erst angepackt" sei unzutreffend. Auch die Einschätzung, viele Redaktionen formulierten aus Sorge vor wirtschaftlichen Konsequenzen vorsichtiger, lehnt die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) ab. Allerdings sind die meisten Redaktionen von Personalkürzungen und einer zunehmenden Arbeitsbelastung der Redakteure betroffen - dieser Feststellung stimmen 90 Prozent der beteiligten Chefredakteure zu. Die wichtigsten Eigenschaften, die einen Journalisten heute auszeichnen müssen, sind "klare Darstellung von Sachverhalten" sowie "Sorgfalt" (jeweils 66 Prozent), "Neugier" (61 Prozent), "Unabhängigkeit gegenüber Institutionen und Autoritäten" (56 Prozent) sowie "Allgemeinbildung" (54 Prozent). Mit Blick auf den journalistischen Nachwuchs attestieren 62 Prozent ihren jungen Mitarbeitern heute ein gutes bis sehr gutes Qualifikationsniveau. Gegenüber früheren Generationen zeichnen sie sich durch Schnelligkeit, Teamfähigkeit und Flexibilität aus. Große Einigkeit herrscht darüber, welche Funktionen die Printmedien heute erfüllen: 85 Prozent finden es am wichtigsten "den Leser zu befähigen, sich (...) eine eigene Meinung zu bilden", 68 Prozent verstehen es als ihren Auftrag, "durch Gewichtung, Einordnung und Selektion Orientierung zu bieten". 63 Prozent sagen, es gehe auch darum, den Lesern zu erklären, in welcher Weise sie von aktuellen Entwicklungen betroffen sind, während 44 Prozent ihre Rolle außerdem darin sehen, Service und Leserberatung zu liefern.
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